VDMA-Präsident Bertram Kawlath: "Durch einen verantwortungsvollen Umgang mit KI können die europäischen Hersteller nicht nur wettbewerbsfähig bleiben, sondern auch die nächste Welle des industriellen Wandels anführen." (Quelle: VDMA)
"Europas Maschinenbauindustrie kann sich auch in einem zunehmend rauen globalen Wettbewerb behaupten, falls die Unternehmen sich wandeln, europäische Netzwerke bilden – und wenn sie von der EU mit den notwendigen wirtschaftspolitischen Reformen unterstützt werden", berichtet der VDMA in einer Meldung.
„Trotz aller Herausforderungen bleibt unsere Branche widerstandsfähig. Wenn wir zusammenarbeiten, in Innovationen investieren und die Stärke des EU-Binnenmarktes nutzen, können wir diese unsicheren Zeiten meistern und eine erfolgreiche Zukunft für den europäischen Maschinen- und Anlagenbau gestalten“, sagte VDMA-Präsident Bertram Kawlath zum Auftakt des VDMA European Summit. Da Produktion in Europa in den vergangenen Jahren jedoch „immer komplizierter, schwerfälliger und teurer geworden ist“, müsse die EU-Kommission den nun eingeschlagenen Weg einer spürbaren Entlastung der Industrie konsequent weitergehen, forderte er. Der VDMA European Summit findet in diesem Jahr in Amsterdam statt und bringt rund 250 hochrangige Vertreter des Maschinen- und Anlagenbaus aus ganz Europa zusammen.
Immerhin hätten die EU-Entscheidungsträger erkannt, dass Europa eine starke industrielle Basis benötigt und daher die Wettbewerbsfähigkeit Europas zur obersten politischen Priorität gemacht, lobte B. Kawlath: „Die ersten Vorschläge zur Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung, der Sorgfaltspflicht in der Lieferkette und des CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM sind sehr vielversprechend.“ Entscheidend sei nun, dass diese sogenannten Omnibus-Vorschläge im Gesetzgebungsverfahren unverändert bleiben. „Dann werden wir eine erhebliche Verringerung des Verwaltungsaufwands bekommen“, sagte der VDMA-Präsident.
EU-Binnenmarkt als wichtige Handelsplattform
Wie wichtig der innereuropäische Handel im Maschinen- und Anlagenbau für die Stärke des Kontinents ist, zeigen laut VDMA jüngste Statistiken: In den ersten elf Monaten des Jahres 2024 erreichten die EU-Maschinenexporte insgesamt einen Wert von 543 Mrd. €, wovon rund die Hälfte (272 Mrd. €) in jeweils andere EU-Länder ging. „Dies verdeutlicht die Bedeutung des EU-Binnenmarkts als wichtige Handelsplattform für unsere Industrie“, sagte B. Kawlath. Der Branchenumsatz des europäischen Maschinen- und Anlagenbaus wird für 2024 auf 860 Mrd. € (minus 6 % zum Vorjahr) geschätzt – das sind etwa 27 % des weltweiten Maschinenmarkts. "Die Branche erwartet 2025 ein weiteres schwieriges Jahr. Aufgrund der vielen globalen Handelshemmnisse und großer Verunsicherung der Kunden müssen die Firmen mit einem noch andauernden schwachen Investitionsniveau rechnen", gibt der VDMA an.
KI als Treiber des industriellen Wandels
Umso wichtiger ist es, dass auch in den Firmen die notwendigen Reformen vorangetrieben werden, mahnte B. Kawlath. „Einerseits müssen sich die Unternehmen anpassen, indem sie ihre Zulieferernetzwerke diversifizieren, in regionale Produktionszentren investieren und ihre Logistik ausfallsicher gestalten. Andererseits öffnet das Streben nach Regionalisierung neue Türen für eine stärkere europäische Zusammenarbeit, mehr Innovation und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit auf der globalen Bühne.“ Außerdem müssten die Unternehmen sich öffnen für den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Produktion und Service.
„KI verbessert die Effizienz, reduziert Ausfallzeiten und unterstützt intelligentere Entscheidungen durch Anwendungen, wie vorausschauende Wartung, Qualitätskontrolle und Optimierung der Lieferkette. Durch maschinelles Lernen wird eine größere Anpassungsfähigkeit erreicht, die den Unternehmen hilft, die Produktion zu optimieren und den Ausschuss zu minimieren“, sagte der VDMA-Präsident. Dabei seien auch die ethischen Fragen im Zusammenhang mit KI zu beachten. „Durch einen verantwortungsvollen Umgang mit KI können die europäischen Hersteller jedoch nicht nur wettbewerbsfähig bleiben, sondern auch die nächste Welle des industriellen Wandels anführen“, resümierte B. Kawlath.