Eigenen Strom produzieren

In jeder Gasse arbeiten vier Getriebemotoren, zwei am Anfang und zwei in der Mitte der Gasse. Über die roten Zahnriemen bewegen sie die Shuttle-Aufzüge. Die Synchron-Servomotoren CMP112 M mit Kegelradgetrieben KA77B werden jeweils durch eine Umrichter-Achse gespeist. (Quelle: SEW-Eurodrive)

Die sinusförmige Netzrückspeisung Movidrive MDR90B (Bildmitte, grau) ist für 50 kW Ein- und Rückspeiseleistung ausgelegt. Die vier Heber in einer Gasse werden durch vier 32-A-Module (rechts daneben) angetrieben, die in einer Gruppe am Zwischenkreis zusammengefasst sind. Über diese Verbindung können sie untereinander Energie austauschen. (Quelle: SEW-Eurodrive)
Die Bergzeit GmbH legt großen Wert auf den umweltschonenden Einsatz von Ressourcen. Im Rahmen der strategischen Ausrichtung hat das Unternehmen ein Energiekonzept entwickelt, das in nahezu allen Unternehmensbereichen etabliert ist und weiter ausgebaut wird. Seit 2020 lässt sich das Unternehmen nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS validieren. Das „Eco-Management and Audit Scheme“ stellt sicher, dass alle Umweltaspekte von Energieeinsatz bis zu Abfall und Emissionen rechtssicher und transparent umgesetzt werden.
Für die Stromversorgung installierte Bergzeit eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Um zukunftssicher zu sein, entschied man sich für die maximal mögliche Auslegung. „Heute produzieren wir ca. 550 000 kWh/Jahr“, erklärt Holger Cecco-Stark. „Bis 2030 wollen wir hier am Standort komplett auf fossile Energien verzichten.“ Mit Blick auf die Dienstwagenflotte fügt er an: „Angefangen haben wir mit den Dienstwagen –weg vom Verbrenner, hin zu E-Fahrzeugen. Das haben wir zu 99 % geschafft. Im nächsten Jahr folgt der letzte Wagen.“ Auch einer der beiden Logistikbusse, die die beiden Filialen beliefern, soll durch einen E-Transporter ersetzt werden. „In Otterfing ist der zentrale Wareneingang. Wenn eine Filiale Ware benötigt, wird sie hier kommissioniert und anschließend dorthin gebracht“, führt H. Cecco-Stark aus. Warenbewegung gibt es auch in der Gegenrichtung. Beispielsweise werden Produkte im oberen Preissegment in der Filiale präsentiert – sie müssen ja nicht unsichtbar im Lager herumliegen –, aber gleichzeitig auch zum Kauf über den Online-Shop angeboten. Findet sich dort ein Käufer, wird die Ware zurück ins Zentrallager gebracht und von dort aus verschickt.
Die Photovoltaikanlage ist nach Herkunftsnachweisregister (HKNR) zertifiziert. Damit darf die Bergzeit GmbH selbst Ökostrom erzeugen und verkaufen. Nach Versorgung des Bedarfs am Standort, zum Beispiel der 20 betriebseigenen Ladestationen, speist das Unternehmen den übrigen Ertrag (rund 40 %) ins Stromnetz ein. „Wir haben den Strom zunächst über unseren Partner EWS (Elektrizitätswerke Schönau) unseren Mitarbeitern zu einem vergünstigten Preis angeboten. Mittlerweile profitieren auch unsere Kunden davon“, berichtet H. Cecco-Stark. Aus seiner Sicht sind regional autarke Energienetze die Zukunft, wenn die Netzwerksbetreiber mitspielen und der politische Wille da ist, bürokratische Hürden abzubauen.
Durchgängiges Nachhaltigkeitskonzept bis in den Versand
Auch beim Versand setzt der Bergsport-Ausrüster auf Nachhaltigkeit. 1,5 Mio. Pakete mit rund 2,5 Artikeln pro Paket verschickt die Bergzeit GmbH jährlich. Um die eCO2-Emissionen im Versandgeschäft so gering wie möglich zu halten, verzichtet das Unternehmen auf Teillieferungen. „Meistens funktioniert die gebündelte Lieferung in nur einem Paket“, sagt H. Cecco-Stark. Vor allem in der Logistikkette ließe sich viel erreichen. Dafür arbeitet Bergzeit mit dem Versanddienstleister DHL zusammen. Mit dem Umstieg auf den Versandweg GoGreen Plus in Deutschland seit 2024 wird bei jedem versendeten Paket direkt in die CO2-Reduzierung bei der Auslieferung investiert. Eine weitere Herausforderung im Online-Handel sind Kundenretouren, die deutschlandweit je nach Branche bis zu 60 % ausmachen. Der Bergsport-Ausrüster konnte sie auf ca. 40 % senken. Möglichst präzise, kundenorientierte Beratung helfe, Falschbestellungen zu reduzieren. Dafür beschäftigt das Unternehmen etwa 40 Personen im Bereich Customer Care, die per E-Mail und Telefon die Kunden beraten und sich um deren Belange kümmern.
Nachhaltigkeit beeinflusst Kaufentscheidung
Vor rund zwölf Jahren nahm H. Cecco-Stark seine Tätigkeit bei der Bergzeit GmbH auf. Auch in seiner Freizeit ist er dem Bergsport und der Natur sehr verbunden. Gemeinsam mit dem damals neuen Geschäftsführer erarbeitete er vor rund acht Jahren ein erstes Nachhaltigkeitskonzept und stellte hierfür eine Nachhaltigkeitsmanagerin ein. „Mit ihr zusammen haben wir unsere Strategie und Ziele stetig weiterentwickelt, die für manch einen Kunden auch ein Argument für seine Kaufentscheidung sind“, freut er sich über die positive Annahme seines Nachhaltigkeitsagierens.
SPS: Halle 3A, Stand 411