Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG (Quelle: Lapp)
„Wir haben agil und innovativ auf die Herausforderungen reagiert, und konnten so wirtschaftliche Einbußen noch im Rahmen halten“, betont Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG, mit Blick auf die Corona-Pandemie. „Trotz des Covid-bedingten Ergebnisrückgangs bin ich für die Zukunft optimistisch. Vor allem unsere Strategie, die digitale Transformation gemeinsam mit den Kunden voranzutreiben, hat sich in Zeiten der Pandemie als stabilisierender Faktor bewährt. Besonders stolz bin ich auf unsere Mitarbeitenden, die mit großem Einsatz und Leidenschaft dafür sorgten, dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten unsere Kunden zufriedenstellen und sogar begeistern konnten.“
Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie sei der Umsatzrückgang auch durch die gesunkenen Kupferpreise (-3,1 % im Jahresdurchschnitt) sowie durch Wechselkursschwankungen beeinflusst worden. Bereinigt um diese Faktoren lag der Umsatzrückgang bei -6,5 %, mit einem noch relativ stabilen Geschäftsverlauf in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres und einer deutlichen Eintrübung in den Quartalen 3 und 4, wie Lapp mitteilt.
Region Amerika mit stabilen Umsätze
Die Umsatzerlöse haben sich in den Regionen unterschiedlich entwickelt: Die Region EMEA (Europa, Naher & Mittlerer Osten und Afrika) ist mit rund 74 % Umsatzanteil die stärkste Region in der Lapp-Gruppe. Sie erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 833,4 Mio. € – das entspricht einem Minus von 6,3 % gegenüber dem Vorjahr. Die Region Amerika (Nord-, Mittel- und Südamerika) blieb mit 118,5 Mio. € gegenüber dem Vorjahr stabil. Die Region APAC (Asia Pacific einschließlich Indien) schloss das Geschäftsjahr mit 176,4 Mio. € oder einem Minus von 17,3 % schwächer ab. Hier wirkte sich die Covid-bedingte Eintrübung der Absatzmärkte bereits viel früher im Geschäftsjahr aus.
Ergebnis und Eigenkapitalquote
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg auf 95,0 Mio. € (Vorjahr: 78,2 Mio. €), inklusive eines positiven Effektes durch die erstmalige Anwendung der IFRS-16-Regelungen (Verlagerung der Aufwendungen für Leasing in die Position der Abschreibungen). Das Ergebnis vor Steuern (EBT) betrug 29,7 Mio. € (Vorjahr: 48,3 Mio. €), zusätzlich beeinflusst durch bewertungstechnische Einmalaufwendungen im hohen einstelligen Millionenbereich. Das Eigenkapital ist auf 342,2 Mio. €(Vorjahr: 338,5 Mio. €) leicht gestiegen. Die Eigenkapitalquote blieb mit 45,7 % (Vorjahr 48,0 %) weiterhin auf konstant hohem Niveau. „Trotz der pandemiebedingten Einbußen stellt sich die Vermögens- und Finanzlage von Lapp ausgesprochen solide und robust dar“, bekräftigt Finanzvorstand Jan Ciliax.
Investitionen in Software- und Digitalisierungsprojekte
Das Investitionsvolumen für Sachanlagen und Immaterielle Vermögenswerte lag mit insgesamt 57,7 Mio. € um 13,8 Mio. € höher als im Vorjahr. Wesentlicher Grund für den Anstieg waren die Zugänge der Nutzungsrechte des IFRS 16 in Höhe von 28,3 Mio. €. Für immaterielle Vermögenswerte wurden 10,4 Mio. € investiert. Schwerpunkt waren hier Software- und Digitalisierungsprojekte. Die Aufwendungen für Sachanlagen betrugen 19,0 Mio. €. So wurde insbesondere an den europäischen Standorten in Gebäude, Maschinen und Anlagen, in die Logistik und den strategischen Ausbau der auf Ladesysteme spezialisierten Lapp Mobility GmbH investiert. Außerdem wurde im vergangenen Herbst in Hannover ein neues Logistikzentrum mit 68.000 m2 Grundstücksfläche in Betrieb genommen. Insgesamt wurden dort für Regalsysteme und eine Verpackungsanlage rund 1 Mio. € investiert.
Personalentwicklung
Weltweit sank die Zahl der Mitarbeiter um 1,6 % auf 4.575 Beschäftigte (Vorjahr: 4.650 Beschäftigte). Der prozentual höchste Rückgang erfolgte mit 5,9 % in der Region Nordamerika. In der Region LA EMEA blieb die Mitarbeiterzahl nahezu konstant. Wie bereits in den Vorjahren lag der Schwerpunkt der Personalentwicklung in der weiteren Qualifizierung der Mitarbeiter insbesondere im Bereich der digitalen Transformation. Von dieser Aufbauarbeit der vergangenen Jahre hat Lapp vor allem in der Pandemie profitiert. Dank der raschen Anpassungsfähigkeit und des versierten Umgangs mit digitalen Technologien konnte das Unternehmen auch im Shutdown seine Leistungsfähigkeit erhalten, wie A. Lapp ausführt: „Als Unternehmen haben wir sehr schnell reagiert und ein Konzept entwickelt, um die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen. Fast über Nacht haben wir auf Heimarbeit und digitale Meetings umgestellt und Online-Shops in Vertriebsgesellschaften eingeführt, die noch keine hatten. Alle arbeiteten zusammen. Das war und ist fantastisch zu sehen.“ Entsprechend wurde auch die globale Personalentwicklung an digitale Formate wie Webinare oder Onlineschulungen angepasst. Parallel konnten ebenso die Kunden im Rahmen des Konzepts „Tech-Tuesday“ an über 20 Webinaren zu Themen wie Industrielle Kommunikation oder zu technischem Expertenwissen teilnehmen.
Schwerpunkt Industrielle Kommunikation
Digitalisierung und Industrie 4.0 spielen aus Lapp-Sicht bei den Kunden eine immer wichtigere Rolle. In zahlreichen Ländern und Regionen, beispielsweise in China, USA, Italien, Österreich und Russland, konnte Lapp dem Abschwung trotzen und im Bereich Industrielle Kommunikation teilweise zweistellig wachsen. „Das Wachstum in diesen Hauptmärkten zeigt, dass der Trend trotz der Pandemie anhält. In Summe mussten wir weltweit zwar ein Minus von 1 % verkraften. Die Verluste waren somit deutlich geringer als in anderen Sparten, so dass sich der Bereich IC durchaus als ein stabilisierender Faktor in diesen schwierigen Zeiten ausgewirkt hat“, erklärt Georg Stawowy, Vorstand Innovation und Technik. Deshalb wird dieses Segment auch in Zukunft Schwerpunkt bei der Entwicklung neuer ethernetbasierter Produkte und Dienstleistungen sein. „In unserem FutureLab haben wir Verbindungslösungen und digitale Dienstleistungen vorgestellt, die der Kunde noch gar nicht kannte. Dabei handelt es sich um Innovationen, aus denen unsere Kunden im Zeitalter der Digitalisierung große Vorteile ziehen können“, betont G. Stawowy.
Positiv hat sich auch der Bereich Erneuerbare Energien entwickelt. „Bei den Produktgruppen Ölflex Solar für die Photovoltaik sind wir um 23 % gewachsen. Das ist ein klares Indiz, dass die Energiewende weiter voranschreitet. Mit unseren Verbindungslösungen für die Erneuerbaren Energien liegen wir sehr gut im Trend“, sagt G. Stawowy.
Ausblick
Auch das laufende Geschäftsjahr 2020/2021 wird von der Pandemie geprägt sein. Lapp rechnet deshalb mit einem gegenüber dem Vorjahr konstanten Geschäftsverlauf. A. Lapp: „Wir gehen davon aus, dass sich die Märkte nur langsam erholen werden. Ich vermute, dass wir erst, wenn der Lockdown beendet und die Bevölkerung ausreichend durchgeimpft ist, einen nachhaltigen Aufschwung spüren werden. Wie alle Unternehmen fahren auch wir momentan auf Sicht.“