Grafik zum Reifegrad der Automatisierung nach MHP

MHP und LMU München veröffentlichen in ihrem Industrie 4.0 Barometer 2025 auch den Reifegrad der Automatisierung. (Quelle: MHP)

Für das diesjährige Industrie 4.0 Barometer haben die Management- und IT-Beratung MHP gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) 823 Personen aus Industrieunternehmen in China, den USA, Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie im Vereinigten Königreich befragt. Die Studie erfasst die Verbreitung und den Reifegrad von Industrie-4.0-Technologien, macht den Status quo zwischen den Ländern vergleichbar und die Entwicklungstrends seit 2018 sichtbar. Konkrete Handlungsempfehlungen und Erfolgsbeispiele aus Anwenderunternehmen sowie Interviews runden die Studie für Entscheider ab.

Markus Wambach, Group COO bei MHP: „Seit sieben Jahren bringen wir mit der LMU München schon das Barometer heraus, das zunächst den deutschlandweiten Industrie-4.0-Benchmark abbildete und seit 2021 den Reifegrad international misst und vergleicht. Das Barometer ist für die Unternehmen einerseits ein Spiegel, der die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen aufzeigt. Zum anderen können sie daraus entnehmen, was sie tun müssen, um den Anschluss im internationalen Wettbewerb nicht zu verlieren. Besonders deutlich wird das beim digitalen Zwilling: Während in der DACH-Region noch 30 % der Unternehmen vollständig auf digitale Abbilder verzichten, sind es in China nur 5 %. Auch in anderen Bereichen, wie Automatisierung und Datenanalyse, zeigt sich ein erheblicher Rückstand. Gerade bei der allgemeinen Datenstrategie und der Datenqualität hinkt die DACH-Region hinterher – ein klarer Wettbewerbsnachteil. Unternehmen, die hier nicht aufholen, laufen Gefahr, im internationalen Vergleich abgehängt zu werden.“

Zum Status quo von Industrie 4.0 zeigt das aktuelle Barometer einen Gesamtwert von 64 % an. "Zuletzt waren es 60 % über alle untersuchten Themenbereiche hinweg, dazu gehören Technologie, IT-Integration und Hemmnisse", geben die MHP-Experten an. Gegenüber den Vorjahren sei der Wert zwar deutlich gestiegen, aber langsamer als noch in den Vorjahren: Zwischen 2023 und 2024 gab es beispielsweise einen Sprung von 50 % auf 60 %. Heißt: Auch international geht die Entwicklung von Technologien langsamer voran als noch zuvor.

Ein Beispiel für den technologischen Vorsprung Chinas zeige sich bei fahrerlosen Transportsystemen (FTS), die dort in 59 % der Industrieunternehmen die Intralogistik ganz oder teilweise übernehmen, während es in der DACH-Region nur 35 % sind – bei durchschnittlich 50 % Nutzungsquote über alle untersuchten Länder hinweg. "Ähnlich sieht es bei der Verbreitung des digitalen Zwillings aus: 67 % der teilnehmenden chinesischen Unternehmen setzen digitale Abbilder in ihren Produktionsstätten teilweise oder vollständig ein. Demgegenüber liegt der Anteil im deutschsprachigen Raum bei lediglich 41 %", berichten sie weiter.

Datengetriebene Produktion

Obwohl in den letzten Jahren in fast allen Bereichen der Industrie 4.0 beachtliche Fortschritte erzielt worden seien, zeigen laut MHP die diesjährigen Ergebnisse, dass sich die Datenanalysefähigkeiten im Vergleich langsamer steigern. Diesen Fakt greift das diesjährige Fokusthema datengetriebene Produktion (Data-Driven Production) im Barometer auf und stellt die Frage, wie Unternehmen ihre Datenbestände entlang der Wertschöpfungskette effektiv nutzen können, um ihre Produktion zu optimieren.

"International zeigt sich, dass die Mehrheit der Befragten einen datenbezogenen Wettbewerbsvorteil als klaren Vorteil wahrnimmt: 80 % sehen tiefe Einblicke in die Kernprozesse als einen zentralen Mehrwert, 76 % die Möglichkeit, Entscheidungen schneller und zuverlässiger zu treffen, 74 % die gesteigerte Reaktionsfähigkeit am Markt. Die Motivation zu verstärkter datengetriebener Produktion ist also vorhanden", ziehen die Experten als Fazit.

Weiter wird festgestellt, dass viele DACH-Unternehmen zwar über Daten verfügen, diese jedoch nicht ausreichend nutzen, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen oder Innovationen voranzutreiben. "Unter anderem fehlt eine ganzheitliche Datenstrategie, die auf Zukunftstechnologien abzielt (KI, digitale Zwillinge)", lautet eine Begründung. US-amerikanische und chinesische Unternehmen sind hier laut der Befragung fortschrittlicher: 91 % der US-Unternehmen behandeln Daten als strategisches Asset, gegenüber 78 % in China und 64 % in der DACH-Region.

„Viele hiesige Unternehmen sind weder technisch noch personell oder organisatorisch in der digitalen Welt angekommen. Wichtige Aufgaben, wie die Auflösung von Datensilos, Ablösung von Altsystemen oder der Aufbau einer skalierbaren Dateninfrastruktur, werden auf die lange Bank geschoben, anstatt sie entschlossen anzugehen“, erklärt Dr. Johann Kranz, Professor für Wirtschaftsinformatik an der LMU München. „Leider wurden die wirtschaftlich guten Voraussetzungen im letzten Jahrzehnt nicht für langfristige Investitionen in effizientere Produktionsprozesse genutzt. In der aktuellen Lage wird bei allem nicht überlebenswichtigen erstmal der Rotstift angesetzt.“

Deutliche regionale Unterschiede werden auch beim Reifegrad der Datenanalysefähigkeiten deutlich. Insbesondere die DACH-Region weist einen signifikanten Rückstand auf: Während in den USA 78 % der Befragten ihre Kompetenzen, als überlegen gegenüber der Konkurrenz bewerten, trifft das in der DACH-Region nur auf 61 % zu.

„Die Studienergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen, besonders in der DACH-Region, ihre digitale Transformation beschleunigen und priorisieren müssen. Der internationale Vergleich zeigt, wie stark die USA und China voranschreiten und ihre Industrie-4.0-Führungspositionen festigen“, sagt Dr. Christina Reich, Professorin an der FOM Hochschule für Ökonomie & Management sowie Manager bei MHP. Während diese Länder von innovationsfördernden Regulierungen und gezielten Investitionen profitieren, kämpfen Unternehmen in der DACH-Region und das Vereinigte Königreich weiterhin mit strukturellen Hemmnissen. Veraltete IT-Infrastrukturen, ein Mangel an Fachkräften und eine oft unzureichende Priorisierung durch das Management stellen dabei die größten Hindernisse dar. Besonders im Automobilsektor und in kleineren Unternehmen wird dies sichtbar.

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MHP (ih)

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