Dr. Robert Bauer, Vorstandsvorsitzender der Sick AG, erläuterte auf einer Online-Pressekonferenz die Geschäftszahlen 2020 (Quelle: Sick)

Auch für Sick war der Verlauf des Geschäftsjahres 2020 geprägt von den negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die globale Konjunkturentwicklung. Nachdem im Frühjahr der Absatz durch Lockdowns in vielen Ländern und davon betroffenen Branchen erheblich zurückgegangen war, erholte sich der Umsatz in der zweiten Jahreshälfte 2020. "Die Umsatzentwicklung übertraf die Prognosen zu Pandemiebeginn und sorgte zusammen mit Kostendisziplin für ein zufriedenstellendes Betriebsergebnis. Das vorausschauende Kostenmanagement hat zu einer Erhöhung des Ebit um 5,8 % auf 140,6 Mio. € beigetragen, das mit einem Anteil von 8,3 % des Umsatzes einen geringfügigen Anstieg verzeichnete (Ebit-Marge 2019: 7,6 %). Mit Ausnahme der Konzernumsatzerlöse hat der Sick-Konzern seine prognostizierten Ziele im Geschäftsjahr 2020 erreicht", berichtete die Konzernleitung. Das Unternehmen investierte 11,8 % (2019: 11,5 %) vom Umsatz in Forschung und Entwicklung und setze seine Innovationsstrategie fort.

„Den Auswirkungen der Pandemie zum Trotz haben wir ein stabiles Ergebnis erreicht, das wir vor allem dem besonderen Einsatz unserer Beschäftigten verdanken. Dem Auftragsrückgang in der ersten Jahreshälfte 2020 sind wir mit schnellen Anpassungen unserer Kosten und Investitionen begegnet. Zugleich haben wir uns auf wesentliche Zukunftsthemen für die sensorbasierte digitale Transformation fokussiert und hier unseren Technologievorsprung ausgebaut. Die Digitalisierung hat 2020 einen Schub erhalten und Kunden wählten Sick als Partner auf ihrem Weg zur Automatisierung und digitaler Transformation“, kommentierte Dr. Robert Bauer, Vorstandsvorsitzender der Sick AG, die Bilanzzahlen 2020.

Sensorlösungen für Logistikautomation gefragt

Die Nachfrage nach Sensorikprodukten und -anwendungen entwickelte sich nach Unternehmensangaben im Jahresverlauf in den Geschäftsfeldern mit unterschiedlicher Intensität und insbesondere im Bereich der Logistikautomation sehr positiv. Aufgrund der breiten Branchenaufstellung konnten konjunkturelle Schwächen einzelner Zielbranchen ausgeglichen werden. Zudem ermöglichte die internationale Ausrichtung des Unternehmens, Lockdowns in einzelnen Regionen zu überbrücken, und den Umsatz durch Vertriebsaktivitäten in Wachstumsregionen annähernd auf Vorjahresniveau zu halten.

Im Heimatmarkt Deutschland beeinflusste insbesondere die Investitionszurückhaltung der Unternehmen im Bereich der Fabrikautomation die Umsatzentwicklung, wodurch der Umsatz mit 283,9 Mio. € um 10,1 % unter dem Vorjahr blieb. Die Vertriebsregion Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) war ebenfalls stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen und erreichte mit einem Umsatz von 601,4 Mio. € nicht die Prognose. Der Umsatzrückgang von 6,7 % ergab sich insbesondere in den Ländern Italien, Frankreich und Tschechien. Deutlich stabiler verlief das Geschäftsjahr in Nord-, Mittel- und Südamerika (Americas). Mit 387,3 Mio. € betrug das Umsatzwachstum 1,9 % und war insbesondere durch eine hohe Nachfrage im Bereich der Logistikautomation in Nordamerika geprägt. Ebenfalls positiv verlief das Wachstum in der Region Asien-Pazifik, wo mit 427,6 Mio. € ein Umsatzplus von 4,3 % erreicht wurde. Insbesondere in China hat die Umsatzentwicklung im Geschäftsjahr deutlich an Dynamik gewonnen. Die Währungseffekte hatten im Geschäftsjahr 2020 einen negativen Einfluss auf die Entwicklung des Konzernumsatzes. Bei Annahme unveränderter Durchschnittskurse zum Vorjahr hätte sich ein Rückgang der Umsatzerlöse von nur rund 0,9 % ergeben.

Sensorlösungen für die digitale Transformation

Sick erzielte 2020 ein Ebit von 140,6 Mio. €.  201,1 Mio. € wurden in die Entwicklung von sensorbasierten Anwendungen investiert. Die Anzahl der Beschäftigten im Bereich Forschung und Entwicklung wurde planmäßig auf 1.367 Mitarbeitende erhöht.

Mit Sick AppSpace und SickIntegrationSpace wurde das digitale Lösungsportfolio 2020 ausgebaut und ermöglicht Kunden die einfache vertikale Datenintegration vom Sensor bis in die Cloud. "Nicht nur zahlreiche Erfindungen und Weiterentwicklungen von Sensorgeräten und Komplettlösungen, etwa Track-and-Trace-Systeme für die Logistik, wurden auf den Markt gebracht. Auch wurde ein starker Fokus auf digitale Applikationen gesetzt, um z. B. Sick-Kunden die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz auch ohne Programmierkenntnisse zugänglich zu machen", verlautbarte das Unternehmen. "Die 2018 gegründeten Start-up-Initiativen bringen ihre hohe Fachkompetenz in das Unternehmen ein und gewinnen Kundenprojekte. Mit dem Einstieg in die Quantensensorik hat Sick im Geschäftsjahr 2020 zudem eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft erschlossen. Gemeinsam mit der Trumpf-Tochtergesellschaft Q.ANT hat Sick den ersten industriellen Quantensensor entwickelt, der im laufenden Geschäftsjahr bei Pilotkunden eingesetzt werden soll."

Beschäftigungsaufbau statt Kurzarbeit

Im Geschäftsjahr 2020 fand ein geringfügiger Personalaufbau von weltweit 2,2 % auf 10.433 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt. Insbesondere in den operativen Produktionsbereichen sowie kundenorientierten Feldern wie Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Service wurden nach Firmenangaben neue Beschäftigte eingestellt. Die Anzahl Auszubildender im Konzern stieg um 5,2 % auf 384 Auszubildende und DH-Studierende. Auch 2021 soll die Ausbildungsquote stabil gehalten und rund 70 neue Ausbildungsplätze bei Sick besetzt werden.

"Die Corona-Pandemie zeigte sich seit Beginn des Jahres 2020 als Taktgeber und stellte die gesamte Organisation vor Herausforderungen. Mit der frühzeitigen Gründung einer Corona-Task Force im Februar 2020 und der hohen Vernetzung der weltweiten Produktions- und Logistikkapazitäten, konnte die Gesundheit der Mitarbeitenden bestmöglich geschützt und die Lieferfähigkeit gewährleistet werden. Gezielte Anstrengungen im Bestandsmanagement erhöhten dabei die Lagerkosten, stellten jedoch die Lieferfähigkeit des Unternehmens sicher. Ein klares Hygienekonzept, Maskenpflicht und Schnelltests für präsenzpflichtige Bereiche, wie Produktion, Logistik und Service, schützen Sick-Beschäftigte in der noch andauernden Pandemie. Etwa 80 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen die Möglichkeit des mobilen Arbeitens" berichteten die Unternehmenssprecher.

„Innerhalb kürzester Zeit wurde allen Beschäftigten, die ihre Tätigkeit zu Hause ausüben können, die erforderliche IT-Infrastruktur dazu bereitgestellt. Ich freue mich, dass wir unsere Agilität und Innovationsstärke auch für unternehmensinterne Zwecke eingesetzt und schnell eine sichere Remote-Arbeitsumgebung geschaffen haben. Über neue digitale Prozesse und Kommunikationsplattformen waren wir für unsere Kunden weltweit jederzeit erreichbar und konnten unsere Lieferfähigkeit sicherstellen“, sagte Markus Vatter, Vorstandsmitglied der Sick AG und verantwortlich für Controlling, Finanzen und IT.

Ausblick auf Jubiläumsjahr 2021

Im Geschäftsjahr 2020 hat Sick das Thema Nachhaltigkeit strategisch verankert und eine neue Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet, die im Einklang mit den relevanten Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen steht und die Ökologie in das Zentrum sämtlicher Bestrebungen setzt. Der Einsatz für die Umwelt lag schon Firmengründer Dr.-Ing. e. h. Erwin Sick am Herzen, der 1956 das erste Rauchgasdichtemessgerät zur Verminderung von Luftverschmutzung entwickelte.

Das 75-jährige Firmenjubiläum soll im Herbst 2021 die Pionierleistung von Dr.-Ing. e. h. Erwin Sick ehren und die Entwicklung von Opto-Elektronik und Automatisierung bis zur digitalen Transformation nachzeichnen. Sofern es das Infektionsgeschehen zulässt, soll das Jubiläum mit Sick-Beschäftigten sowie Wegbegleitern aus Wirtschaft, Verbänden und Politik im September feierlich begangen werden.

Die weitere Prognose für das Geschäftsjahr 2021 wird durch die noch anhaltende Corona-Pandemie und Störfaktoren in der Weltwirtschaft erschwert. "Es ist jedoch in den kommenden Jahren mit Nachholeffekten zu rechnen, die sich bereits in erfreulichen Auftragseingängen im ersten Quartal 2021 bemerkbar machen. Zudem nimmt die Bedeutung und Entwicklungsgeschwindigkeit der Digitalisierung weiter zu, für die Sensorlösungen von Sick wesentlich sind. Der stabile Jahresabschluss sowie die hohe Profitabilität und Innovationskraft des Unternehmens unterstützten Sick dabei, gestärkt aus der Pandemie hervorzugehen und die Wachstumschancen in bestehenden und zukünftigen Märkten nutzen zu können", heißt es abschließend von Unternehmensseite.

Sick (ih)

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