Abbildung aufgeschlagenes Buch Studie

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Um das aktuell noch brach liegende Potenzial besser zu nutzen, setzen viele Unternehmen auf eine stärkere Öffnung für Kooperationen. Laut der Studie „Kundenzentrierung als Chance für den digitalen Durchbruch“ von VDMA und McKinsey, für die gut 200 Maschinen- und Anlagenbauer befragt wurden, geben 77 % der Firmen an, die Zusammenarbeit in Anbieterkonsortien sei ein erfolgversprechender Weg für den Aufbau digitaler Plattformen. 71 % nennen darüber hinaus Kooperationen mit Start-ups als gute Lösung, 24 % können sich auch Kooperationen mit Wettbewerbern vorstellen.

Als Beispiele für die Digitalisierung nennt der VDMA die Vernetzung der Produktion sowie den Einsatz von Sensoren in den Anlagen und deren Fernwartung. Hinzu kommt die Digitalisierung bereits in der Entwicklungsphase, etwa durch den Einsatz eines digitalen Zwillings. „Hier wird frühzeitig das Verhalten im realen Betrieb simuliert, um ein schon fast perfekt parametriertes System bei der Inbetriebnahme installieren zu können. Insgesamt ist Digitalisierung im Maschinenbau ein wichtiger Baustein, um Resilienz gegen Krisen aufzubauen“, erläutert Prof. Claus Oetter, Geschäftsführer VDMA Software und Digitalisierung.

„Der aktuell relativ geringe Marktanteil für digitale Plattformen und Mehrwertdienste sowie das zu erwartende zweistellige Wachstum dieses Markts birgt ein großes Potenzial für die Maschinen- und Anlagenbauer – ist aber gleichzeitig auch eine Warnung“, sagt Dorothee Herring, Partnerin im Düsseldorfer Büro von McKinsey und Co-Autorin der Studie. „Hochwertige Produkte bleiben die Basis für den Erfolg. Allerdings erwarten die Kunden zunehmend integrierte digitale Services rund um die Maschine. Hier muss der Maschinen- und Anlagenbau nachlegen.“ Vor allem wünschen sich Kunden Lösungen, die nicht in Abhängigkeit eines einzelnen Herstellers stehen.

Laut der Studie sehen sich die Maschinenbaufirmen mehrheitlich selbst als am besten in der Lage, die wesentlichen Bedürfnisse ihrer Kunden hinsichtlich digitaler Plattformen zu erfüllen. Auch weitere industrienahe Lösungen mithilfe ausgegründeter Start-ups werden als geeignete Vehikel zur Digitalisierung angesehen. Wichtigste Funktionalitäten digitaler Plattformen sind laut den befragten Unternehmen Verfügbarkeit, Performance und Sicherheit. Für die Kunden spielen laut Interviews die Themen Offenheit und Kompatibilität der Plattformen allerdings eine größere Rolle als von den Maschinen- und Anlagenbauern angenommen.

Als größte Hürden für die Entwicklung eigener digitaler Dienste werden von den Unternehmen fehlende Geschäftsmodelle (61 %), fehlende Standards (59 %) und mangelnde strategische Relevanz (57 %) angesehen. Allerdings haben bereits 52 % der befragten Unternehmen Software und Apps für eigene oder fremde digitale Plattformen programmiert. Jedes zehnte Unternehmen konnte diese bereits erfolgreich skalieren.

„Es gibt nicht die eine gültige Strategie, wie Maschinen- und Anlagenbauer die Digitalisierung angehen sollten“, erläutert VDMA-Experte Prof. C. Oetter. Diese unterscheide sich je nach Endkundenbranche voneinander – jedoch lassen sich neben den industriespezifischen auch generelle Empfehlungen aus der Studie ableiten. Prof. C. Oetter: „Für den Großteil der Unternehmen wird sich eine eigene Plattform nicht auszahlen – hier sollten sie vielmehr auf Kompatibilität und gemeinsame Standards setzen.“ Bei den Mehrwertdiensten gelte es, die Kundenbedürfnisse genau zu kennen, um maßgeschneiderte Angebote für die Zielgruppe zu entwickeln. „Hier sind europäische Maschinenbauer aktuell in einer hervorragenden Ausgangsposition – vor allem durch ihre tiefes Maschinenverständnis und ihre Prozessnähe, bei gleichzeitig geringerem Investitionsrisiko und einem potenziell großen Markt“, sagt D. Herring

VDMA (ih)

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