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Dr. Ralph Wiechers, VDMA-Chefvolkswirt (Quelle: VDMA)

An der Konjunkturerhebung des VDMA haben im September 938 Mitgliedsunternehmen teigenommen. "Zwar stuft immerhin ein gutes Viertel (28 %) der Firmen die Lage noch als gut oder sehr gut ein. Doch auch die Aussichten sind nicht rosig: Rund acht von zehn Unternehmen rechnen nicht damit, dass sich die Lage im nächsten halben Jahr bessert, etwa jedes fünfte Unternehmen erwartet sogar eine abermalige Verschlechterung der aktuellen Situation", heißt es in einer aktuellen Meldung des VDMA.

„Im Vergleich zum letzten Erhebungszeitpunkt vor drei Monaten hat sich die Stimmung in den Firmen nochmals deutlich spürbar verschlechtert. Das verwundert nicht: Das Geschäftsumfeld ist weiterhin geprägt von zahlreichen Krisen. Das ist für sich genommen nichts Neues, leider! Doch es fehlt an politischer Entschlossenheit, an den richtigen Stellschrauben zu drehen, um diesen Krisen wirkungsvoll zu begegnen“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. „Eine politische Hängepartie kann sich unser Land nicht leisten. Die im Kern richtigen, wenn auch kleinen Ansätze der Wachstumsinitiative müssen schnell umgesetzt werden. Bund und Länder sind in der Pflicht! Wahltaktische Spiele sind fehl am Platz.”

Wenig optimistischer Ausblick

Für das zu erwartende Gesamtergebnis 2024 rechnen rund 40 % mit einem nominalen Umsatzrückgang, weitere 27 % eine Stagnation ihrer Umsätze. Mit Blick auf 2025 erwartet über die Hälfte der Unternehmen (54 %) kein nominales Umsatzwachstum; 32 %der Befragten sehen eine Stagnation ihres Umsatzes für 2025 als realistisch an. „Damit dürfte nach einem für die meisten Unternehmen mageren Jahr 2024 auch 2025 eine sehr herausfordernde Zeit werden. Der schwache Auftragseingang der vergangenen Monate hat dazu geführt, dass die Auftragsbestände mittlerweile vielerorts aufgezehrt sind. Folglich stuft mehr als ein Drittel (37 %) der Unternehmen die eigene Auftragssituation mit Blick auf die nächsten sechs Monate als großes oder sehr großes Risiko ein. Denn ausbleibende neue Aufträge schlagen damit direkt auf die Produktion durch“, sagt Dr. R. Wiechers.

Krise in zentralen Kundenbranchen 

Mit Blick auf die Kundenbranchen des Maschinen- und Anlagenbaus zeigen sich laut dem VDMA deutliche Unterschiede: Unter anderem die pharmazeutischen Erzeugnisse, die Medizintechnik und die Verteidigungsindustrie sowie die Luft- und Raumfahrt fallen positiv auf. Mit der Automobilindustrie, dem Maschinenbau selbst sowie der Bauindustrie sind derzeit hingegen drei wichtige Kundenbranchen schwer gebeutelt. „Besonders schwierig sieht es in der Automobilindustrie aus. Drei Viertel der befragten Unternehmen beurteilt die Lage dort als schlecht oder sehr schlecht, und zwar anhaltend. Nur jedes zwanzigste Unternehmen erwartet eine Entwicklung zum Positiven in den nächsten sechs Monaten. Unwesentlich besser stellt sich die Situation im Maschinenbau selbst oder in der Bauindustrie dar. In beiden Kundenbranchen schätzen mehr als die Hälfte der Unternehmen aktuell die Lage als negativ ein. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen erwartet eine positive Entwicklung in den nächsten sechs Monaten“, erläutert Dr. R. Wiechers.

Licht in den USA, Schatten im Inland

Die regionalen Absatzchancen werden laut dem Branchenverband ebenfalls uneinheitlich beurteilt. Vergleichsweise positiv sehe es in den USA aus: "Etwa jedes dritte Unternehmen wertet die aktuellen Absatzchancen dort als gut oder sogar sehr gut. Nur 10 % der Unternehmen sehen für die USA in den nächsten sechs Monaten eine Abschwächung kommen, rund jeder dritte Betrieb erwartet sogar weitere Besserung", wird angegeben. Die aktuellen Absatzchancen in Deutschland werden hingegen besonders negativ gesehen. "Mehr als die Hälfte der Unternehmen empfinden diese als schlecht oder sehr schlecht. Lediglich 13 Prozent erwarten eine Besserung der Absatzchancen im nächsten halben Jahr von zumeist bereits niedrigem Niveau", wird in der Meldung weiter berichtet. Kaum besser sehe es in China aus: fast jedes zweite Unternehmen kommt zum Urteil “schlecht” oder “sehr schlecht” bei den aktuellen Absatzchancen und nur jedes fünfte Unternehmen sieht eine Besserung der Lage im kommenden halben Jahr.

Politisches Handeln gefordert

Der politische Handlungsbedarf und die Erwartungen der Maschinenbauindustrie werden vom VDMA als groß angegeben. "Insbesondere die überbordende Bürokratie empfinden die Unternehmen als störend", geben die Experten an und verweisen darauf: "92 % der Unternehmen sehen hier einen vordringlichen politischen Handlungsbedarf. Aber auch bei der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren (85 %) und der Modernisierung der Infrastruktur (80 %) sehen die Befragten akuten Bedarf." „Die Politik muss endlich die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen fürs Investieren und Innovieren verbessern, damit die heimischen Unternehmen im internationalen Wettbewerb bestehen können. Die Geduld vieler Entscheidungsträger in den Unternehmen ist überstrapaziert, mehr noch: am Ende!“, mahnt der VDMA-Chefvolkswirt.

VDMA (ih)

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