Digitalisierung kein Selbstzweck

Norman Südekum ist Vice President International Key Account Management Industries & Infrastructure

Norman Südekum ist Vice President International Key Account Management Industries & Infrastructure (Quelle: Initiative Schaltschrankgestalter)

Harald Mauch ist Leiter Electric Products bei Siemens Smart Infrastructure

Harald Mauch ist Leiter Electric Products bei Siemens Smart Infrastructure (Quelle: Initiative Schaltschrankgestalter)

Thomas Brenner ist verantwortlich für Electrical Products bei Siemens Smart Infrastructure

Thomas Brenner ist verantwortlich für Electrical Products bei Siemens Smart Infrastructure (Quelle: Initiative Schaltschrankgestalter)

Andreas Matthe ist CEO der Business Uni Electrical Products bei Siemens Smart Infrastructure

Andreas Matthe ist CEO der Business Uni Electrical Products bei Siemens Smart Infrastructure (Quelle: Initiative Schaltschrankgestalter)

„Digitalisierung ist kein Selbstzweck“, weiß Jan Fleming, Vice President Customer Journey bei Eplan. „Vielmehr kann die digitale Transformation die Herausforderungen unserer Kunden bewältigen.“ Als Beispiel führt er den Fachkräftemangel an: „Die Fertigung muss so einfach sein, dass auch ungeschulte Arbeitskräfte sie übernehmen können, während qualifizierte Mitarbeiter für das Engineering benötigt werden.“ Darüber hinaus trägt die Digitalisierung laut ihm dazu bei, Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen. Themen wie CO2-Fußabdruck und Energieverbrauch müssen im Schaltschrankbau berücksichtigt werden, und die Digitalisierung bietet Lösungen für Berechnungen und Datenbereitstellung.

J. Fleming nennt auch den Kostendruck als einen wichtigen Punkt. Im handwerklichen Schaltschrankbau hieß es bisher oft: „Ein Mann, ein Schrank, eine Woche.“ Durch die Digitalisierung werden diese Zeiten und somit auch die Kosten minimiert. Eplan bietet skalierbare Lösungen an, die abhängig von der Unternehmensgröße eingesetzt werden können, um schrittweise Weiterentwicklung zu ermöglichen. Eine Herausforderung besteht jedoch darin, den richtigen Zeitpunkt für die Digitalisierung zu finden. „Wenn die Auftragsbücher voll sind, ist es oft schwer, ein Transformationsprojekt zu starten. Und wenn die Auftragsbücher leer sind, müssen Investitionen wohl überlegt sein. Das ist die Herausforderung, der sich viele unserer Kunden gegenübersehen“, sagt J. Fleming. Aus seiner Erfahrung während der Krise im Jahr 2009 weiß er, dass Schaltschrankbauer, die damals Transformationsprojekte durchgeführt haben, heute über echte Wettbewerbsvorteile verfügen.

„Es ist heute nicht mehr die Frage, ob Digitalisierung oder nicht, sondern wie viel und wo zum richtigen Zeitpunkt“, bestätigt Uwe Scharf, Geschäftsführer bei Rittal für den Vertrieb Deutschland. Er betont, dass die Digitalisierung heute unerlässlich ist, um die Prozesse in der Wertschöpfungskette zu unterstützen: „Rittal und Eplan sind seit vielen Jahren gemeinsam unterwegs und unterstützen die Kunden genau in diesem Prozess.“ Er schließt an: „Wir nehmen unsere Kunden mit in die Welt des digitalen Zwillings und ziehen Nutzen für sie heraus – in ihren eigenen Prozessen, in der Übergabe mit ihren Lieferanten, mit ihren Endkunden, und ganz praktisch im Schaltschrankbau, ob das in der Verdrahtung ist, in der mechanischen Bearbeitung des Schaltschranks, ob das 3D-Modelle sind oder ob es das Kabelrouting ist. All diese Funktionen entfalten ihre volle Wirkung nur, wenn der Schaltschrank auch als digitales Abbild vorliegt.“ Mit Augenzwinkern fügt er an: „Wir liefern auch noch Hardware, aber der digitale Schaltschrank ist sogar schon vorher da.“

J. Fleming konkretisiert: „Der digitale Zwilling stellt die erforderliche Transparenz zur Verfügung: Welche Bauteile sind verbaut? Wie ist der Energieverbrauch? Welche Wärmeabgaben haben die Bauteile?“

U. Scharf betont auch die Notwendigkeit der Digitalisierung von Dokumentationen. Bisher gab es oft Schaltschranktaschen voller Papier und umfangreiche Ordner, die für jedes Projekt übergeben werden mussten. Die Digitalisierung, wie zum Beispiel die digitale Schaltplantasche Rittal ePocket, ermöglicht es, alles in aktueller Form digital zu übergeben, sei es von einem Kunden zum nächsten oder bis hin zum Endkunden, der mit den Daten im Betrieb weiterarbeitet. Dies trägt zur Effizienz und Nachhaltigkeit bei.

Zusätzlich spielt Standardisierung eine wichtige Rolle im Schaltschrankbau. Siemens-CEO A. Matthe bestätigt, dass Standardisierung hilft, Qualität zu gewährleisten, Prozesse zu stabilisieren, zu vereinfachen und zur Nachhaltigkeit beizutragen, indem beispielsweise die Ersatzteilhaltung standardisiert wird.

Nachhaltigkeit und Schaltschrankbau untrennbar verbunden

„Nachhaltigkeit ist ein zentrales Anliegen, das eng mit dem Schaltschrankbau verknüpft ist”, betont A. Matthe. „Nachhaltigkeit sollte eine ganzheitliche Betrachtung erfahren, die bei der Entwicklung von Produkten beginnt.“ Fragen nach den verwendeten Materialien, Lieferanten, Herstellungsmethoden und Logistikprozessen sind laut dem Siemens-Manager entscheidend: „Zur Förderung der Energieeffizienz werden optimale Geräte eingesetzt, um zum Beispiel Energieverluste in der gesamten Schaltanlage so minimal wie möglich zu halten. Die Planungstools sind darauf ausgerichtet, Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen.“

S. Volgmann, Geschäftsführer der Phoenix Contact Deutschland GmbH, hebt hervor, dass der deutsche Schaltschrankbau eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der All Electric Society spielt. Die Kompetenzen und Technologien des Schaltschrankbaus sind für die Realisierung dieses Konzepts unverzichtbar. Er ist überzeugt, dass Schaltschrankbauer erhebliche Potenziale und Chancen bieten.

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