Hans Beckhoff (r.) kann sich mit seinen Kindern Frederike (Mitte) und Johannes Beckhoff (l.) auf eine erfolgreiche Weiterführung von Beckhoff Automation als familiengeführtes Unternehmen freuen.

Hans Beckhoff (r.) kann sich mit seinen Kindern Frederike (Mitte) und Johannes Beckhoff (l.) auf eine erfolgreiche Weiterführung von Beckhoff Automation als familiengeführtes Unternehmen freuen. (Quelle: Beckhoff Automation)

Die Konjunktur 2025 ist für viele Unternehmen ein Wechselbad. Beckhoff Automation kann von positiven Zahlen berichten. „Unser Umsatz liegt im Vergleich zum sehr schwachen Vorjahr im Plus“, freut sich Frederike Beckhoff. „Wir erwarten am Jahresende ein Wachstum zwischen 7 % und 10 %.“ Sie fährt fort: „Die Lagerthematik ist weitgehend ausgeräumt; es bleibt aber die konjunkturelle Krise.“

Zur Erinnerung: 2023 war ein Ausnahmejahr, getrieben von Sondereffekten wie massiven Lageraufbauten in der Industrie. „Das spiegelte nicht die reale Marktkapazität wider“, betont Frederike Beckhoff. „Die Kunden haben gehortet, weil Teile knapp waren. 2024 mussten wir dann −33 % Rückgang im Vergleich zu 2023 vermelden. 2025 ist wieder gesünder,  auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, ergänzt Hans Beckhoff. Er weist darauf hin, dass auch das bisherige Jahr 2025 schwankend war. Nach einem akzeptablen Jahresanfang folgte ein gutes zweites und ein nicht so erfreuliches drittes Quartal. Eine Prognose für 2026 fällt schwer. Hans Beckhoff ist optimistisch und hofft auf eine ähnliche Entwicklung wie in diesem Jahr.

Preisstabilität als Prinzip

In Zeiten, in denen Inflationsmeldungen Schlagzeilen machen, wirkt Hans Beckhoffs Haltung fast trotzig. „Seit Gründung des Unternehmens haben wir nur wenige Male die Preise erhöht“, sagt der Firmenchef. „Wir stehen für Preisstabilität. Unser Prinzip lautet: Wir wachsen über Produktivität und Skaleneffekte – nicht über den Preis.“ Auch 2025 bleibt es dabei: Keine Preiserhöhung in den europäischen Kernmärkten für die Kunden des Unternehmens. Nur in wenigen Exportmärkten, etwa den USA, spielen Zollaufschläge hinein.

Doch woher kommt der nächste Wachstumsschub? „Wir verzeichnen eine erstaunlich gleichmäßig verlaufende wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Welt“, berichtet Frederike Beckhoff. „Es gibt keine boomende Region. Oder Länder mit einem besonderen Schub.“ Eine Ausnahme bilden kleinere Länder. „Und Italien hat sich gut entwickelt“, ergänzt Hans Beckhoff. „Der italienische Maschinenbau ist 2025 auffallend stark. Das hat uns positiv überrascht.“

Das Erfolgsmodell von Beckhoff bleibt aber die Breite: „Wir gewinnen neue Kunden mit spannenden Projekten“ so Frederike Beckhoff. „Außerdem bestellen unsere Stammkunden nach der Lagerbereinigung wieder.“ Hans Beckhoff formuliert es so: „Lieber solide in vielen Märkten als einseitig abhängig.“

Auch über das Produktportfolio hinweg ist die Umsatzentwicklung gleichmäßig verteilt. „Das ist darin begründet, dass etwa 70 % unserer Kunden auf komplette Systeme von uns setzen“, so Hans Beckhoff. Zusätzlich zur Produktfokussierung sind laut dem Geschäftsführer Branchenlösungen sehr wichtig. Diese werden konsequent weiter ausgebaut. Hier hebt er die Automobilindustrie hervor. „Beides sind erfolgsversprechende Wege, die Kunden zu unterstützen.“

Investitionen: Stillstand ist Fremdwort

Stillstand ist in Verl ein Fremdwort. „Wir investieren wie immer“, sagt Hans Beckhoff. „Das ist Teil unserer DNA.“ Die Expansionsprojekte sind in 2025 fortgesetzt worden. Aktuell bedeutet das laut Frederike Beckhoff: „Für die Niederlassung Österreich wird der Neubau fertiggestellt und in der ersten Jahreshälfte 2026 bezogen. Der Gebäudekomplex am Standort Rheda in Ostwestfalen mit 67.000 m2 Fläche wird Ende 2025 fertiggestellt und dann mit den Innenausbauten versehen. Damit schaffen wir die Basis für weitere Expansion“, erklärt Frederike Beckhoff. Für das Tochterunternehmen Schirmer Maschinen in Verl wird nächstes Jahr der Neubau mit 20.000 m2 Produktions- und Bürofläche begonnen. Weiterhin geht Anfang nächsten Jahres die Produktion der Atro-Roboter und des MX-Systems in den Hochlauf.

Parallel expandiert der Vertrieb weiter, denn: „etwa 2000 unserer weltweit 5300 Mitarbeiter arbeiten im Vertrieb oder vertriebsnah. Der persönliche Kontakt zum Kunden bleibt ein Schlüssel“, fügt Frederike Beckhoff an. „Daher werden jedes Jahr sowohl der geografische, der Produkt- als auch der Branchenvertrieb weiter ausgebaut.“

Software: Speed matters – Twincat PLC++ als Gamechanger

Beckhoff wäre nicht Beckhoff, wenn nicht wieder an der Taktfrequenz gedreht würde. „Speed matters – das war schon immer unser Motto“, sagt Johannes Beckhoff. „Mit Twincat PLC++ wurde es konkret und die Effizienzsteigerung, die wir vorausgesagt haben, ist eingetreten. Wir sehen, dass wir bei vielen Projekten um den Faktor 1,5 schneller werden; in Projekten mit hohem Optimierungsgrad sogar bis Faktor 2,5 in der Ausführungszeit.“

Mit schnelleren Steuerungen steigt auch die Ausbringung von Maschinen. Hans Beckhoff erklärt den Mechanismus: „Jede Verkürzung des Steuerungszyklus bedeutet, dass die Maschine weniger Zeit auf die Reaktion der Steuerung wartet. Aus Sekundenbruchteilen werden Prozentpunkte in der Effizienz der Maschine. Und das summiert sich. Auch 2 % Geschwindigkeitsgewinn können ökonomisch und auch ökologisch schon große Wirkung zeigen.“ Johannes Beckhoff ergänzt: „Außerdem sind komplett neue Maschinenkonzepte denkbar.“

Auch beim Engineering bringt Twincat PLC++ Vorteile: schnellere Compile-Zeiten, kürzere Online-Changes, reduzierte Stillstände. „Effizienz heißt nicht nur schneller produzieren, sondern auch schneller in Betrieb nehmen“, betont Johannes Beckhoff. Ebenso werden Diagnosen besser – auch ein wirksamer Teil der Overall Equipment Effectiveness (OEE).

Wichtig ist auch der Aspekt, dass Twincat PLC++ sehr nah an der Norm IEC 61131-3 entwickelt wurde. Diese hohe Kompatibilität und die Nutzung von Hochsprachen wie C++ führen dazu, dass eine breite Community von Programmierern und Anwendern im engen Austausch steht.

1 / 3

Ähnliche Beiträge