Der Länderfokus
Mit dem Digitalisierungsangebot wird zunächst der deutsche Maschinenbau angesprochen. In den nächsten Steps sollen Europa und der asiatische Raum – hier primär China – angegangen werden. „Wir befinden uns in China bereits in Gesprächen mit potenziellen Kunden und Partnern, um ein erstes Feedback einzuholen. Dabei stellen wir prinzipiell fest, dass man in China schnell bereit ist, eine neue Technik auszuprobieren. Über den konkreten Nutzen wird erst in zweiter Linie nachgedacht“, sagt M. Matthesius. In Deutschland sei der Ansatz ein anderer: „Hier denken die Entscheider erst darüber nach, welchen Nutzen bzw. Mehrwert die Lösung bringt und erst danach wird die Technik implementiert“, berichtet er weiter. Dabei sind aus seiner Sicht beide Ansätze legitim und tragen Erfolgspotenzial.
So geht es weiter
Als Schlüssel für die nächsten Jahre gibt Dr. T. Berger an, die Softwarepakete nah zusammenzubringen und dem Kunden damit die Nutzung noch weiter zu vereinfachen. „Letztendlich ist es unser Ziel, dass der Kunde nicht mit mehreren Softwaretools und unterschiedlichen Datenpools arbeitet, sondern mit einer integrierten Lösung“, erklärt er.
Als übergreifende Trends, die auch die eigenen Entwicklungen beeinflussen, führt M. Matthesius TSN und 5G an. Als spannende Fragen in diesem Zusammenhang formuliert er: „Erst die Zukunft wird zeigen, wie viel Steuerungssoftware tatsächlich einmal in der Cloud liegen und wie viel nach wie vor dezentral vorgehalten werden wird. Oder: Inwiefern Wireless-Netze die Fabrikkommunikation dominieren werden.“ Er selbst ist von Hybridlösungen überzeugt. „Es wird keine Schwarz-Weiß-Entscheidungen geben: Die digitale Transformation ist ein evolutionärer Prozess, der über viele Jahre Mischformen bedingt“, lautet seine Sicht. Er sagt aber auch: „Der Trend hin zu Cloudlösungen wird weiter anhalten.“
„Manchmal muss man gar nicht so weit in die Zukunft blicken, sondern kann aus bestehenden Ansätzen Mehrwert für neue Lösungen schaffen“, ergänzt Dr. T. Berger. Als Beispiel führt er den auf der Hannover Messe vorgestellten Smart Connector an. Mit diesem ist es möglich, auf einfache Weise Daten und Signale nachträglich im Feld zu generieren und drahtlos zu übertragen. „Das sind Anwendungsfelder, die wir parallel zu allen neuen Technologien und Plattformen suchen müssen. Kurz gesagt: Wir müssen unsere traditionellen Kompetenzen um neue Möglichkeiten anreichern, um Mehrwert in den Applikationen zu schaffen. Unsere Kunden honorieren diese Vorgehensweise, weil sie kein neues Gerät in den Schaltschrank implementieren müssen, sondern einfach zum Beispiel einen bestehenden Steckverbinder ersetzen können.“ Dabei wird der Weg, etablierte Geräte und Lösungen kommunikationsfähig zu machen, nicht nur bei Steckverbindern gegangen. M. Matthesius: „In der Reinform von Industrie 4.0 werden auch die elektronischen Komponenten, zum Beispiel Switches, Stromversorgungen, Messtechnik usw., immer intelligenter. Wir sind den ersten Schritt gegangen und haben diese Lösungen kommunikationsfähig gemacht. Das heißt, man kann an einem 24-V-Netzteil Daten abgreifen bzw. einspielen. Und diesen Weg beschreiten wir weiter.“ Dabei weist er zusätzlich auf die neuen Strukturen und Möglichkeiten durch ein Auflösen der Automatisierungspyramide hin. „Zukünftig werden alle Netzwerkteilnehmer untereinander kommunizieren. Inwiefern sich dann Intelligenzen verteilen, das wird die Zukunft zeigen.“
Mit Blick auf die SPS im November in Nürnberg halten sich die Experten mit Aussagen zu Neuheiten noch zurück. Als allgemeine Schwerpunkte erläutert M. Matthesius: „Wir werden im Komponentengeschäft viele Neuheiten zeigen, zum Beispiel im Bereich Netzteile, das wir aktuell stark ausbauen. Auch im Bereich der Switches und Router haben wir das Portfolio weiterentwickelt und uns mit einem Partner breiter aufgestellt. Darüber hinaus werden wir weitere Softwarefunktionen rund um die Automation, Analytics und IoT präsentieren.“