„Wir wollen keinen Käfig um den Kunden bauen“

Auf den Passion4Automation Days 2026 waren viele Live-Demos zu sehen, unter anderem zu Acopos 6D. (Quelle: Skyline Medien)
Mit dem wachsenden Softwareanteil stellt sich zwangsläufig die Frage nach Offenheit und Interoperabilität. Hier formuliert C. Strahberger als klare Position: „Wir wollen keinen Käfig um den Kunden bauen.“ Er verdeutlicht: „Ich halte wenig von dem Ansatz, Kunden möglichst vollständig an ein proprietäres System zu binden und dies anschließend über eine zentrale Plattform zu monetarisieren. Unser Weg folgt der Offenheit.“ Dazu gehört für ihn auch, nicht zwingend eine eigene B&R-Cloud als zentrale Plattform zu etablieren. So würden viele große Maschinenbauer bereits über eigene Cloudangebote verfügen und deren Endkunden ebenfalls. „Die Kunden wollen nicht fünf verschiedene Clouds haben, sondern ihre Daten möglichst in einem System zusammenführen“, ist C. Strahberger überzeugt. B&R müsse deshalb Lösungen bereitstellen, die sich in die jeweils gewünschte Infrastruktur optimal integrieren lassen. „Wir liefern Daten und schaffen Transparenz. Und dabei folgen wir dem Prinzip: Die Daten gehören unseren Kunden.“
Mechatronik als Wachstumsfeld
Neben Software und KI sieht der neue CEO auch im Zusammenspiel aus Mechanik, Elektronik und Automation weiteres Wachstumspotenzial. Er verweist auf die Stärke von B&R im Bereich Mechatronics, unter anderem mit dem Planarsystem Acopos 6D, dem linearen Transportsystem Acopostrak sowie den Codian-Delta-Robotern. Dabei sieht er bei Acopos 6D noch viele Anwendungspotenziale, die mit frei beweglichen Shuttles auf einer Fläche realisiert werden können. Auch Acopostrak denkt er über die einzelne Maschine hinaus. „Prinzipiell können sich damit unterschiedliche Bearbeitungsstationen flexibler miteinander verbinden lassen, zum Beispiel wenn einzelne Prozessschritte unterschiedliche Zykluszeiten aufweisen. Da gibt es viele Möglichkeiten“, ist er überzeugt.
(Weitere informative Details zu Acopos 6D erfahren Sie im Video-Interview mit Hans-Peter Kraft hier:https://www.youtube.com/watch?v=8nExZuFEl-w)
Außerdem verweist er auf die Ende letzten Jahres eingeführte Antriebsgeneration Acopos M4, die sich beispielsweise durch 60 % weniger Platzbedarf im Schaltschrank, 99 % Energieeffizienz der Stromversorgung, 15 % weniger Energieverbrauch im Vergleich zu passiven Stromversorgungen sowie OPC-UA-FX-Fähigkeit auszeichnet. „Auch von diesen Features profitieren unsere Maschinenbau-Kunden in besonderem Maß“, gibt er an.
Entscheidend sei dabei die enge Zusammenarbeit mit den Maschinenbaukunden, die C. Strahberger als Co-Innovation bezeichnet. „Der gemeinsame Austausch unserer Entwickler mit denen unserer Kunden liefert oftmals Inspiration für effiziente Problemlösungen. Das hat unsere Kunden und uns in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich gemacht und daran werden wir anknüpfen.“
Pharma, Energie, Marine und Halbleiter im Blick
Nach den aktuellen und zukünftigen Zielbranchen gefragt, erwartet der B&R-Chef leichte Verschiebungen. „Die einzelnen Segmente entwickelten sich unterschiedlich: Während Printing langsamer wächst, ist die Dynamik in der Pharma- oder Battery-Branche größer“, informiert er und weist darauf hin: „Es gibt Subsegmente, in denen wir uns noch verstärken können.“ Als solche zählt er unter anderem Pharma und Energie auf. Letzteres versteht er breit, von Regelungstechnik über Turbinen bis zur Batterieproduktion. „Auch im Marinebereich wachsen wir stark, was unter anderem mit Zertifizierungen von verschiedenen Klassifizierungsgesellschaften zusammenhängt“, berichtet C. Strahberger.
Ein weiterer Markt, den er aufgrund seiner eigenen Vorgeschichte besonders gut kennt, ist die Halbleiterindustrie. „Halbleiter ist ein Markt, der sehr stark wächst und in dem sehr viel Servotechnik eingesetzt wird. Da müssen wir uns überlegen, wie wir uns aufstellen.“