Christian Strahberger leitet seit dem 1. September 2026 die Geschicke der Machine Automation Division (B&R) von ABB. (Quelle: Skyline Medien)
Der Einstieg bei B&R war für Christian Strahberger sportlich: Kurz nach seinem Start nahm der neue CEO gemeinsam mit rund 180 Kolleginnen und Kollegen am Salzburg Business Run teil. Was ihm dabei besonders auffiel: „Ich habe ein sehr motiviertes, engagiertes Team mit einem hohen Energielevel erlebt.“
Ähnlich fällt sein erster Eindruck von der technischen Seite des Unternehmens aus. B&R sei in der Vergangenheit mit vielen Innovationen an den Markt gegangen. „Diese technische Speerspitze wollen wir erhalten und weiter ausbauen“, so C. Strahberger. Parallel hat er sich auf die Agenda geschrieben, Produkte kosteneffizienter zu entwickeln sowie Prozesse schlanker und agiler zu gestalten. Als Top-3-To-do’s nennt er konkret: „Prozesseffizienz, Resilienz der Lieferketten und Internationalisierung müssen wir stärker angehen.“
Aus eigener Erfahrung nah am Kunden
C. Strahberger bringt rund 14 Jahre Erfahrung aus dem Maschinenbau in sein neues Tätigkeitsfeld ein. Zu seinen bisherigen Stationen zählen Voith, Schottel und Singulus Technologies. Entsprechend breit ist sein Anwendungswissen gelagert: vom Schiffsantrieb über Vakuumbeschichtungsanlagen und Solarzellenproduktion bis hin zu Maschinen für die Halbleiter- oder Kontaktlinsenfertigung.
Vor allem aber kennt er die Pain Points des Maschinenbaus aus eigener Erfahrung. „Ich habe miterlebt, was beispielsweise das Release-Update bei einem Automatisierungssystem für einen Maschinenbauer bedeutet. Oder was eine nicht lieferbare IO-Schnittstelle auslösen kann.“ Mit letztgenanntem Punkt erinnert er an die Lieferkettenkrise, während der er selbst Fertigungsverantwortung innehatte. Fehlende Einzelkomponenten hätten damals komplette Projekte ausgebremst.
Ein weiters Thema sind Kosten. Dabei ist ihm wichtig, klarzumachen, dass der Fokus eines Maschinenbauers nicht auf den Kosten für einen einzelnen Servo liegen würden. „Ein Sondermaschinenbauer betrachtet die Maschine im Gesamten, also inklusive Verkabelung der einzelnen Komponenten, Kosten für die Schaltschränke, Aufstellung innerhalb der Anlage bis hin zu den Downtime-Kosten für den Betreiber“, so C. Strahberger. Als weitere Erfahrung nennt er das tiefe Verständnis des Maschinenbauers vom Applikationsprozess des Anwenders.
Sein Umkehrschluss lautet deshalb: „Auch wir Automatisierungstechnikanbieter müssen stärker aus dieser Perspektive denken. Wir müssen bereits mit der Entwicklung eines Produkts effiziente Anbindungsmöglichkeiten, einfache Inbetriebnahme oder schnelle Tests und Verifizierungen mitdenken.“ In diesen Bereichen sieht C. Strahberger noch großes Potenzial. „Die gesamte Branche steht aktuell unter großem Druck. Darauf müssen wir reagieren.“ Als Ziel hat er sich deshalb gesteckt: „Den Maschinenbauer darin unterstützen, Geld zu verdienen und wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Technologisch sieht er B&R dafür gut aufgestellt, weist aber auf einen Erneuerungszyklus hin: „Wir sind dabei, unser komplettes Automatisierungsportfolio auf den absoluten Stand der Technik zu bringen.“ Ein Teil der neuen Produkte sei bereits angekündigt, weitere werden folgen. Dabei geht es ihm beispielsweise um kleinere Footprints und höhere Leistung, aber ebenso darum, den Engineering-Aufwand beim Kunden zu reduzieren. Eine Schlüsselrolle nimmt aus Sicht von C. Strahberger dabei künstlicher Intelligenz ein. „Beim Einsatz von KI in unseren Produkten geht es vor allem darum, dass unsere Kunden dadurch ihre Arbeit einfacher und effizienter erledigen können. Das bedeutet aber nicht, den Automatisierungsingenieur zu ersetzen“, weist er darauf hin.