Offene Automatisierung, Vernetzung und Security

„Für die industrielle Kommunikation wird die Cybersecurity eine immer wichtigere Rolle spielen. Und die ist für die OT eine andere als für die IT.“ (Quelle: Phoenix Contact)
Für die Automatisierung der All Electric Society werden offene Plattformen benötigt. Die erforderliche Vernetzung wird sich vervielfachen. „Das ist mit proprietären Systemen nicht zu erreichen“, betont der CEO. „Wir bauen rund um PLCnext Technology dazu eine leistungsfähige Community auf und forcieren dieses Thema weiter.“ Er setzt fort: „Über den PLCnext Store stellen wir zum Beispiel die Software eines anderen Anbieters über unsere Infrastruktur zur Verfügung, mit der PV-Feldinstallationen ermöglicht werden. Das nennen wir Empowering!“
Die Vernetzung nimmt stark zu. „Wir haben dafür die richtigen Angebote und unterstützen jede technologische Entwicklung der Vernetzung“, meint F. Stührenberg. „Für die industrielle Kommunikation wird die Cybersecurity eine immer wichtigere Rolle spielen. Und die ist für die OT eine andere als für die IT.“ Im OT-Bereich gibt es laut dem Geschäftsführer nicht nur eine Handvoll Betriebssysteme, sondern allein in einer Maschine kann deren Anzahl mehr als zehn betragen, in unterschiedlichen Komponenten, wie Sensoren oder Visualisierungssystemen. „Seit unserer Übernahme von Innominate bauen wir unser Cybersecurity-Angebot stetig weiter aus.“
Neue Anforderungen sind mit dem EU Cyber Resilience Act zu erfüllen. F. Stührenberg weist darauf hin, dass die Verantwortung für die Security der Maschine jetzt klarer geregelt wird. Der Hersteller muss die Security in seinem Angebot berücksichtigen und unterstützen, der Betreiber die Maschine sicher einrichten und betreiben. „Da muss gehandelt werden in Deutschland und überall auf der Welt.“
Cyberattacken können negative Auswirkungen auf die Functional Safety, also die Sicherheit von Mensch und Maschine haben. Folglich hat die Verknüpfung von Security und Safety inzwischen sogar in der neuen Maschinenverordnung Eingang gefunden. „Wir beherrschen beide Technologien und können dies im Paket denken“, versichert der CEO.
Ein Thema betrifft die Dokumentation des CO2-Foot Prints für Maschinen. „Dazu werden Maschinen eine Vielzahl von Schnittstellen zu den verschiedenen Systemwelten benötigen“, erklärt F. Stührenberg. Dafür wird Phoenix Contact Lösungen anbieten. „Wir investieren nicht nur in Hard und Software, sondern ebenso in Prozesse“, betont er. „Denn wir haben die Ambition für das Empowering.“
Neue Geschäftsmodelle
Die individuelle Elektromobilität wird laut dem CEO zu einem Treiber der Sektorenkopplung. Vernetzte Fahrzeuge können die Verbindung zwischen Auto, Energie und Abrechnungssystemen werden. „Autonome Autos erfordern Kommunikationssysteme wie 6G oder sogar 7G“, blickt er in die Zukunft. „In China wird dieses Thema stark vorangetrieben und wir bauen dort gerade ein Entwicklungszentrum für E-Mobility auf.“
Neue Geschäftsmodelle werden bei den Blombergern nicht selten über eigene Organisationseinheiten unter dem Dach New Business Fields entwickelt. Im Kerngeschäft gibt es laut dem CEO eine so hohe Auslastung, dass oft nicht genügend Entwicklungsressourcen für komplett andere Ideen bereitstehen.
„Phoenix Contact E-Mobility hat so angefangen und mittlerweile eine Größenordnung von über 200 Mio. € Umsatz erreicht“, ergänzt er. „Mit unserer Organisationseinheit New Business Fields werden neue Ideen verfolgt, die nicht Teil der organischen Roadmap sind und nicht organisch entstehen.“ Als Tier1-Zulieferer für die Automobilhersteller werden wichtige Erfahrungen gesammelt, auch unter der Risikobetrachtung.
„Solche Erfahrungen sind ein wesentliches Asset, da geht es nicht immer nur um die kommerzielle Größe“, erklärt er. „Mit dem 3D-Druckanbieter Protiq haben wir uns mit der Marktplatzthematik beschäftigt“, nennt F. Stührenberg ein weiteres Beispiel. Viel wurde hier über Abrechnungsmethoden gelernt. Von diesen Erfahrungen kann beispielsweise das neue Thema Software as a Service profitieren. „Noch spielen solche Abomodelle kaum eine Rolle, die Fähigkeit wird aber bedeutsam werden“, ist F. Stührenberg überzeugt. An dieser Stellte wartet er mit einem konkreten Beispiel auf: Phoenix Contact hat einen Self-Storage-Anbieter dabei unterstützt, die Lagerräume nach energetischem Footprint abzurechnen. Und die dafür notwendigen Energiezähler EMpro wurden nicht gekauft, sondern lediglich abonniert. „Ein solches Geschäft muss man erstmal können“, gibt er zu bedenken. Mit seinen Produkten und Lösungen ist Phoenix Contact zur richtigen Zeit am richtigen Platz.
F. Stührenberg ist überzeugt, dass dies auch in weiterer Zukunft so bleibt: Er sieht den Agrarsektor als ein weiteres großes Thema. „Mit der Übernahme von Pulsotronic, einem weltweit tätigen Anbieter kundenspezifischer sensorischer Lösungen für mobile Maschinen, sind wir in der Agrarautomatisierung bereits vertreten“, fügt er an. Dabei handelt es sich unter anderem um Lösungen, durch das Messen von Umgebungsdaten Ausstreuwinkel und menge von Saatgut und Düngemittel zu optimieren ein weiteres Thema mit Zukunft.