Ende-zu-Ende-Prozesse statt manueller Schnittstellen

Datendurchgängigkeit am Beispiel der Schnittstelle von der ECAD­Software Eplan Electric P8 zur Engineering­Software Clipx Engineer von Phoenix Contact

Bild 02: Datendurchgängigkeit am Beispiel der Schnittstelle von der ECAD-­Software Eplan Electric P8 zur Engineering-­Software Clipx Engineer von Phoenix Contact (Quelle: Phoenix Contact)

Bestellbare Lösung unter einer Artikelnummer: Nahtlose Übertragung des Projekts zur Bestellung an den PhoenixContact­Online­Shop

Bild 03: Bestellbare Lösung unter einer Artikelnummer: Nahtlose Übertragung des Projekts zur Bestellung an den Phoenix-Contact­-Online­-Shop (Quelle: Phoenix Contact)

 Erhalt eines direkten Angebots mit Echtzeitinformationen zu Preis und voraussichtlichem Liefertermin

Bild 04: Erhalt eines direkten Angebots mit Echtzeitinformationen zu Preis und voraussichtlichem Liefertermin (Quelle: Phoenix Contact)

Die beschriebenen Defizite machen deutlich, dass es einer Lösung bedarf, die Flexibilität, Transparenz und Effizienz vereint und projektbegleitende Änderungen ohne zusätzlichen Abstimmungsaufwand ermöglicht. Der zentrale Hebel hierfür ist ein durchgängiger Ende-­zu-­Ende­-Prozess, der nicht erst bei der Bestellung beginnt, sondern bereits im Engineering ansetzt. Die im Projekt ohnehin vorhandenen Planungsdaten werden konsequent genutzt, um eine konfigurierte Klemmenleiste medienbruchfrei in eine bestellfähige Prozesskette zu überführen. Genau dieser durchgängige Ansatz fehlte bislang.

Der digitale Bestellprozess setzt deshalb auf die konsequente Verwendung einheitlicher, digitaler Daten vom ECAD-­Engineering bis zur Bestellung ab Losgröße 1. Anwender projektieren ihre Lösung wie gewohnt im ECAD-System und übertragen die Planungsdaten über eine bidirektionale Schnittstelle. Damit ist ein installierbares Web­-Add-­on gemeint, welches manuell im Web-­Interface der ECAD-Anwendung ein Bedienelement beschreibt, zum Beispiel als Icon oder Schaltfläche. Über dieses lassen sich projekt-­ oder konfigurationsbezogene Daten per Mausklick an eine nachgelagerte Softwarelösung übertragen (Bild 2).

So entsteht ein Bestellablauf, der sich am Bedienkonzept moderner E­-Commerce-­Prozesse orientiert: Nach der Übernahme des Projekts in die Engineering-­Software Clipx Engineer wird die konfigurierte Klemmenleiste in Echtzeit bestellbar, ohne erneute manuelle Datenerfassung und zeitintensive Rückfragen.

Eine hinterlegte Logik ermittelt nach dem Hinzufügen zum Warenkorb automatisch Preis und Liefertermin, sodass Anwender ihre Projekte verlässlich planen können. Zusätzlich steht ein dauerhaft vorrätiges Produktspektrum zur Verfügung, das die Lieferzeit weiter verkürzt. Diese Informationen werden über Icons in Form von „Fastlane 2“ (Produktion innerhalb von zwei Tagen), „Fastlane 4“ (Produktion innerhalb von vier Tagen) und einer Standardbestellung (Produktion innerhalb von acht Tagen) dargestellt (Bild 3). Anschließend fasst das System die wesentlichen Informationen der Bestellung zusammen und visualisiert Preis sowie Liefertermin (Bild 4).

Ein Praxisbeispiel verdeutlicht den Ansatz: Ein Maschinenbauer passt während der Projektlaufzeit die Auslegung einer Klemmenleiste an geänderte Kundenanforderungen an. Statt mehrere Ansprechpartner einzubinden und ein neues Angebot abzuwarten, wird die Änderung direkt im Engineering vorgenommen und zum Clipx Engineer übertragen. Preis und Liefertermin aktualisieren sich automatisch und die Klemmenleiste wird anschließend einbaufertig geliefert. Dies entlastet gezielt qualifiziertes Fachpersonal auf Kunden­ und Lieferantenseite, während sich Lagerbestände und ­kosten reduzieren. Statt manueller Abstimmungen und wiederkehrender Routinetätigkeiten übernimmt die Software automatisiert wesentliche Prozessschritte und sorgt damit für höhere Transparenz, Prozesssicherheit, schnellere Durchlaufzeiten und geringere Fehleranfälligkeit.

Durchgängige Digitalisierung als Schlüssel für nachhaltige Effizienz

Effizienzpotenziale im Schaltschrankbau liegen heute weniger in der weiteren Optimierung einzelner Arbeitsschritte, sondern in der konsequenten Durchgängigkeit digitaler Prozesse und Daten.

Über den konkreten Anwendungsfall hinaus verdeutlicht der Ansatz eine grundsätzliche Entwicklung im Schaltschrankbau: Digitale Services werden zunehmend zum integralen Bestandteil der Wertschöpfung. Sie ermöglichen es, Komplexität zu beherrschen, Fachkräftemangel abzufedern und auch ab Losgröße 1 wirtschaftlich zu arbeiten. Der digitale Klemmenleistenservice ist damit mehr als eine Einzellösung. Er steht exemplarisch für einen Wandel hin zu vernetzten, datengetriebenen, digitalen Prozessen und bildet ein weiteres wichtiges Puzzleteil auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen, effizienten Schaltschrankbau.

Digitaler Bestellprozess für Klemmenleisten

Der digitale Klemmenleistenservice zeigt exemplarisch, wie sich Effizienzpotenziale im Schaltschrankbau mit durchgängiger Digitalisierung heben lassen. Statt manueller Abstimmungen und fragmentierter Prozesse entsteht eine medienbruchfreie Prozesskette – vom Engineering bis zur Lieferung der einbaufertigen Klemmenleiste:

  • durchgängiger Ende­-zu­-Ende-­Prozess vom ECAD­-Engineering bis zur Bestellung,
  • Transparenz in frühen Projektphasen durch Echtzeit-­Informationen zu Preis und Liefertermin,
  • hohe Änderungsflexibilität ohne erneute Abstimmungs­- oder Angebotsrunden,
  • Entlastung von Fachpersonal durch Wegfall manueller Konfigurations-­, Kalkulations-­ und Koordinationsschritte,
  • reduzierte Durchlaufzeiten und bessere Planbarkeit bei Losgröße 1 sowie
  • weniger Lagerbestände und Restmaterial durch projektbezogene Just-­in-­time-­Bereitstellung.

Der digitale Klemmenleistenservice verdeutlicht, dass Effizienz im Schaltschrankbau nicht durch isolierte Optimierungen entsteht, sondern durch vernetzte, digitale und datengetriebene Prozesse, die Transparenz, Flexibilität und Produktivität miteinander verbinden.

Literatur

  1. Phoenix Contact Deutschland GmbH, Blomberg: www.phoenixcontact.com/terminalstripservice
Marcus Böckler ist im Bereich Product Marketing Systems & Customer Services – Business Unit ICS für die Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg tätig.
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