Interview mit Dr. A. Zein

Eigenes Wissen, wie Kunden- und Unternehmensrichtlinien, wird in Electrix AI gespeichert (1). Der AI-Copilot durchsucht dieses (2) und liefert ­innerhalb weniger Sekunden die passenden Ergebnisse (3). Das mühsame Durchsuchen von Papier- oder PDF-Dokumenten wird überflüssig.

Eigenes Wissen, wie Kunden- und Unternehmensrichtlinien, wird in Electrix AI gespeichert (1). Der AI-Copilot durchsucht dieses (2) und liefert ­innerhalb weniger Sekunden die passenden Ergebnisse (3). Das mühsame Durchsuchen von Papier- oder PDF-Dokumenten wird überflüssig. (Quelle: WSCAD)

Monotone Routinearbeiten nimmt die KI in Electrix AI 2026 dem Konstrukteur ab: Sie erkennt Ähnlichkeiten und schlägt Aufbaumöglichkeiten vor. Der Konstrukteur prüft und vervollständigt den Aufbau.

Monotone Routinearbeiten nimmt die KI in Electrix AI 2026 dem Konstrukteur ab: Sie erkennt Ähnlichkeiten und schlägt Aufbaumöglichkeiten vor. Der Konstrukteur prüft und vervollständigt den Aufbau. (Quelle: WSCAD)

Für die Übersetzung einzelner Texte bis hin zur gesamten Dokumentation in beliebigen Sprachen liefert die KI in kurzer Zeit fachlich korrekte Formulierungen. Was bisher Übersetzungsbüros benötigte und Stunden bis Tage dauerte, ist jetzt in wenigen Minuten erledigt.

Für die Übersetzung einzelner Texte bis hin zur gesamten Dokumentation in beliebigen Sprachen liefert die KI in kurzer Zeit fachlich korrekte Formulierungen. Was bisher Übersetzungsbüros benötigte und Stunden bis Tage dauerte, ist jetzt in wenigen Minuten erledigt. (Quelle: WSCAD)

Können Sie den Unterschied zwischen Phase 2 und Phase 3 konkret greifbar machen?

Dr. A. Zein: Nehmen wir ein Beispiel aus der Praxis: In Phase 2 sagt der Konstrukteur dem System: „Platziere die Makros für CPU und Ein-/Ausgangsmodule auf einer neuen Seite.“ Die KI sucht und platziert daraufhin automatisch die entsprechenden Teilschaltungen unter Berücksichtigung der Projektlogik. Oder: „Prüfe dieses Projekt gegen die Kundenvorgaben.“ Die KI durchsucht die spezifischen Richtlinien des Kunden und liefert Ergebnisse. Das ist hochproduktiv, aber der Anwender definiert weiterhin den Lösungsweg.

Phase 3 stellt einen Architekturwechsel dar: Der Anwender beschreibt nicht mehr die einzelnen Arbeitsschritte, sondern das eigentliche Ziel, zum Beispiel: „Modernisiere diesen Anlagenteil energieeffizient unter Einhaltung bestimmter Normen und Kundenvorgaben.“ Das System analysiert dann den gesamten Kontext, bewertet mögliche Lösungsansätze und erzeugt daraus technische Vorschläge, inklusive Architektur, Komponenten, Schrankaufbau und Dokumentation.

Der entscheidende Unterschied ist: Heute unterstützt die Software den vorgegebenen Engineering-Prozess des Anwenders. Künftig beginnt sie, den Lösungsraum selbst mitzustrukturieren.

Verschiebt sich damit die Rolle klassischer CAD-Systeme nicht grundsätzlich?

Dr. A. Zein: Davon ist auszugehen. Historisch waren CAD-Systeme Werkzeuge zur Dokumentation. Das eigentliche Engineering fand außerhalb des Systems statt – im Kopf des Ingenieurs. Jetzt entsteht eine neue Situation: Das System beginnt, Teile dieser Entscheidungslogik zu übernehmen.

AI-native Systeme werden damit zum aktiven Bestandteil des Engineering-Prozesses, während CAD-Systeme zunehmend die Rolle der Dokumentations- und Ausführungsebene übernehmen. Oder anders ausgedrückt: Bisher wurde ein bereits entwickeltes Produkt im CAD konstruiert und dokumentiert. Künftig beschreibt der Ingenieur stärker das gewünschte Ziel und die Randbedingungen. Das AI-native System leitet daraus technische Lösungen ab und generiert die entsprechende Umsetzung im CAD.

Wo entstehen in diesem Umfeld echte Wettbewerbsvorteile?

Dr. A. Zein: Die meisten Unternehmen nutzen KI derzeit vor allem, um bestehende Prozesse zu beschleunigen. Die wirklich erfolgreichen Unternehmen verändern jedoch den Prozess selbst. Genau dort entstehen nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Denn wer Engineering nur effizienter macht, verbessert bestehende Abläufe. Wer jedoch beginnt, Entscheidungsprozesse, Rollenbilder und Engineering-Strukturen neu zu denken, verändert die eigentliche Wertschöpfung.

Was machen Unternehmen aktuell im Umgang mit KI am häufigsten falsch?

Dr. A. Zein: KI wird häufig als IT-Thema behandelt. Das ist der zentrale Fehler. KI ist kein zusätzliches Werkzeug, das man einfach einführt, sondern eine Veränderung von Entscheidungsprozessen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweisen im Engineering. Wer KI als reine Softwareeinführung versteht oder glaubt, ein Copilot sei bereits die KI-Transformation, bleibt in der Experimentierphase stehen. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, Prozesse grundsätzlich neu zu denken.

Welche Rolle spielen Management und Unternehmenskultur dabei?

Dr. A. Zein: Eine entscheidende! Wenn KI nicht strategisch auf Führungsebene verankert ist, bleibt sie ein Pilotprojekt. Gleichzeitig müssen Mitarbeiter verstehen, dass sie nicht ersetzt werden, sondern dass sich ihre Rolle verändert und aufgewertet wird. Die erfolgreichsten Unternehmen sind nicht zwingend die mit der größten Technologieabteilung, sondern diejenigen, die am schnellsten lernen und sich anpassen.

Wie verändert sich dadurch die Rolle des Konstrukteurs?

Dr. A. Zein: Die Rolle verschiebt sich deutlich, bleibt aber zentral. Der Anteil repetitiver Detailarbeiten, wie Zeichnen, Suchen oder Wiederholen, nimmt ab. Dafür gewinnen Entscheiden, Bewerten, Strukturieren und Verantworten an Gewicht. Systemverständnis und Bewertungskompetenz werden entscheidend. Der Konstrukteur der Zukunft ist nicht mehr primär der schnellste CAD-Anwender, sondern derjenige, der technische Zusammenhänge präzise versteht, strukturiert denkt und daraus klare Ziele sowie Randbedingungen formulieren kann. Auf den Punkt gebracht: Der Konstrukteur der Zukunft wird weniger Zeit mit Zeichnen verbringen und mehr Zeit mit Entscheiden.

Teilen Sie die Sorge vieler Kritiker, dass KI Arbeitsplätze verdrängen wird?

Dr. A. Zein: Nein, aber sie wird die Art der Arbeit verändern. Technologische Umbrüche haben Berufsbilder schon immer verändert. Mit Eisenbahn und Automobil verschwanden Kutscherberufe, gleichzeitig entstanden völlig neue Industrien und Märkte. Auch KI folgt diesem Muster. Sie wird bestimmte Aufgaben automatisieren und damit verändern oder ersetzen. Gleichzeitig entstehen neue Tätigkeitsfelder, die heute in ihrem Umfang noch nicht vollständig absehbar sind. KI ersetzt keine Ingenieure. Aber sie verändert, wie Ingenieure arbeiten und welche Profile künftig gefragt sind. Unter Druck geraten Tätigkeiten, die auf reiner Ausführung und Routine basieren. Engineering wird stärker konzeptionell, interdisziplinär und entscheidungsorientiert.

Wenn Sie fünf Jahre nach vorne schauen: Wie sieht Elektrokonstruktion dann aus?

Dr. A. Zein: Deutlich stärker modellbasiert, kontextgetrieben und integriert. KI wird kein Zusatz mehr sein, sondern Bestandteil des Engineering-Systems selbst. Die Systeme werden Kontext verstehen, Regeln berücksichtigen, Erfahrungswissen einbeziehen und Lösungen vorschlagen. Der Konstrukteur bleibt die verantwortliche Instanz. Aber die Art, wie Lösungen entstehen, wird sich grundlegend verändern. Und genau dieser Wandel hat bereits begonnen. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob KI Teil des Engineerings wird. Die Frage ist, welche Unternehmen früh genug verstehen, dass sich die Logik des Engineerings selbst verändert.

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