Ein Messedemonstrator führt die Besucher interaktiv durch eine virtuelle Fabrik und macht die digitale Transformation unmittelbar greifbar. (Quelle: Heitec AG)
Steigende Energiepreise, Fachkräftemangel und volatile Lieferketten erhöhen den Modernisierungsdruck in der Industrie. Hinzu kommen regulatorische Anforderungen durch unter anderem die EU-Maschinenverordnung, NIS2, den Cyber Resilience Act und den AI Act. Auf der SPS 2026 will Heitec zeigen, wie sich bestehende Produktionsanlagen schrittweise modernisieren lassen – von der Bestandsaufnahme über Engineering und Umsetzung bis zur Wiederinbetriebnahme und zum anschließenden Service.
Virtuelle Fabrik macht Digitalisierung greifbar
Am Messestand in Halle 6, Stand 220, demonstriert HEITEC den Weg von der bestehenden zur modernisierten Anlagenwelt unter anderem anhand zweier Schaltschränke sowie eines interaktiven Demonstrators. Dieser führt Besucher durch eine virtuelle Fabrik und zeigt das Zusammenspiel von digitalen Zwillingen, Planungs- und Materialflusssimulationen sowie Produktions- und Energiedaten aus IIoT-Plattformen.
Auf dieser Basis lassen sich reale Fertigungsszenarien virtuell abbilden, überwachen und mithilfe von KI-Analysen optimieren. Im Fokus stehen Anwendungen aus der diskreten Fertigung, dem Maschinenbau und der Lean Production. Ziel sind unter anderem kürzere Anlaufzeiten, eine stabile Produktionsqualität und energieeffizientere Prozesse.
Retrofit über Mechanik und Automatisierung hinaus
HEITEC betrachtet Retrofit-Projekte nach eigenen Angaben ganzheitlich. Neben Mechanik und Elektrik umfasst der Ansatz Automatisierung, Software, Visualisierung, Antriebstechnik und Safety. Dazu gehören beispielsweise der Austausch veralteter Steuerungen, die Migration bestehender SPS-Programme sowie die Integration neuer Antriebstechnik.
Auch ältere Maschinen sollen sich über ein IoT-Gateway in digitale Strukturen einbinden lassen. Gleichzeitig bewertet HEITEC bei Modernisierungsprojekten den bestehenden Zustand der Maschinensicherheit und leitet daraus notwendige Anpassungen ab. Ziel ist ein Gesamtkonzept, das technische Anforderungen sowie Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsaspekte zusammenführt.
Digitaler Zwilling unterstützt die Inbetriebnahme
Eine weitere Rolle spielen digitale Zwillinge. Virtuelle Modelle können Steuerungssoftware vor der realen Inbetriebnahme testen, Funktionen überprüfen sowie Materialflüsse und Taktzeiten simulieren. Fehler sollen dadurch früher erkannt und Stillstands- beziehungsweise Inbetriebnahmezeiten reduziert werden.
Die Modelle können darüber hinaus über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage eingesetzt werden, beispielsweise bei späteren Erweiterungen, Änderungen oder Mitarbeiterschulungen. Als Infrastruktur für die Datenhaltung nennt Heitec eine skalierbare Stackit-Cloudlösung.
Cybersecurity und regulatorische Anforderungen
Im Zuge von Retrofit-Projekten gewinnen neben der funktionalen Sicherheit zunehmend Cybersecurity und Compliance an Bedeutung. Heitec unterstützt Unternehmen unter anderem bei Risikobeurteilungen, bei der Modernisierung funktionaler Sicherheit sowie bei der Dokumentation im Zusammenhang mit CE-Anforderungen und digitalen Produktpässen.
Darüber hinaus adressiert das Unternehmen normenbasiertes Cybersecurity-Prozessmanagement. Eine besondere Bedeutung misst HEITEC dabei dem Cyber Resilience Act bei, dessen Anforderungen für betroffene Produkte schrittweise relevant werden.
Energiemanagement als Bestandteil der Modernisierung
Auch der Energieverbrauch bestehender Anlagen ist Bestandteil des Modernisierungsansatzes. Mit Energiemanagementlösungen sollen Verbräuche erfasst, überwacht und optimiert werden. Die Heitec Energy App bietet nach Unternehmensangaben unter anderem ISO-50001-konformes Monitoring, Alarmfunktionen, automatisierte Berichte sowie Funktionen zur Ermittlung des Product Carbon Footprint.
Für die Modernisierung beziehungsweise Erweiterung komplexerer Energieversorgungssysteme setzt Heitec zudem auf simulationsbasierte Werkzeuge zur Auslegung von Strom-, Wärme- und Kälteversorgung. Herstellerunabhängige Steuerungen und KI-gestützte Prognosen sollen anschließend bei der Optimierung des laufenden Betriebs unterstützen.