Multi-Processing-Bearbeitung
Während in Märkten wie Indien eine Vier-Seiten-Bearbeitung meist Standard ist, steigen hierzulande die Anforderungen an die High-End Bearbeitung. „Schaeffler steht traditionell für hohe Präzision, Qualität, Langlebigkeit und Innovation. Durch unsere langjährigen Kundenkontakte pflegen wir einen engen Austausch und unterstützen bei neuen Trends mit unserem breit aufgestellten Know-how“, sagt M. Härtel. Das gilt auch beim Multi-Process-Machining. „Je mehr Bearbeitungsprozesse eine Maschine ausführt, desto größer werden die Anforderungen hinsichtlich Flexibilität und Präzision. Demzufolge müssen Fräs-Drehtische sowohl hohe Drehzahlen beim Drehen als auch eine sehr hohe Steifigkeit beim Fräsen gewährleisten“, erklärt er. Dafür präsentiert das Unternehmen nun auf der EMO seine „Schnellläufer“ unter den Rundachslagern, die zweireihigen Schrägkugellager der Baureihe ZKLDF und die zweiseitig wirkenden Axial-Radial-Rollenlager YRTS in zwei neuen Baugrößen mit Durchmessern von 580 mm und 650 mm.
Zudem verweist M. Härtel darauf, dass in diesen Rundachsen ein hocheffizienter Torquemotor wie der RKIB eingesetzt werden müsse. Als festen Bestandteil des Schaeffler-Engineering-Services bei Direktantrieben nennt er, die Wärmeentwicklung, den Wärmefluss im Rundtisch, das Kühlsystem sowie die magnetischen Störkräfte detailliert zu analysieren und auszulegen. „Nicht alleine die Präzision, sondern auch die Lebensdauer und Verfügbarkeit der Werkzeugmaschine hängen davon entscheidend ab.“
Heavy Machining Materials
Die Bearbeitung hochfester sowie schwer zerspanbarer Werkstoffe, wie hochlegierte Stähle, Titan, Zirkon oder Glas, führt zu großen mechanischen Belastungen und langen Bearbeitungszeiten. Am Beispiel von Titan erläutert M. Härtel: „Neben den großen Bearbeitungskräften ist ein intelligentes Zerspanmanagement erforderlich.“ Letztgenanntes dient dazu, die Späne während des Schnitts zu brechen, damit keine Wärmenester entstehen. „Durch hohe Temperaturen entstehen Ungenauigkeiten bzw. Instabilität im Prozess, die es zu vermeiden gilt. Die Kundenanforderung geht also sowohl in Richtung qualitativ hochwertigem Prozess als auch thermischer Stabilität“, verdeutlicht er. Dementsprechend müssen die Schaeffler-Lager und -Antriebssysteme zum einen mechanisch steif und präzise sowie zum anderen thermisch stabil arbeiten. Als optimalen Torqueantrieb für diese Anwendungen nennt M. Härtel erneut die Baureihe RKIB und als Motorlagerung das zweiseitig wirkende Axial-Radial-Rollenlager YRTS460 PRL50 mit erhöhter Rundlaufgenauigkeit von 2 μm.
Nachhaltigkeit im Langzeitfokus
Zwinkernd fügt M. Härtel an: „Auch wenn Schaeffler selbst Anbieter von Torquemotoren ist, werden 80 % der Rundtische mit Getriebe ausgestattet. Sind eine hohe Drehzahl und -moment gefordert, haben Torquemotoren ihre Daseinsberechtigung.“ Nachteile würden sich bei Stromausfall in puncto Sicherheit sowie aufgrund hoher Stromkosten ergeben. „Ein Direktantrieb verfügt nominell zwar über einen höheren Wirkungsgrad als eine Getriebelösung, dafür muss er in Halteposition permanent bestromt werden, erzeugt so Abwärme und Stromkosten“, erläutert M. Härtel.
Trotz der vielen Positivaspekte weist der Specialist Technical Sales auf den konstruktiven Aufwand von Rundachsen mit Getriebe hin. „Um diesen sowie Bauraum, Komplexität und Montagezeit zu reduzieren, bieten wir unsere Rundachslager YRTC und YRTA mit einer Stirnverzahnung am Außendurchmesser an. Der Name: YRTCG bzw. YRTAG. Die Verzahnung ersetzt so das kundenseitige Getriebestirnrad“, sagt er.
Noch ein weiterer Aspekt spielt hier mit hinein: Auch im Werkzeugmaschinenbau zählt Nachhaltigkeit zu den Trendthemen. „Der CO2-Footprint und die Reduzierung der Stromkosten sind wichtige Kenngrößen. Hocheffiziente Antriebssysteme, ob in Form von Torque- oder Getriebemotoren, reduzieren die erforderliche Kühlleistung. Folglich unterliegt die Lagervorspannung geringeren Schwankungen, die Fertigungsqualität nimmt zu und die Betriebskosten sinken. Von hohen Wirkungsgraden bzw. geringen Verlusten profitiert man in der Fertigung daher gleich mehrfach“, so M. Härtel.
Fazit
Bei all den Themen und Innovationen zeigt sich, wie wichtig der intensive Kundenkontakt ist. Dadurch lassen sich frühzeitig Bedürfnisse sowie Entwicklungstrends ableiten und die richtigen Weichen für die Zukunft stellen. M. Härtel betont abschließend als wesentliche Stärke Schaefflers: „Ein Kunde sagte einmal: ,Martin, ich bin zu Euch gekommen, weil Ihr mir Antworten liefert und keine Fragen.‘ Ich denke, dieses Statement fasst unsere Leistung optimal zusammen. Aufgrund unserer Sektorstruktur haben wir ein sehr gutes Branchenverständnis. Hinzu kommen langjährige Geschäftsbeziehungen und eine gute Durchmischung dank extern hinzugewonnener Mitarbeiter. Das alles zusammengenommen macht unseren Erfolg aus!“
À EMO: Halle 6, Stand I46

