ZVEI-Grafik zeigt Anzahl der offenen Stellen in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie seit 2015

ZVEI sieht Anzeichen für Stabilisierung der Beschäftigung in der Elektro- und Digitalindustrie. (Quelle: ZVEI)

Wie der ZVEI berichtet, ist die Zahl der offen ausgeschriebenen Stellen in der Elektro- und Digitalindustrie seit Jahresbeginn 2026 um ein Viertel auf zuletzt knapp 10.000 Stellen gestiegen. Damit lag sie rund 8 % über dem Vorjahresniveau. "Somit entfällt rund jede siebte offene Stelle im Verarbeitenden Gewerbe derzeit auf die Elektro- und Digitalindustrie", so die ZVEI-Experten. Auch die Kurzarbeit ist nach Verbandsangaben branchenweit deutlich zurückgegangen und lag im April 2026 bei unter 12.000 Personen. Gut ein Jahr zuvor war dieser Wert noch dreimal so hoch, so der ZVEI.

„Die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie fragen seit Beginn des Jahres durchschnittlich wieder mehr Arbeitskräfte nach. Dadurch haben sich die Chancen auf eine Stabilisierung der Beschäftigung in der zweiten Jahreshälfte 2026 verbessert“, sagt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Erstmals seit drei Jahren drehte der Saldo aus neu gemeldeten und abgegangenen offenen Stellen Ende des ersten Halbjahrs 2026 wieder ins Positive, geben die Experten weiter an und darüber Hinaus: "Gleiches gilt für den Saldo aus Unternehmen, die in den kommenden drei Monaten einen Personalauf- bzw. abbau planen. Er stieg im August 2026 auf plus fünf Prozentpunkte. Damit wollen erstmals seit Juni 2023 wieder mehr Unternehmen der Branche ihre Beschäftigung ausweiten als abbauen."

Die Elektro- und Digitalindustrie ist nach Köpfen die zweitgrößte Industriebranche Deutschlands. Dennoch blieb die Beschäftigung auch in der Elektro- und Digitalindustrie in den vergangenen Jahren insgesamt bis zuletzt weiter rückläufig. Ende des ersten Halbjahrs beschäftigte die Branche 865.000 Menschen. Das sind 1,5 % weniger als vor einem Jahr und 4,5 % weniger als im Jahr 2023, in dem ein zwischenzeitlicher Höchststand von über 910.000 erreicht wurde.

Flexiblerer Rahmen gefordert

"Die Elektro- und Digitalindustrie vereint die Zukunftsmärkte mit dem höchsten Wachstumspotenzial. Um es voll ausschöpfen zu können, braucht unsere Branche aber einen Arbeitsmarkt, der mit dem Tempo der Transformation und den Potenzialen der Tech-Branche Schritt halten kann. Das heißt im Klartext: Wir benötigen hier mehr Flexibilität“, fordert W. Weber. Die angekündigten Reformen der Bundesregierung auf dem Arbeitsmarkt seien dafür ein wichtiger, längst überfälliger Schritt, müssten aber noch ambitionierter ausfallen. Die geplante Möglichkeit etwa, Arbeitsverhältnisse von Spitzenverdienerinnen und Spitzenverdienern gegen eine Abfindung aufzulösen, weist aus Sicht des ZVEI in die richtige Richtung. Um eine relevante Flexibilisierung am Arbeitsmarkt zu erreichen, sei die vorgesehene Einkommensgrenze von gut 177.000 Euro im Jahr jedoch zu hoch angesetzt – sie erfasse laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nicht einmal drei von 1.000 Personen. „Damit das Instrument eine Wirkung entfaltet, muss es für einen größeren Beschäftigtenkreis gelten“, so W. Weber.

Mehr Flexibilität bedeutet dabei aus ZVEI-Sicht nicht weniger soziale Sicherheit. Der ZVEI spricht sich für die Einführung des Flexicurity-Modells nach dänischem Vorbild aus. Es verbindet mehr Flexibilität beim Kündigungsschutz mit einer starken sozialen Absicherung sowie mit individuellen Weiterbildungs- und Vermittlungsangeboten. „Nur so kann der Strukturwandel erfolgreich gelingen. Der Blick nach Dänemark zeigt, dass dieses Konzept funktioniert. Wenn wir bei der Rente von den Schweden lernen, warum nicht beim Arbeitsmarkt von den Dänen", so W. Weber.

ZVEI (ih)

Ähnliche Beiträge