Infografik: Fortschritt bei der CRA-Konformität. (Quelle: PwC)
Laut der PwC-Studie kennen 88 % der Unternehmen den CRA zumindest in Grundzügen, und 85 % der Befragten sind persönlich in das Thema Produkt-Cybersicherheit eingebunden. Bei der Bewältigung von Sicherheitsvorfällen zeigen sich Lücken: 50 % der Unternehmen verfügen trotz der neuen Meldepflichten über keine dedizierte externe Meldeschnittstelle für Sicherheitsmeldungen. 27 % haben intern keinen Prozess für den Umgang mit produktbezogenen Sicherheitsproblemen etabliert.
„Das Risiko liegt weniger in fehlenden Kenntnissen rund um den CRA als in der falschen Einschätzung des eigenen Reifegrads. Viele Unternehmen haben sich mit dem Thema beschäftigt, unterschätzen aber den Weg zur tatsächlichen Konformität“, sagt Siri Sophia Oberpottkamp, Director Product Security bei PwC Deutschland.
19 % der Befragten gaben an, über ein fundiertes bis umfassendes Verständnis des CRA zu verfügen, das eine sichere Einordnung der Anforderungen und die Steuerung von Umsetzungsstrategien erlaubt. 12 % dagegen war der Begriff vor der Umfrage weitgehend unbekannt – "obwohl 56 % der Befragten direkte Verantwortung für die Produkt-Cybersicherheit (Product Security) in ihrem Unternehmen tragen", kommentiert PwC.
Integriertes Gesamtbild fehlt
Viele Unternehmen verfügen bereits über einzelne Bausteine: 94 % der befragten Unternehmen bieten updatefähige Produkte an, 84 % folgen einem dokumentierten Entwicklungsprozess, 83 % führen eine formale Risikobewertung durch, und 58 % setzen kontinuierliches Security-Testing ein. "Vielerorts sind also einzelne technische und prozessuale Fähigkeiten vorhanden, die als Grundlage für die Erfüllung der CRA-Anforderungen dienen und deren Integration in bestehende Strukturen erleichtern können. Ein integrierter Product-Security-Engineering-Ansatz über den gesamten Produktlebenszyklus fehlt jedoch in der Mehrheit der Unternehmen", resümieren die PwC-Experten. Besonders deutlich würde das beim Umgang mit Software Bills of Materials (SBOM): 27 % der Unternehmen erstellen sie für die Mehrheit oder das gesamte Produktportfolio, 30 % erhalten SBOM von ihren Lieferanten.
„Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren solide Grundlagen in der Produktentwicklung geschaffen wie strukturierte Prozesse, Risikobewertungen, erste Sicherheitstests. Was jetzt fehlt, ist der nächste Schritt. Unternehmen sollten diese Bausteine in ein nachweisbares, durchgängiges Product-Security-Management überführen, um nachhaltig und effizient die CRA-Anforderungen zu erfüllen“, sagt Dr. Oliver Hanka, Partner Industrial & Product Security bei PwC Deutschland.
Mittelstand droht abgehängt zu werden
Die Studie zeigt einen deutlichen Reifegrad-Unterschied zwischen großen und mittelständischen Unternehmen: 59 % der Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden haben mit der aktiven CRA-Umsetzung begonnen, bei kleineren Unternehmen sind es 37 %. Umgekehrt haben 34 % der kleineren Unternehmen noch gar nicht begonnen, bei den größeren sind es 13 %.
Auch bei der Produktklassifizierung (46 % vs. 25 %), beim SBOM-Management (56 % vs. 41 %), bei dokumentierten Entwicklungsprozessen (56 % vs. 34 %) und bei dedizierten Meldeschnittstellen (56 % vs. 46 %) liegen größere Unternehmen durchgängig vorn.
„Der CRA fordert nicht die einmalige Erfüllung, sondern einen konsequenten, nachweisbaren Umgang mit Produkt-Cybersicherheit über den gesamten Lebenszyklus. Genau dort liegt für viele Unternehmen noch die größte Herausforderung. Die kommenden Monate entscheiden, welche Unternehmen diese Transformation frühzeitig schaffen und welche unter wachsendem Druck aufholen müssen“, betont Siri Sophia Oberpottkamp.
Methodik
Für die Studie wurden 100 Unternehmen in Deutschland befragt, deren Produktportfolio Produkte mit digitalen Elementen umfasst – von einzelnen Hardware- und Softwarekomponenten bis hin zu vollständigen Endprodukten für B2B- und B2C-Märkte. Im Fokus standen insbesondere Branchen, für die der Cyber Resilience Act (CRA) weitreichende Bedeutung hat: 65 % der Unternehmen gehören dem Maschinenbau an, 22 % der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen und 13 % der Herstellung elektrischer Ausrüstungen.
47 % der Unternehmen richten ihr Produktportfolio überwiegend an gewerbliche Nutzer aus, etwa mit vernetzten Maschinen, Steuerungskomponenten und eingebetteten Systemen. 61 % beschäftigen weniger als 500 Mitarbeitende, während 39 % auf 500 oder mehr Mitarbeitende kommen. Die Stichprobe bildet damit sowohl mittelständische als auch größere Unternehmen der relevanten Branchen ab.