Tom Huber, Associated Partner und Head of Operations Performance & Strategy bei MHP, gibt Einblicke in die Ergebnisse des Industrie-4.0-Barometers 2021 (Quelle: MHP)
An der Befragung, die im vergangenen Jahr zum vierten Mal durchgeführt wurde, nahmen 776 Expertinnen und Experten aus Industrieunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, China, UK und den USA teil. Das Barometer zeigt den Status quo der Industrie-4.0-Aktivitäten bei den befragten Unternehmen und Einsichten zu marktspezifischen Besonderheiten in den untersuchten Regionen.
Tom Huber, Associated Partner und Head of Operations Performance & Strategy bei MHP: „Wir haben neben den alljährlich abgefragten vier Themen-Clustern Technologie, IT-Integration, Strategie und Ziele sowie Treiber und Hemmnisse der Digitalisierung auch die Fokusthemen Digital Leadership und Supply-Chain-Resilienz genauer analysiert. Dabei lassen sich im internationalen Vergleich unterschiedliche Entwicklungsrichtungen beobachten.“
China hat die Nase vorn
Unternehmen im deutschsprachigen Raum schneiden insgesamt schlechter ab als im Jahr 2020: Die Umfragewerte der abgefragten Technologiekategorien sind bezogen auf die Vorjahre auf gleichem Niveau oder sogar darunter. Auch im internationalen Vergleich werden Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zunehmend abgehängt. Chinesische Unternehmen weisen beispielsweise einen um 20 % höheren Einsatz von Digital Twins, eine doppelt so hohe Supply-Chain-Transparenz und eine doppelt so hohe Automatisierungs- und Fernsteuerungsrate von Anlagen auf. Auch US-Unternehmen erreichen Spitzenwerte – mehr als die Hälfte verfügt über eine fortschrittliche technologische Infrastruktur, die künstliche Intelligenz ermöglicht. Allerdings: In den USA können nicht alle bei dem rasanten Tempo mithalten. Insbesondere die KMU und etablierten Unternehmen drohen den Anschluss zu verlieren. Ähnlich auch der Sachverhalt in Großbritannien: Gerade einmal die Hälfte der Unternehmen unter 100 Mitarbeitenden haben additive Fertigungsverfahren realisiert. Bei 75 % finden sensorausgestattete Anlagen und autonome Roboter keine Anwendung.
Hohe Kosten und fehlendes Know-how
"Unternehmen stehen global unter einem enormen Digitalisierungsdruck, nachdem sich die Kundenanforderungen an Produkte und Dienstleistungen durch die Digitalisierung massiv und kontinuierlich wandeln", sagt Prof. Dr. Johann Kranz, Professor für Digitale Services und Nachhaltigkeit an der LMU München. "In den zögerlichen Unternehmen werden die ökonomischen Potenziale dieses Wandels zu wenig genutzt und erscheinen so im Vergleich zu den Investitionskosten zu gering. Jedoch zeigen gerade die aktuellen Herausforderungen wie die Corona-Pandemie oder die Lieferkettenproblematik, dass Unternehmen, die ihre Hausaufgaben in puncto Digitalisierung erledigt haben, bedeutend besser durch diese Krisen manövrieren.“ Hinzu kommt mit der Ausnahme von China, dass qualifizierte Beschäftigte mit Digitalisierungskompetenz fehlen. „Es mangelt oft schlicht an der Zahl von Mitarbeitenden mit Know-how, um Industrie 4.0 erfolgreich und zügig umzusetzen“, ergänzt Prof. J. Kranz. Zu den fehlenden Fachkräften kommen insbesondere im deutschsprachigen Raum interne Abstimmungsschwierigkeiten und Bürokratie, die das Voranschreiten von Digitalisierungsprojekten bremsen.
„Die DACH-Unternehmen müssen zeitnah den Rückstand in der Digitalisierung aufholen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. International erweist sich ein CIO in der Geschäftsführung, eine Kundenfokussierung und Kollaboration als universeller Erfolgsgarant“, konstatiert T. Huber.
Automobilbranche im DACH-Raum Vorreiter
Ausnahmen sind lediglich Unternehmen aus der Automobilindustrie, die sich klar von anderen Industrien abheben: 64 % der Befragten von Automotive-Unternehmen gaben an, leistungsfähige Kommunikationsarchitekturen wie 5G implementiert zu haben. Das sind 13 Prozentpunkte mehr als bei den Referenzindustrien. Ein Grund dafür ist nach eigenen Angaben der starke Digitalisierungsdruck, der bei den Herstellern und Zulieferern ausgeprägter ist als in anderen Branchen. "Innerhalb der DACH-Region könnte also die Automobilindustrie das Zugpferd sein, um die Digitalisierung auch hier maßgeblich zu beschleunigen", resümieren die Experten.
Das gelinge allerdings nur, wenn Fähigkeiten und Kompetenzen der Mitarbeitenden kontinuierlich aufgebaut würden und der CIO in die Geschäftsführung integriert werde. "Mit den richtigen Kompetenzen ausgestattet, kann ein CIO nicht nur eine unternehmensweit abgestimmte und wirtschaftliche digitale Transformation auf den Weg bringen. Er kann auch für mehr Resilienz, wie die jüngsten Erfahrungen mit der Corona-Pandemie und Lieferkettenprobleme gezeigt haben, sorgen", geben die Experten weiter an.
Der vollständige Report steht kostenfrei zum Download zur Verfügung: https://www.mhp.com/de/unternehmen/studien/industrie-40-barometer-2021