Weidmüller nimmt Elektromobilität in Fokus

Unter anderem mit dem Einstieg in wichtige Zukunftsmärkte wie Elektromobilität will Weidmüller 2020 weiter wachsen (Bild: Weidmüller)

2018 erwirtschaftete Weidmüller weltweit einen Umsatz von 823 Mio. €, was einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von 11 % entsprach. „Die Eintrübung der Konjunktur hat sich auch bei uns und unseren Kunden bemerkbar gemacht und führte zu einem deutlich geringeren Wachstum als wir noch zu Beginn des Jahres erwartet haben“, sagte Weidmüllers Vorstandssprecher und Finanzvorstand Jörg Timmermann auf dem Jahresabschlussgespräch am 19. Dezember in Detmold. „Gemessen an der aktuellen Lage vieler Unternehmen und den großen Unsicherheiten am Markt haben wir uns aber gut geschlagen und erwarten ein leichtes Wachstum.“ Begründet wird dies mit den strategischen Weichenstellungen der letzten Jahre. „Weidmüller wird in vielen Märkten über unser Komponentengeschäft hinaus auch mit kompetenter Schaltschrankberatung, mit IIoT-Lösungen wie dem Automated Machine Learning Tool und dem Fabrikboden der Zukunft in Verbindung gebracht“, erläuterte Weidmüller-Technologievorstand Volker Bibelhausen. „Das zeigt, dass wir mit unserer Ausrichtung auf dem richtigen Weg sind.“ Den finalen Jahresabschluss will Weidmüller wie in den vergangenen Jahren auf der Hannover Messe präsentieren.

Breites Portfolio für das Erfassen, Aufbereiten und Verarbeiten von Daten

Weidmüller bietet mittlerweile ein großes Programm an kommunikationsfähigen Komponenten zur Erfassung, Bereitstellung, Verarbeitung und Auswertung von Prozessdaten an. „Das Industrielle Internet of Things wird in den nächsten Jahren die industrielle Produktion maßgeblich verändern und wir positionieren uns frühzeitig mit Lösungen in diesem Umfeld. Wir wollen hier als anerkannter Player im Markt auftreten“, erklärte V. Bibelhausen. Dafür hat das Unternehmen auf der SPS im November erste Produkte wie das IoT-Terminal Block vorgestellt. Es ermöglicht eine effiziente und kostengünstige Statusüberwachung von dezentralen Maschinen und Anlagen sowie einfachen Automatisierungssteuerungen. Zugute kam dem Detmolder Unternehmen nach eigenen Angaben dabei die im Sommer verkündete Beteiligung an dem taiwanischen Unternehmen O-Ring, das sich auf die Entwicklung von IIoT-Lösungen spezialisiert hat.

Den Herausforderungen der Digitalisierung und Automatisierung im Kerngeschäft begegnet Weidmüller mit zusätzlichen digitalen Services und Lösungen sowie Komponenten zur automatischen Bestückung und Markierung. „Es geht hierbei immer darum, die Arbeitsabläufe und Prozesse der Kunden durch aufeinander abgestimmte Fertigungsabläufe effizienter zu gestalten“, erklärt Weidmüller-Vertriebsvorstand Dr. Timo Berger. „Ein Beispiel ist hier unsere automatische Tragschienenbestückung, mit der Reihenklemmen halbautomatisiert auf einer Tragschiene montiert werden können. Mithilfe unseres Rail-Lasers kann auch die Markierung anschließend vollautomatisiert ablaufen.“ Neben dem technischen Fortschritt sei die Zukunft des Schaltschrankbaus aber auch der Fachkräftemangel geprägt: „Schaltschrankbauer stehen heute zunehmend vor Herausforderungen, weil der Nachwuchs fehlt. Durch unsere Lösungen für eine effiziente Montage entlasten wir die Betriebe und wirken so auch dem Fachkräftemangel entgegen“, so Dr. T. Berger.

Einstieg in wichtige Zukunftsmärkte

Um vom Trend der Elektromobilität zu profitieren, präsentierte Weidmüller im Oktober erstmalig seine Lösungen im Bereich Ladeinfrastruktur. „Unserer Meinung nach ist jetzt der Zeitpunkt, an dem der Markt und die Gesellschaft bereit für eine neue Technologie sind und die Technik auch die Kundenanforderungen bedienen kann“, erklärte V. Bibelhausen. „Mit unserer AC-Wandladestation bieten wir eine Lösung an, die alle Faktoren der täglichen Nutzung berücksichtigt und bei der wir besonderen Wert auf einfache Montage, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Design gelegt haben.“ Viel positives Feedback habe das Unternehmen dafür auf der "eMove360" in München erhalten. Bei der Etablierung im Markt soll auch die im September verkündete Beteiligung an der Wallbe GmbH helfen. "Während Wallbe technologisch und vom Produktportfolio ein gut etabliertes Unternehmen im Markt für Elektromobilität ist, ist Weidmüller ein Experte für die Übertragung von Energie, Signalen und Daten – eine optimale Kombination", lautet die Begründung.

Investitionen in die Zukunft

Begleitet wird die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens durch Investitionen im mittleren zweistelligen Millionenbereich in neue Produkte, Infrastruktur und Technologien. „Hier haben wir das Volumen gegenüber den Vorjahren noch einmal erhöht und unsere Präsenz in wichtigen Wachstumsmärkten ausgebaut“, so Dr. T. Berger. In China eröffnete Weidmüller im Juni ein neues Produktionsgebäude mit insgesamt 14.000 m2 Nutzfläche. Auch in der wichtigen Region Südostasien wurde im November ein neues Gebäude mit 450 m2 Bürofläche und rund 4.000 m2 Produktions- und Lagerfläche eröffnet. „Asien ist unverändert eine der wichtigsten Wachstumsregionen für Weidmüller und mit knapp 4 % Anstieg im Jahr 2019 einer unserer Wachstumstreiber“, erklärte Dr. T. Berger.

Ausblick auf 2020

Für das Jahr 2020 ist der Vorstand der Weidmüller-Gruppe trotz zahlreicher Unsicherheitsfaktoren zuversichtlich, ein Wachstum im unteren einstelligen Bereich zu erzielen. "Der Branchenverband Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI) geht 2020 von einem Wachstum von 3 % aus, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) rechnet mit einem Produktionsrückgang von 4 % und einem Absatzrückgang von 2 %", stellt das Unternehmen in einer Pressemeldung heraus. „Erste Frühindikatoren deuten darauf hin, dass es Mitte des Jahres wieder aufwärts gehen kann“, zeigte sich J. Timmermann trotz der politischen Unsicherheiten, den globalen Handelskonflikten, dem bevorstehenden Brexit und der industriellen Umwälzung durch die Elektromobilität optimistisch. „Wir haben 2019 viel Kompetenz aufgebaut – wenn der Markt zurückkommt, sind wir bereit und wollen davon profitieren.“

Weidmüller (ih)

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