Herangehensweise ändern

Bild zeigt Demonstrator zur automatisierten Herstellung von Mini-Organen

Gemeinsam mit Experten der TU Darmstadt hat Festo ein Exponat ­entwickelt, das die automatisierte Herstellung von Mini-Organen ­demonstriert: Ein Bioprinter trägt menschliches Zellmaterial auf einen Mikrofluidik-Chip auf, auf dem daraus anschließend organähnliches Gewebe heranwächst. Erstmals kombiniert Festo hierbei zwei ­Zukunftstechnologien: SupraMotion und Diffusion Bonded Manifolds. (Quelle: Festo)

Und dann kommen wir auf die Innova­tionsfähigkeit Europas zu sprechen. Dass Deutschland zu wenig innovative Ideen habe, lässt er nicht gelten. „Deutschland war immer ein Land der Erfinder – und das ist es auch heute noch“, lautet die Überzeugung von Prof. T. Smetana. In Gesprächen mit Start-ups habe er hochinnovative Ansätze erlebt: von neuen Chip-Architekturen bis hin zu energieeffizienteren KI-Rechenmodellen.

 „Uns fehlt es nicht an Erfindergeist und auch nicht an Innovationen. Das Problem ist die Skalierbarkeit“, sagt er. Hinzu komme Geschwindigkeit. Und hier sieht Prof. T. Smetana, der lange Jahre in Asien gelebt hat, durchaus einen hemmenden kulturellen Faktor: den europäischen Perfektionismus. „In anderen ­Ländern werden Lösungen früh in den Markt gebracht und anschließend weiterentwickelt. In Europa erarbeiten wir häufig erst das vollständige Problemverständnis und anschließend die ­perfekte Lösung.“ Seine Botschaft lautet deshalb: „Manchmal ist es besser, 80 % schnell umzusetzen als 100 % nie.“

Improvisieren, fokussieren, Geschwindigkeit aufnehmen

Geboren in Tschechien, seit rund drei Jahrzehnten in Deutschland und mehrere Jahre beruflich in Japan und China tätig, nimmt Prof. T. Smetana aus jeder dieser Kulturen etwas mit. 

Aus Tschechien die Improvisation: „Man hatte früher wenige Mittel. Also musste man mit dem, was zur Verfügung stand, das Beste erreichen.“ Dieses Denken begleite ihn noch heute. „Ich beschwere mich nicht über Budgets. Ich schaue, was wir haben, und daraus versuchen wir das Beste zu machen.“

Aus Japan kommt für ihn etwas anderes: Fokus und Ausdauer. „Fokus, Priorisierung und Konzentration und über längere Zeiträume durchhalten.“ Mit Blick auf Festo erklärt er: „Wir versuchen teilweise, zu viel gleichzeitig umzusetzen. Lieber wenige Dinge fokussieren, diese aber schnell umsetzen. Das möchte ich bei uns ändern.“

Und China? Dort beeindruckt ihn vor allem der Pragmatismus. „Wenn das Problem zu 60 % verstanden ist, beginnt man mit der Entwicklung. Wenn die Entwicklung zu 80 % steht, beginnt man mit der Produktion.“ Das sei für europäische Maßstäbe mitunter schwer vorstellbar, erklärt für ihn aber einen Teil der häufig 
zitierten „Chinese Speed“.

Gleichzeitig warnt Prof. T. Smetana davor, daraus die falschen Schlüsse abzuleiten. Deutschland habe eine andere Stärke: hoch kreative, teilweise disruptive technologische Ansätze. „Wir sollten nicht versuchen, mit höherer Geschwindigkeit anderen hinterherzulaufen. Wir sollten unseren eigenen Weg gehen.“ Partnerschaften und offene Technologien werden für ihn dabei immer wichtiger, gerade mit Blick auf KI. Geschlossene Ökosysteme betrachtet er zunehmend als Hemmschuh. „Wenn Anbieter ihre Lösungen für mehrere proprietäre Plattformen parallel entwickeln müssen, fließen Entwicklungsressourcen in Anpassungsarbeit statt in ­Innovation.“ Für den breiten KI-Roll-out sieht Prof. T. Smetana deshalb Open Source als wesentliche Voraussetzung.

Auch im industriellen KI-Wettbewerb räumt er Europa gute Chancen ein. Für die Industrie braucht es nicht zwangsläufig immer die größten universellen Sprachmodelle. Entscheidend seien robuste, nachvollziehbare und für industrielle Aufgaben geeignete Modelle. Hinzu kommen Datenräume, Recheninfrastruktur und Ökosysteme, die große Technologieunternehmen, industrielle Mittelständler und Start-ups miteinander verbinden.

„Wir haben jahrelange Produktionserfahrung. Wir sind stark in der Automatisierungstechnik. Und wir haben hervorragend ausgebildete KI-Experten. Ich bin zuversichtlich, dass wir das können.“

Partnerschaften lebt das Unternehmen selbst, beispielsweise mit Phoenix Contact, Siemens und PTC. Von Phoenix Contact wird die PLCnext Technology genutzt. Außerdem ist Festo Partner des Industrial-Edge-Ökosystems von Siemens und bietet dort unter anderem die App „Festo AX Data Access“ an. Und mit PTC besteht eine enge Technologie- und Innovationskoopera­tion, die vor allem auf die digitale Transformation des Maschinen- und Anlagenbaus sowie die Verzahnung von Hardware- und Softwareentwicklung abzielt.

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