Interview mit T. Weichsel

Thomas Weichsel, Vice President Software Portfolio: „Wir orientieren uns wie immer an den Anforderungen unserer Kunden. So wachsen Cloudansätze und lokale Desktop-Anwendungen zusammen, ergänzen sich und ermöglichen gemeinsame Workflows.“ (Quelle: Eplan)
Stichwort PCN: Können Sie dies noch ein wenig erläutern?
T. Weichsel: Gerne, wir zeigen auf der Eplan Next26 als Preview einen Demonstrator auf Basis der Asset Administration Shell (AAS). Ändert ein Hersteller eine Komponente, fließt die Information direkt ins Eplan Data Portal ein. Die Neuentwicklung hebt das Änderungsmanagement beim Anwender auf eine neue Stufe, indem es User frühzeitig über wichtige Veränderungen informiert, beispielsweise die Abkündigung von Produkten, die Behebung von Fehlern in technischen Unterlagen oder den Ablauf von Zertifikaten. Und: Es verbessert die Kollaboration im Ökosystem – vom Komponentenhersteller bis hin zum Anwender. Das Ergebnis: eine schnelle, gezielte Reaktion auf Veränderungen, mehr Transparenz im Engineering-Prozess und kürzere Durchlaufzeiten.
Ist es heute ein Muss für Unternehmen, auf die Cloud zu setzen?
T. Weichsel: Eplan verfolgt bewusst keine disruptive Cloudonly-Strategie. Betreiber oder manche Branchen wie die Pharmaindustrie brauchen weiterhin On-Premise-Systeme. Ich sehe es so: Unsere Produkte werden auch in zehn Jahren On-Premise-relevant sein. Die Zukunft ist hybrid – der jeweilige Kunde entscheidet, nicht die Technologie. Wir orientieren uns wie immer an den Anforderungen unserer Kunden. So wachsen Cloudansätze und lokale Desktop-Anwendungen zusammen, ergänzen sich und ermöglichen gemeinsame Workflows. Unsere Vision hier ist ein Roundtrip-Engineering, wenn man es so nennen darf: Ein Projekt kann in der Cloud bearbeitet werden – oder lokal. Beides ist kompatibel, synchronisierbar und in denselben Prozess eingebettet.
Als eine der Innovationen haben Sie vorhin Smart Sourcing erwähnt? Das klingt nach Artikeldaten, richtig?
T. Weichsel: Genau – und es werden bis heute enorme Zeitaufwände investiert, um diese Daten zu erstellen, zu pflegen und für das Engineering oder weiterführende Prozesse, etwa Beschaffung, Fertigung oder Service/Maintenance, nutzbar zu machen. Auch hier hilft die zentralisierte Verwaltung der Daten in der Cloud. Damit können unsere Kunden diese Daten unternehmensübergreifend oder standortübergreifend bereitstellen. Mit Eplan Smart Sourcing sollen Anwender künftig früher im Prozess vollen Überblick über Verfügbarkeit und Lieferzeit von benötigten Artikeln erhalten.
Das klingt nach einer „Schatzkiste“ an Daten – wie funktioniert das genau?
T. Weichsel: Mit Eplan Smart Sourcing prüft ein Konstrukteur direkt im frühen Stadium der Elektroplanung, ob alle gewünschten und projektierten Artikel zum geplanten Lieferzeitpunkt verfügbar sind. Ist eine Komponente nicht auf Lager oder kann nicht zeitgerecht geliefert werden, kann er bereits in der Konstruktion einen Alternativartikel einsetzen. Abgekündigte Bauteile können durch Nachfolgeartikel ersetzt werden. Das erspart unnötige Abstimmungsschleifen mit dem Einkauf zum späteren Zeitpunkt der Bestellung von Komponenten. Voraussetzung ist jedoch, dass der Komponentenhersteller oder Distributor an Eplan Smart Sourcing angebunden ist.
Das alles hört sich nach echter Aufbruchstimmung an. Ändert sich damit die Arbeit im Engineering?
T. Weichsel: In gewisser Weise schon. Unsere Neuaufstellung des Portfolios wirkt weit über die Software hinaus. Sie verändert die Art, wie Unternehmen ihr Engineering planen und organisieren. Weniger Komplexität, höhere Zuverlässigkeit, klare Investitionssicherheit und ein strategisch durchdachter Weg hin zu KI und Cloud – all das macht die Eplan Plattform zum Fundament einer neuen Engineering-Ära. Inmitten globaler Unsicherheiten setzen wir als Lösungsanbieter auf das, was Unternehmen jetzt wirklich brauchen: Klarheit, Einfachheit, Zukunftssicherheit und Technologie, die echte Entlastung schafft.

