Die Linexa-Gründer Alexandros Vassiliadis, Viktor Stryczek und Tobias Drees (v.l.n.r.) (Quelle: Linexa)

Die Linexa-Gründer Alexandros Vassiliadis, Viktor Stryczek und Tobias Drees (v.l.n.r.) (Quelle: Linexa)

Mit einer Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 2 Mio. € will das Münchner Deep-Tech-Startup Linexa die Modernisierung von Produktionsanlagen beschleunigen. Angeführt wird die Runde von Project A. Zu den Angel-Investoren zählen unter anderem Thomas Böck, CEO von Festo, Bastian Nominacher, Gründer von Celonis, sowie Christian Schlögel, ehemals CTO/CDO von Kuka und Körber. Das frische Kapital soll in den Ausbau der Plattform und in das Wachstum des Teams fließen.

Im Mittelpunkt der Lösung steht ein Problem, das viele Fertigungsunternehmen aus dem Alltag kennen: In gewachsenen Produktionsumgebungen arbeiten Steuerungen unterschiedlicher Hersteller parallel nebeneinander, etwa von Siemens, Rockwell, Beckhoff oder Schneider. Jede dieser Steuerungen bringt eigene Projektformate, Engineering-Werkzeuge und Symboliken mit. Soll eine Linie umgebaut, modernisiert oder nach einem Stillstand analysiert werden, fehlt häufig der durchgängige Überblick über installierte Systeme, Kommunikationsbeziehungen und die tatsächliche Logik im Code. Genau hier setzt Linexa an.

Nach Unternehmensangaben reicht ein reines Asset-Inventar für diese Aufgaben nicht aus. Zwar lassen sich damit Geräte, IP-Adressen oder Firmwarestände erfassen, nicht jedoch die entscheidenden Zusammenhänge: Welche SPS mit welcher kommuniziert, über welche Protokolle und Datenpunkte Informationen ausgetauscht werden, welche Funktionsbausteine auf welche Variablen zugreifen und welche Abhängigkeiten bei Änderungen oder beim Austausch einzelner Komponenten entstehen. Erst das Zusammenspiel aus Asset-Informationen, Kommunikationsbeziehungen und Code-Logik liefert ein belastbares Bild der Anlage.

Technisch basiert die Plattform darauf, Projektdateien verschiedener Engineering-Systeme maschinenlesbar auszuwerten. Unterstützt werden laut Unterlagen unter anderem Siemens TIA Portal und Step 7, Rockwell Studio 5000, Beckhoff Twincat, Schneider Machine Expert, Pilz Pnozmulti und Danfoss MCT 10. Agenten in der OT-Zone verbinden sich dazu mit Steuerungen und Engineering-Systemen. Anschließend extrahiert Linexa Artefakte wie Bausteine, Variablen, Datentypen, Referenzen, Kommunikationsparameter, Symboltabellen und Verbindungskonfigurationen aus den jeweiligen Projektdateien.

Die eigentliche technische Leistung liegt in der Normalisierung dieser Informationen. Die aus unterschiedlichen Herstellerwelten stammenden Daten werden in ein gemeinsames, herstellerunabhängiges Datenmodell überführt. Variablen erhalten dabei eine eindeutige Identität über Projektgrenzen hinweg, Kommunikationskanäle werden als gerichtete Verbindungen mit Protokoll, Richtung und genutzten Tags beschrieben, und auch Funktionsbausteine, Aufrufe, Parameter und Variablenzugriffe werden semantisch erfasst. So entsteht ein konsistentes Abbild der Automatisierungsebene, das weit über klassische Netzwerk-Scans oder übergeordnete IT-/MES-Sichten hinausgeht.

Auf dieser Basis will Linexa verschiedene Anwendungsfälle adressieren. Dazu zählen Backup und Recovery mit versionierter, zentraler Sicherung von SPS-Programmen, Code Control zur Nachverfolgung und Dokumentation von Änderungen, die Vorbereitung von Retrofit- und Umbauprojekten sowie die beschleunigte Anbindung von MES- und SCADA-Systemen durch ein einheitliches Tag-Verzeichnis. Perspektivisch nennt das Unternehmen außerdem den Einsatz für Serienlinien, Compliance-Nachweise etwa im Umfeld von IEC 62443 und CRA sowie Aftermarket- und Service-Szenarien im Maschinenbau.

Die Plattform wird laut Unternehmensangaben bereits von einem der größten Lebensmittelhersteller Deutschlands eingesetzt. Ziel sei es dort, die Neuaufstellung von Produktionsnetzwerken sowie weitere Digitalisierungsinitiativen zu unterstützen. Darüber hinaus beschreibt Linexa seine Plattform als Grundlage für KI-Agenten, die Produktionslinien überwachen und optimieren sollen. Während andere Ansätze vor allem Geschäftsprozesse oder Sensordaten adressierten, setzt das Startup direkt auf die Erschließung des Steuerungscodes auf Maschinenebene.

Linexa wurde Ende 2025 von Viktor Stryczek, Alexandros Vassiliadis und Tobias Drees gegründet. Das Unternehmen positioniert sich mit seinem Ansatz an der Schnittstelle von Automatisierung, OT-Transparenz und KI-fähiger Fabrikmodernisierung.

(hz)

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