Rainer Brehm, CEO Factory Automation, Siemens, informierte auf der Siemens-Pressekonferenz in Nürnberg über die Neuheiten sowie die Highlights zur SPS (Quelle: Siemens)
Mitte 2022 hatte Siemens seine offene und digitale Businessplattform Siemens Xcelerator vorgestellt. Sie soll die digitale Transformation für Unternehmen einfacher, schneller und skalierbar zu machen. Dazu setzt sie auf drei Säulen auf:
- Portfolio: ein modulares Portfolio IoT-fähiger Hardware und Software, das auf Standard-API basiert. Ziel ist es, Information Technology (IT) und Operational Technology (OT) noch besser zu integrieren.
- Ökosystem: ein wachsendes Ökosystem von Partnern.
- Marktplatz: Interaktionen und Transaktionen zwischen Kunden, Partnern und Entwicklern.
Als Beispiele für das wachsende Partnerökosystem führte R. Brehm auf der SPS an: blue automation GmbH, Digital Industries World e.V., Mytra, Wireless Consulting und Zscaler. Sie würden verdeutlichen, wie eine Zusammenarbeit über Firmen- und Sektorengrenzen Kundenmehrwert generiere.
Ein weiteres Kernthema des Siemens-Messestands und des Vortrags war die Konvergenz von IT und OT. Sie wurde anhand konkreter Anwendungsfälle aus den kombinierten Angeboten der digitalen Konnektivität, z.B. von Industrial Edge, MindSphere und Mendix präsentiert. Dies fasst die IoT-Funktionen vom Sensor über Edge bis hin zur Cloud mit eingebetteten Low-Code-Funktionen und einer breiten Palette von gebrauchsfertigen Applikationen zusammen. Kunden und Partnern sollen somit in die Lage versetzt werden, ihre digitale Transformation unabhängig von der Größe oder digitalen Reife ihres Unternehmens zu starten.
„Vor 25 Jahren haben wir mit Totally Integrated Automation begonnen, die OT-Welt zu integrieren und für IT-Anwendungen zu öffnen. Siemens Xcelerator beschleunigt die IT/OT-Integration und ist damit die nächste große Vision für die Transformation der Industrie. Wir bringen IT und OT so nahtlos zusammen wie kein anderes Unternehmen. Industrielle Abläufe werden dadurch einfach, offen, flexibel und nachhaltig. Genau das zeigen wir auf der SPS mit Praxisbeispielen, zusammen mit innovativen Neuheiten aus unserem gesamten Produktportfolio“, sagte R. Brehm
Neuheiten für die offene Edge-Computing-Plattform
Mit dem Ziel, die Integration von IT und OT weiter voranzutreiben, optimiert Siemens kontinuierlich seine Industrial-Edge-Lösungen. Ein Beispiel ist das Industrial Edge Management System V2.0. Dieses ist für Kubernetes zur Verwaltung von Container–Anwendungen verfügbar. Damit soll die zunehmende Anzahl von IT-Anwendern in der industriellen Produktion adressiert werden. "Sie können nun Industrial Edge einfach in bestehende Kubernetes-Cluster integrieren und damit die Automatisierung auf dem Shopfloor IT-orientierter, effizienter und einfacher managen. Da die Rechenleistung innerhalb eines oder mehrerer Kubernetes-Cluster flexibel zugeteilt werden kann, sparen Unternehmen IT-Ressourcen und damit Energie und Kosten. Das geht nun auch mit Industrial Edge", so R. Brehm.
Als weitere Neuheiten rund um Industrial Edge wurden ein übersichtliches Lizenzmanagement mit dem Industrial Edge Hub sowie ein neues, komplett virtuelles Edge-Gerät (Industrial Edge Virtual Device, IEVD) sowie neue Simatic-IPC-Edge-Geräte genannt.
TIA Portal v18
Außerdem wurde die neueste Version des TIA Portals v18 präsentiert. Mit ihr können Anwender mittels erweiterter Multiuser-Engineering-Funktionalitäten gemeinsam globale Bibliotheken erstellen, verwalten und unternehmensweit ausrollen. Als weitere Neuheit wurde der IT-orientierte Ansatz von Simatic AX vorgestellt. "Obwohl das TIA Portal ein klassisches Werkzeug der OT-Ebene ist, können damit jetzt auch IT-Anwender Engineering-Funktionalitäten in Visual Studio Code programmieren. Damit stehen ihnen Mechanismen wie Git-Versionierung, Unit-Testing oder Objektorientierung zur Verfügung. Die in Structured Text erstellten Bibliotheken lassen sich dann nahtlos in das TIA Portal integrieren", geben die Experten an.
Da Simatic AX auch cloudbasiert ist, kann es schnell und leicht zu jeder Zeit und an jedem Ort heruntergeladen und aktualisiert werden, wird als weiterer Vorteil genannt. Zudem sollen Aktualisierungen bei der Hardware die Verbindung von IT und Automatisierung immer mehr unterstützen. So bekommt auch die mittlere Leistungsklasse der PLC mehr Speicher und eine stärkere Performance im Bereich der industriellen Kommunikation. "Damit lassen sich Daten performanter austauschen und nutzen. Zudem ermöglicht das TIA Portal in der Version 18 ein fortgeschrittenes Engineering der Kinematik (5D/6D) und die Ausfallsicherheit der automatisierten Produktion ist mit einer R1 Redundanz geschützt", verlautbart das Unternehmen.
Energieeffiziente Antriebstechnik im Fokus
Siemens zeigte zudem ein neues Feature der Applikation Analyze MyDrives Edge, das Transparenz über den Energieverbrauch des gesamten Antriebssystems sicherstellen soll. "Das KI-basierte Feature der App errechnet alle Daten, ohne dass hierfür zusätzliche Sensorik und spezielle Messgeräte benötigt werden. Die App zeigt auf, wie effizient der Antrieb läuft, wie hoch Energieverbrauch und Betriebskosten sind und welchen CO2-Fußabdruck der Antrieb hinterlässt. Antriebseinstellungen können damit noch besser auf die Kundenbedürfnisse optimiert werden", so die Experten.
Im Bereich Hardware führt Siemens einen weiteren Compact DC-DC Converter in den Markt ein. Der Sinamics DCP 250 kW ist ab sofort verfügbar. Siemens bietet mit dem Sinamics DCP 250 kW ein Gerät, mit dem sich Ausgangsspannungen von bis zu 1.200 V realisieren lassen. "Das Gerät setzt die gestiegenen Anforderungen in der Automobilindustrie um und bietet die optimale Basis zur Realisierung von Prüfständen für Elektrofahrzeuge. DC-Steller bieten zusätzliche Vorteile für eine effiziente Energienutzung: Im Systemverbund kann durch den Einsatz von Energiespeichern wie Batterien, die Lastaufnahme aus dem Netz geglättet werden. Damit fallen insbesondere Lastspitzen weg. Darüber hinaus kann anfallende Bremsenergie im DC-Verbund verfügbar gemacht werden. Bei geeigneter Systemauslegung benötigen DC-Steller zudem weniger Umwandlungsschritte", heißt es in der zugehörigen Meldung.
Neue Generation Industrial Ethernet Switches
Siemens hat außerdem die Industrial Ethernet Switches seiner Serie Scalance XC-/XR-300 – managed Layer 2-Switches – erneuert und um zusätzliche Funktionen für industrielle Netzwerke der nächsten Generation aufgerüstet. Es gibt sie sowohl als Kompakt- als auch 19-Zoll-Rack-Modelle für Netzwerkschränke. "Die Switches der neuen Scalance XC-/XR-300-Serie verfügen über eine hohe Portdichte, wodurch sich viele Geräte innerhalb großer Netzwerkinfrastrukturen anbinden lassen. Dank ihrer Ports mit hohen Bandbreiten (bis zu 10Gbit/s) ermöglichen sie zudem verschiedene OT-Netzwerkanwendungen für Daten, Sprache, Video und Profinet. Mit den Industrial Ethernet Switches werden OT-Netzwerke einfach an die IT angebunden und ermöglichen damit eine flexiblere Produktion", heißt es in der Pressemeldung.
Prototyp einer lokalen 5G-Infrastruktur
Auf der SPS zeigte Siemens den Prototyp einer privaten, lokalen 5G-Infrastruktur. Diese sollen Industrieunternehmen einsetzen können, um ihr eigenes 5G-Netzwerk in Anlagen zu errichten. "Über das private 5G-Netz lassen sich dann z.B. Edge Devices, Industrie-Tablets oder mobile Roboter (AGV) in Fabriken anbinden sowie Augmented-Reality-Lösungen störungsfrei nutzen", wird als Vorteil genannt. Der Launch des Produkts soll im Laufe des kommenden Jahres erfolgen.