KI mit klarem Kundennutzen

Next Level Engineering Experience mit Automation Studio. (Quelle: B&R)

Ein Schaltschrank, gefüllt mit B&R-Kompetenz, wurde ebenfalls in Eggelsberg gezeigt. (Quelle: Skyline Medien)
Mit seinem Automation Studio Copilot ist B&R bereits erste Schritte in diese Richtung gegangen. Als next Steps nennt C. Strahberger: „Es wird in Richtung Agentic Engineering gehen, sodass die Code-Generierung immer stärker unterstützt wird.“
Wie groß der praktische Nutzen sein kann, erläutert er anhand eines Beispiels aus seiner Maschinenbauhistorie. Dort waren zwei unterschiedliche Automatisierungssysteme für verschiedene Märkte im Einsatz. „Wir hatten zwei Automatisierungsteams und genau eine Person, die beide Systeme beherrschte. Und daraus konnten sich je nach Auftragslage Ressourcenengpässe ergeben. KI kann unter anderem hier unterstützen, diese Barriere zu senken. Sie wird sie nicht komplett beseitigen, aber sie kann den Einstieg in eine andere Entwicklungsumgebung erleichtern. Ich kann Fragen zum Code stellen und mir Vorschläge machen lassen“, gibt er an. Gleichzeitig könnten neue Mitarbeiter schneller eingearbeitet werden.
C. Strahberger sieht darin auch einen Ansatz, eine der Dauerherausforderungen im Maschinenbau zu entschärfen: „Die Automatisierung befindet sich in der Timeline oftmals an einem kritischen Projektpunkt. Während die Spezialisten noch letzte Kundenanforderungen im alten Projekt abarbeiten, werden sie im nächsten bereits dringend gebraucht. Wenn wir KI geschickt nutzen, kann sie uns helfen, auch mit dieser Personalknappheit besser umzugehen.“
Auch der Betreiber einer Maschine kann nach seiner Einschätzung zukünftig stärker von KI profitieren, beispielsweise bei Wartung und Fehlersuche. C. Strahberger nennt ein weiteres typisches Praxisbeispiel: Ein weniger erfahrener Mitarbeiter arbeitet in der Nachtschicht, eine Störung tritt auf und Spezialisten sind nicht erreichbar. „Wenn Mitarbeitern dann ein KI-Bot zur Verfügung steht, den sie zu Ursachen sowie zur Problembehebung befragen können, ohne ein dickes Handbuch durcharbeiten zu müssen, profitiert der Kunde durch Zeit- und Kosteneinsparungen.“
Noch ist eine solche durchgängige Umsetzung eher Zukunftsbild, aber man hat den entsprechenden Weg innerhalb der ABB Machine Automation eingeschlagen. „Unsere Aufgabe ist es, unseren Kunden die entsprechenden Werkzeuge bereitzustellen, damit sie solche Lösungen realisieren können.“ Dabei soll KI näher an die Maschine oder zumindest in das Produktionsumfeld wandern. Die Entscheidung, ob die Verarbeitung dabei on-premises oder in der Cloud stattfindet, liegt beim Kunden.
Innovation beginnt bereits im Halbleiter
Für C. Strahberger entstehen technologische Innovationen aber nicht erst auf der Softwareebene, sondern auf allen Ebenen. Am unteren Ende der technologischen Kette nennt er beispielsweise neue Halbleitermaterialien als Innovationstreiber. „Nach Jahrzehnten Silizium eröffneten Siliziumkarbid und Galliumnitrid neue Möglichkeiten, beispielsweise bei Frequenzumrichtern und Leistungselektronik“, erklärt er. Darauf aufbauend lässt sich aus seiner Sicht auch die Automatisierungstechnik kompakter und leistungsfähiger gestalten.
„Außerdem entkoppelt sich Software zunehmend von der Hardware“, nennt er als weiteren wichtigen Punkt, der eine Denkumkehr erfordere: „Wir sind gewohnt, physische Produkte zu verkaufen. Aber de facto verkaufen wir heute Software. Denn die Differenzierung zweier Produkte erfolgt zunehmend über Funktionen, die über Software realisiert werden.“ Vorgefertigte Bibliotheken, branchenspezifische Funktionen, schneller aufzubauende und verifizierbare Automatisierungsumgebungen sowie die einfache Integration von KI sieht er dabei als wesentliche Entwicklungsschritte.
Die viel diskutierte Software-defined Industry hält C. Strahberger deshalb prinzipiell für ein gutes Zukunftsbild. Allerdings warnt er vor einer zu einfachen Gegenüberstellung von Soft- und Hardware. „Die zunehmende Bedeutung von Software heißt nicht, dass Hardware irrelevant wird. Automatisierung ist immer ein Zusammenspiel aus beiden.“ Deshalb bildet zuverlässige und wirtschaftliche Hardware für ihn weiterhin die Basis. Die Differenzierung erfolgt dann zunehmend über Software. „Das gilt bei Anbietern von Automatisierungstechnologie ebenso wie bei ihren Maschinenbaukunden.“