Ganz typisch für Anwendungen in mittelständischen Unternehmen: ein heterogenes Umfeld mit verschiedenen Maschinen und Anlagen, wie hier bei der Vetter Industrie GmbH

Ganz typisch für Anwendungen in mittelständischen Unternehmen: ein heterogenes Umfeld mit verschiedenen Maschinen und Anlagen, wie hier bei der Vetter Industrie GmbH (Quelle: Vetter Industrie)

Die Welt der industriellen Produktion verändert sich: Modularität und Intelligenz prägen zunehmend die Entwicklung von Investitionsgütern. Neue Technologien erweitern dabei nicht nur die Fähigkeiten der Produkte, sie verändern auch die Möglichkeiten der Produktion. Mit Mechanismen und Lösungen aus der IT können produzierende Unternehmen ihre Prozesse intelligenter und flexibler gestalten – vorausgesetzt, es gelingt ihnen, die Lösungen entsprechend produktiv in ihren Anlagen umzusetzen. Genau hier treffen viele Unternehmen aber auf eine weitere Herausforderung: Der „Skills Gap“, die Lücke zwischen einem begrenzten Angebot an qualifizierten (Nachwuchs-)Kräften und dem wachsenden Bedarf an IT-Know-how, erschwert gerade kleineren und mittelständischen Unternehmen den Einstieg in die Digitalisierung.

So gelingt der Einstieg ins Industrial Edge Computing

Hier bietet Siemens mit dem Programm „Kicks for Edge“ einen einfachen und kostengünstigen Einstieg. Das Programm wird im Rahmen der Initiative „Nächste Generation Cloud Infrastrukturen und Services“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie der Europäischen Union gefördert. „Kicks for Edge“ ermöglicht es kleinen und mittelständischen Unternehmen, kostenfrei in das Thema „Industrielles Edge Computing“ einzusteigen. Die Teilnehmer erhalten ein Komplettpaket aus Edge-Computing-Schulungen, Hard- und Software, um damit ein konkretes Thema in ihrer Fertigung schnell und effizient anzugehen. Diesen Weg hat auch die Vetter Industrie GmbH gewählt: Das Unternehmen aus Burbach in Nordrhein-Westfalen produziert mit 550 Mitarbeitern weltweit Staplerzinken in jeglicher Größe und Form. Integrierte Kamera-, Laser- und Sensortechnik in den Gabelzinken sorgen für mehr Sicherheit und Effizienz im Staplerbetrieb. Dazu kommen noch zahlreiche Nachrüstlösungen für Gabelstapler und Hochhubwagen, die „Clever Helpers“, wie Nico Schönauer sie nennt. Er ist bei Vetter Industrie für den Bereich industrielle Digitalisierung zuständig und damit auch für ein ganz besonderes Projekt: die komplexen und vielfältigen Prozesse bei der Fertigung der intelligenten Produkte einfach zu visualisieren.

Von der digitalen Signalampel für den Produktionsstatus …

Die Idee war zunächst, die Werksleitung mit einer ganz einfachen, übersichtlichen digitalen Signalampel für den Produktionsstatus bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen: ‚grün‘: alles läuft, ‚gelb‘: es gibt kleinere Engpässe, ‚rot‘: es stimmt etwas nicht“, erinnert sich N. Schönauer. Diese Informationen sollten aus aktuellen Daten aus der Produktion aggregiert werden. Mit dieser nur wenig aussagekräftigen Signalampel wollte er sich allerdings nicht zufriedengeben: „Unsere Produktion ist – ganz typisch für den deutschen Mittelstand – sehr heterogen. Wir haben Maschinen, die seit vielen Jahren praktisch unverändert im Einsatz sind, Maschinen, die schon ein Retrofit haben, und neue Maschinen. Das heißt: viele unterschiedliche Generationen bei der Steuerungstechnik, unterschiedliche Protokolle, unterschiedliche Schnittstellen“, so N. Schönauer. Und noch ein Aspekt kam hinzu: „Natürlich ist es schon ein guter Ansatz, wenn man weiß: Da steht eine Anlage still. Aber die Frage ist doch, warum steht diese Anlage still? Was müssen wir tun, damit sie nicht mehr stillsteht? Das ist doch das, was wir wirklich wissen möchten.“

… zum Deep Dive für Produktion und Instandhaltung

Für N. Schönauer war in diesem Moment klar: „Wenn wir schon die Daten zum Status der Maschine aus der Anlage ziehen, dann können wir doch gleich mehr Daten auslesen: Fehlermeldungen, Schrittzeiten, Temperaturen, Energieverbrauch – alles Informationen, die wir für ganz wichtige Themen, wie Qualität und Energieeffizienz, aber auch für die Instandhaltung und die Netzwerkanalyse nutzen können.“ Am Ende stand eine weitreichendere Aufgabenstellung, mit der sich das Projektteam bei Vetter unter anderem an Siemens wandte. Dort schlug man eine Lösung mit dem Industrial-Edge-Ökosystem und das Programm „Kicks for Edge“ vor. „Wir haben schnell gesehen, dass wir so unsere Vorstellungen umsetzen können – und das haben wir dann Schritt für Schritt gemacht“, sagt N. Schönauer.

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