Aufruf zum Aufbruch 4.0
Auch bei Microsoft wird das Thema Partnerschaften seit Jahren groß geschrieben. Auf der digitalen Hannover Messe wurde gezeigt, wie Industrieunternehmen moderne Microsoft-Technologien für das IIoT, Edge Computing, Automatisierung und KI sowie Mixed Reality nutzen können. Dabei gaben mehr als 20 Kunden und Partner Einblicke in ihre Zusammenarbeit mit dem Softwarekonzern. Und CEO Marianne Janik erklärte: „Wir brauchen einen ‚Aufbruch 4.0‘ in Deutschland und Europa!” Weiter sagte sie: „Corona hat die Digitalisierung der Industrie um mindestens drei Jahre vorangebracht.“ Aus Microsoft-Sicht werden immer mehr Tätigkeiten virtualisiert und digitalisiert. Ein Beispiel: ZF baut die Digital Manufacturing Platform auf. Hintergrund ist, dass die digitale Transformation in der Produktion die nahtlose Integration von Informations- und Betriebstechnik erfordert. Um die komplexen technischen Informationen in wertvolle geschäftliche Erkenntnisse zu übersetzen, arbeitet ZF eng mit PwC Deutschland und Microsoft zusammen. Auf der Hannover Messe zeigte das Unternehmen, wie in einem Pilotprojekt neue digitale Lösungen im ZF-Werk Diepholz implementiert wurden, um Prozesse und Arbeitsabläufe flexibler und effizienter zu gestalten und die zukünftige Digital Manufacturing Platform (DMP) von ZF in der Cloud aufzubauen. So will ZF unabhängig von der lokalen Infrastruktur werden und KI-Dienste zum Beispiel in der Fertigung nutzen. Zudem sollen die Ergebnisse der Entwicklung in die Open Manufacturing Platform einfließen.
Player aus fernen Länder treten auf den Plan
Ebenfalls einen Weg über Partnerschaften geht Huawei. Der chinesische Infrastrukturanbieter präsentierte auf der Hannover Messe transformative Technologien für Fertigungsunternehmen. Dabei lag ein Fokus auf der Skalierung von Wireless-Lösungen, wie 5G, Wifi 6 und optischen Netzen. Welchen Kundennutzen Partnerschaften dabei bieten, wurde an Beispielen von Forcam und Trumpf demonstriert.
Durch die Partnerschaft mit Forcam wurde eine gemeinsame Lösung für die Datenerfassung und -analyse entwickelt, die auf drahtlos arbeitenden Edge-Computing-Lösungen basiert. „Wir wollen gemeinsam mit Huawei Vorteile in der Digitalisierung bieten“, nennt Franz Gruber, Founder & Chairman der Forcam GmbH, als Gründe für die Zusammenarbeit. Ziel der gemeinsamen Lösung ist es, beim Kunden Zeit- und Ressourcenverschwendung zu reduzieren. Dazu werden Daten zu Produktionsraten und zu möglichen Stillständen gesammelt und auf einem Dashboard verfügbar gemacht. Darüber ist dann ersichtlich, wann Produktionslinien in Betrieb und ausgelastet waren oder durch einen Engpass gestoppt wurden. Damit werden Entscheidungen in Echtzeit und Prozessanpassungen ermöglicht. „Dies fördert eine digitale Lean-Manufacturing-Kultur mit messbaren Vorteilen für die Kunden: eine geschätzte Reduzierung der Gesamtbetriebskosten um 20 % bei einer Steigerung der Gesamteffizienz der Anlagen um 20 %“, nennt F. Gruber Zahlenwerte.
Die Partnerschaft mit Trumpf zielt auf die Intralogistik ab und bezieht dabei den neuen Funkortungsstandard Omlox mit ein. Gemeinsames Ziel mit Huawei ist es, eine schnellere und genauere Ortung in Produktionsstandorten, welche mit Wifi 6 betrieben werden, zu ermöglichen. Unter Verwendung des Omlox-Standards hat Huawei deshalb sein Wifi 6 mit der Ultra-Breitband-Lösung (UWB) von Trumpf kombiniert, um Geräte bis auf 10 cm genau lokalisieren zu können. „Die Installation dieser Lösung in einem Betrieb reduziert den Verkabelungsaufwand, vereinfacht die Bedienung und Wartung und vermeidet Fehler. Die Lösung ist unkompliziert bereitzustellen und reduziert Netzwerkstörungen dank des UWB-Protokolls auf ein Minimum“, gibt Huawei an.
Fazit
Mit diesem sehr kleinen Ausschnitt aus einem mittlerweile sehr breiten Angebot rund um das Thema Industrie 4.0 soll gezeigt werden, wie sich Unternehmen neu aufgestellt und Innovationen für die Industrie 4.0 geschaffen haben. Neben den genannten Partnerschaften einzelner Unternehmen haben sich große Interessensgemeinschaften mit unterschiedlichen Schwerpunkten gebildet. Als Beispiel sei hier die Open Industry 4.0 Alliance genannt, die vor zwei Jahren an den Start gegangen ist und mittlerweile rund 80 Mitglieder hat. Seit April sind hier auch Microsoft und Siemens aktiv. Zudem hat die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell) eine neue Heimat gefunden und wird von der seit diesem Jahr aktiven Industrial Digital Twin Association (IDTA) weitergeführt und verbreitet. Und auch die Politik bemüht sich auf europäischer Ebene weiter: Mit Gaia-X soll ein europäischer, sicherer und vertrauenswürdiger Datenraum bzw. -infrastruktur geschaffen werden. Das Projekt wird von Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung aus Deutschland und Frankreich, gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern getragen.
„Mit dem Leitbild 2030 haben wir einen gemeinsamen Handlungsrahmen zur globalen Gestaltung von digitalen Ökosystemen geschaffen, mit den drei Hauptsträngen Souveränität, Interoperabilität und Nachhaltigkeit“, sagte Dr. Frank Melzer, Vorstand Product and Technology Management bei Festo und Vorsitzender des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0. „Gaia-X wird mit einer sicheren und vernetzten Dateninfrastruktur einen wichtigen Beitrag zur digitalen Souveränität in Europa schaffen. Die Nutzerorganisation IDTA wird dem Digitalen Zwilling für Industrie 4.0, also der in der Plattform konzipierten herstellerübergreifenden und interoperablen Verwaltungsschale, zum Durchbruch verhelfen. Im Zusammenspiel werden neue Geschäftsmodelle möglich, die auch einen wichtigen Beitrag zu einer krisenfesten und ökologisch nachhaltigen Wertschöpfung leisten“, sagte Dr. F. Melzer weiter. Auf der Hannover Messe übergab er seinen Vorsitz im Lenkungskreis, der turnusgemäß endete, an Dr. Frank Possel-Dölken, Chief Digital Officer und Mitglied der Geschäftsführung von Phoenix Contact.
www.bosch.com, www.weidmueller.de, www.pepperl-fuchs.de, www.ifm.com, www.turck.de
www.schaeffler.de, www.microsoft.com, www.huawei.com, www.forcam.de, www.trumpf.com

