Bild von der SEW-Eurodrive-Pressekonferenz während der interpack zeigt Dr. Hans Krattenmacher und Christian Keßler (beide SEW-Eurodrive) sowie und Dr. Josef Waltl (Software Defined Automation, Inc.)

Pressekonferenz auf der interpack 2026: Dr. Hans Krattenmacher, Geschäftsführer Innovation Mechatronik, Christian Keßler, Leiter Maschinenautomatisierung (beide SEW-Eurodrive), und Dr. Josef Waltl, CEO und Gründer der Software Defined Automation, Inc., geben Einblicke in die OrchestrationSuite (v. l.). (Quelle: VDE VERLAG)

Produktionsanlagen umfassen heute zumeist aus Steuerungen, Antrieben, HMI-Systemen, Industrie-PC und Engineering-Tools unterschiedlicher Hersteller sowie Generationen. Für Maschinenbauer und Betreiber bedeutet diese Vielfalt in der Praxis einen hohen administrativen Aufwand: Engineering-Tools müssen lokal installiert, Softwarestände gepflegt, Updates manuell durchgeführt und Änderungen nachvollziehbar dokumentiert werden.

Hier setzt SEW-Eurodrive mit seiner OrchestrationSuite powered by SDA an. Die Plattform schafft Transparenz über Softwarestände, Versionen sowie Änderungen und stellt zentrale Funktionen für das Management industrieller Automatisierungssoftware bereit. Dazu zählen Softwareverteilung, strukturierte Releases, manuelle und geplante Back-ups, Remote-Zugriff, Code-Vergleich sowie CI/CD-Pipelines für kontrollierte Updates.

„Wenn irgendetwas nicht funktioniert, ist das der Worst Case in der Operational Technology. Dann geht es um Fragen wie: Wo ist der Code? Wer hat ihn geschrieben? Welche Änderungen wurden wann vorgenommen?“, sagte Christian Keßler, Division Manager Digitalisierung und Automation bei SEW-Eurodrive, auf einer Pressekonferenz während der interpack. „Die OrchestrationSuite macht Geräte, Softwarestände, Engineering-Tools, Back-ups, Versionen und Deployments über eine einheitliche, cloudbasierte Plattform beherrschbar.“

Breiter Funktionsumfang

Ein wesentlicher Bestandteil der Plattform ist der Multi-Vendor-Ansatz. Neben SEW-Eurodrive-Lösungen unterstützt die OrchestrationSuite auch Software und Geräte von Drittanbietern. Die Suite basiert auf der DevOps-Plattform von SDA. Dr. Josef Waltl, Gründer und CEO von SDA, erklärt: „Unser Kerngeschäft ist Completeness. Wenn ich eine Fabrik betreibe, muss ich den kompletten Gerätepark managen. Kann ich nur eine Maschine von fünf nicht managen, habe ich keine Completeness.“

Auf der Interpack zeigte SEW-Eurodrive die Lösung erstmals mit KI-gestützter Generierung von SPS-Code. Funktionsbeschreibungen können in natürlicher Sprache eingegeben und in Steuerungscode übersetzt, kompiliert und für die Softwareverteilung vorbereitet werden. Ergänzend unterstützen KI-Funktionen bei der Dokumentation sowie bei der Analyse von Änderungen zwischen verschiedenen Codeständen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf sicherem Remote-Zugriff. Die OrchestrationSuite wurde nach DevSecOps-Prinzipien entwickelt und setzt auf kontrollierte Zugriffe nach dem Zero-Trust-Prinzip. Nutzende und Anwendungen erhalten nur die Rechte, die sie für ihre jeweiligen Aufgaben benötigen. Identitäten werden zentral verwaltet, Zugangsdaten geschützt und Vorgänge protokolliert. Damit sollen Security- und Compliance-Anforderungen in modernen OT-Umgebungen besser nachvollziehbar werden.

Auch im Engineering soll die Plattform Aufwand reduzieren. Über die browserbasierte Entwicklungsumgebung arbeiten Entwicklerinnen und Entwickler mit der jeweils passenden Toolversion, ohne diese lokal installieren oder pflegen zu müssen. Softwareänderungen lassen sich kontrolliert einspielen und bei Bedarf zurücknehmen. Regelmäßige Back-ups und eine strukturierte Versionsverwaltung sollen Ausfallzeiten reduzieren und die Wiederherstellung im Fehlerfall vereinfachen.

Für Dr. Hans Krattenmacher, Chief Innovation Officer bei SEW-Eurodrive, steht die OrchestrationSuite zugleich für einen grundsätzlichen Perspektivwechsel in der Automatisierung: „Wenn wir die Produktivitätssteigerungen in Zukunft heben wollen, müssen wir vom Prozess her denken. Dem Prozessdenken folgt dann sofort die Softwaredefinition. Und die Hardware muss sich daran adaptieren.“ Mit der OrchestrationSuite will SEW-Eurodrive genau diesen Ansatz in die industrielle Praxis übertragen – herstellerübergreifend, sicher und skalierbar.

SEW-Eurodrive setzt die OrchestrationSuite bereits in der eigenen Fertigung ein. In einem Werk in Graben-Neudorf wurde die Lösung zunächst auf einen Teil der dort eingesetzten Steuerungen und HMI-Systeme ausgerollt. Die Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz sollen in die weitere Skalierung und Weiterentwicklung der Plattform einfließen.

Weitere Details gibt es im Videointerview mit Dr. Hans Krattenmacher, Christian Keßler und Josef Waltl auf Youtube: SEW-Eurodrive und Software Defined Automation präsentieren OrchestrationSuite

Inge Hübner

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