Stefan Schönegger, neuer Chief Technology Officer bei B&R, der Machine Automation Division von ABB: „Mit dem Acopos M4 setzen wir erneut einen Benchmark, ähnlich wie beim Acopos vor ziemlich genau 20 Jahren.“ (Quelle: B&R)
Seine berufliche Laufbahn startete S. Schönegger in der Flugsicherungsbranche als Projektleiter für sicherheitskritische Kommunikationssysteme. 2006 wechselte er zu B&R und begann im Produktmanagement für Steuerungs- und Sicherheitstechnik. In den folgenden Jahren prägte er unter anderem die Bereiche Kommunikationstechnologien, Steuerungstechnik und Software. Nach Stationen im Marketing sowie im Portfolio-Management für Motion, Mechatronik und Controls übernahm er zuletzt die Leitung der Global Product Group Controls. Von dort führte ihn sein Weg nun in die Position des CTO.
Die USP – gestern, heute und in Zukunft
Als ureigene Werte, die B&R bis heute ausmachen, nennt S. Schönegger zwei als wesentlich. „Das ist zum einen die komplette Ausrichtung am Kunden, die sich in der Vertriebsstruktur widerspiegelt: Direktvertrieb mit starkem Applikations-Know-how und transparentem Austausch bis in die Entwicklungs-Teams hinein.“ Der zweite Punkt sei der Fokus auf den Maschinenbauer mit dem Anspruch, ihm die optimalen Lösungen zur Umsetzung der schnellsten und besten Maschinen zur Verfügung zu stellen.
Auf den Einwand, dass Maschinenbauer zunehmend durch asiatische Anbieter unter Druck geraten und zukünftig möglicherweise weniger performante Maschinen im Fokus stünden, erklärt er: „Sowohl Maschinenbauer als auch Automatisierungstechnikanbieter in Europa müssen sich bewusst werden, an welchen Stellen sie sich tatsächlich differenzieren können. Also: Wo kann man diese 10 % besser oder schneller sein und das tatsächlich in Mehrwert für den Endkunden überführen?“ Gelänge das nicht, rücke zwangsläufig die Kostenseite stärker in den Fokus. „Vermeintlich besser zu sein, reicht nicht aus. Dieser Vorsprung muss sich natürlich auch in einen konkreten Nutzen für das produzierende Unternehmen überführen lassen“, fasst er zusammen. Und in diesem Punkt sieht er eine zentrale Herausforderung für viele Branchen in Europa. So seien viele weder konsequent genug auf Kosten optimiert noch in jedem Fall klar genug in der Differenzierung ihres Angebots.
Schnelligkeit wichtiger denn je
Der Mehrwert für OEM wird heute vor allem über Software bereitgestellt. „Software entscheidet wesentlich über die Flexibilität der Maschine. Über sie werden die einzelnen elektrischen und mechanischen Komponenten optimal orchestriert. Unsere Aufgabe besteht nun darin, dem Maschinenbauer ein Gesamtsystem zur Verfügung zu stellen, das er extrem schnell für seine individuelle Applikation einsetzen und flexibel anpassen kann. Diesen Weg verfolgen wir seit vielen Jahren unter dem Oberbegriff der adaptiven Maschine.“ Er verweist darauf, dass Software zudem das ganze Thema Datenmanagement abdecke. Als Stichworte nennt er ferner Virtualisierung, Cybersecurity usw. „Wir kommen ursprünglich aus einer PLC-Welt, in der Hard- und Software eng verzahnt waren. In den letzten zehn Jahren haben wir Hard- und Software stärker entkoppelt und die Plattformen unabhängiger gemacht. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt in Richtung virtualisierter Systeme. PLC-as-aService ist deshalb ein wichtiger Fokus von uns, den wir unseren Kunden in naher Zukunft anbieten werden“, sagt S. Schönegger.
One Network from Sensor to Cloud
Das aktuelle B&R-Portfolio reicht von IO-Systemen, Steuerungen und HMI über mechatronische Systeme, Antriebstechnik und Robotik bis hin zu Vision-Systemen. Die Vernetzung aller Systeme untereinander sowie zu solchen von Drittanbietern bis in die Cloud ist dabei ein wichtiges Thema. Hier sieht S. Schönegger OPC UA als herausragenden Kommunikationsstandard. „Bleiben wir beim Endkunden, dem produzierenden Gewerbe. Hier ist OPC UA auf dem Weg, eine Schlüsselrolle einzunehmen, zum Beispiel bei der Vernetzung von Steuerungen untereinander, bei der Kommunikation mit ERP-Systemen oder bei der Anbindung an Rechenzentren und Cloudumgebungen“, sagt der CTO. Dabei sieht er gerade im Zusammenspiel mit Datenmodellierung und Datendurchgängigkeit die großen Stärken des Standards. Als weiteren Aspekt führt er Cybersecurity an und meint: „Kaum ein anderer Standard bringt Security by Design in dieser Konsequenz mit. Das gilt auch für OPC UA FX.“ Und damit sind wir bei der Controller-to-Device-Kommunikation angelangt. Diese bietet aus Sicht von S. Schönegger große Potenziale: „In der Kombination von OPC UA und OPC UA FX wird der Gedanke von One Network from Sensor to Cloud zur Realität. Und wenn man das weiterdenkt in Richtung Software Defined Automation & Architectures sowie virtualisierte Steuerungen usw., brauchen wir diese Durchgängigkeit – gerade auch im Hinblick auf KI.“ Er verweist aber auch darauf, dass Ökosysteme eine große Bedeutung hätten. Deshalb würden auch andere Kommunikationsstandards, zum Beispiel Profinet, Ethernet/IP, CAN oder Ethercat, ihre Berechtigung behalten. B&R werde diese auch weiterhin unterstützen. „Das heißt, wir haben alle gängigen Master- und Slave-Anbindungen in unserem Portfolio. Aber: Unser primärer Technologiefokus, mit dem wir unseren Kunden Differenzierungsmöglichkeiten mitgeben, das wird OPC UA mit OPC UA FX sein“, stellt S. Schönegger heraus.
Ziel von B&R ist es, sein gesamtes relevantes Portfolio um OPC UA FX zu ertüchtigen. Wo steht man heute? „In Serie haben wir unsere Steuerungen, IO-Systeme und das SwitchPortfolio damit ausgestattet. Unlängst gelauncht haben wir unsere neue Antriebstechnikgeneration Acopos M4 mit OPCUA-FX-Schnittstelle. Die Antriebstechnik ist natürlich ein weiteres wichtiges Feld für uns“, gibt er an.
Apropos Acopos M4: Warum eine neue Antriebstechnikgeneration und was sind die Besonderheiten? „Die Antriebstechnik ist – neben der Steuerungstechnik – für den Maschinenbau von extrem großer Bedeutung, um flexible und schnelle Maschinen realisieren zu können. Demnach liegt es in der Natur der Sache, dass wir in diese investieren und unser Portfolio weiterentwickeln“, sagt der CTO. Als eine Besonderheit bei der neuen Generation nennt er deren Effizienz von >99 %, die dem Anwender zwei Vorteile bringe. „Nehmen wir einen Antrieb mit 10 kW. Selbst wenn man bei diesem ,nur‘ 1 % Energie einsparen kann, sind die Einsparungen über die Lebensdauer und Tausende ausgelieferte Systeme riesig.“ Als zweiten Benefit führt er die Kühlung an. „Weniger Verlustleistung bedeutet weniger Kühlung im Schaltschrank. Also weitere Kosteneinsparungen.“ Darüber hinaus bauen die Geräte rund 60 % kompakter als ihre Vorgängermodelle. Auch hier verweist er auf hohe Stückzahlen, die in Summe zu einer deutlichen Reduzierung des Maschinen-Footprints und sogar zu weniger Schaltschränken beitragen könnten. Außerdem bringe der Acopos M4 von Haus aus Predictive-Maintenance-Funktionen sowie KI-Inferenzunterstützung direkt auf dem Gerät mit ausreichend Rechenleistung mit. „Wir setzen mit dem Acopos M4 erneut einen Benchmark, ebenso wie wir es mit dem Acopos vor ziemlich genau 20 Jahren getan haben“, ist S. Schönegger überzeugt. Aktuell befindet sich die neue Generation noch in der Entwicklungsphase. Ihre Verfügbarkeit gibt er für voraussichtlich Ende 2027 an.