Interview mit Olaf Ophoff und Sai Seidel-Sridhavan

IP67-Edge-Controller TBEN-L-PLC

Mit der Möglichkeit der direkten Anbindung an Turcks Cloud Solutions unmittelbar an der Maschine macht der IP67-Edge-Controller TBEN-L-PLC nicht nur zusätzliche Edge-Gateways überflüssig, auch die Projektierung wird für den Anwender deutlich vereinfacht (Quelle: Turck)

Die Web-basierte Programmierumgebung Argee

Die Web-basierte Programmierumgebung Argee erweitert die Block- IO-Module der Multiprotokoll-Ethernet-Plattform von Turck um Logik- Funktionalitäten und macht sie so zu Field Logic Controllern (FLC) (Quelle: Turck)

Von der Datenanalyse ist es kein großer Schritt mehr zum digitalen Zwilling. Können Sie sich vorstellen, auch solche Lösungen anzubieten?

O. Ophoff: Hinsichtlich der erforderlichen Normung ist die IDTA (Industrial Digital Twin Association) von ZVEI und VDMA der Schlüssel zum Erfolg. Wir gehören zu den Gründungsunternehmen, arbeiten von Anfang an mit und können uns auch vorstellen, künftig digitale Zwillinge anzubieten. Denn nur mittels digitalem Zwilling können Maschinen effizient simuliert werden, auch ohne physikalisch vorhanden zu sein. Die Automobilindustrie ist da wieder mal Vorreiter und geht schon länger in diese Richtung. Sie simulieren Fertigungsstraßen, um im Vorfeld Anlagen und Prozesse zu optimieren.

Bei Ihrer Strategie setzen Sie auch stark auf IO-Link. Wo zahlt sich das Zusammenspiel von Cloud und IO-Link aus?

S. Seidel-Sridhavan: IO-Link ist heute der Industrie-Standard für smarte Sensorik und Aktorik. Fast jede Maschine hat inzwischen – mehr oder weniger – IO-Link. Die Geräte werden außerdem immer schlauer und multifunktionaler. Diese Schnittstelle hat sich durch ihre Vorteile inzwischen im Feld durchgängig etabliert. Die Sensoren werden immer smarter und enthalten zum Beispiel viele Daten zu Identifikation, Prozesswerten und Zuständen. IO-Link als Schnittstelle fungiert dafür als Datensammler vor Ort und Anwender können die Daten sogar teilweise vorverarbeitet an die Cloud schicken. IO- Link ist somit die Grundlage für den effizienten Einsatz der sensor-to-cloud-Kommunikation.
Und ohne den Sensor ist der Anwender weiterhin nicht in der Lage, den Zustand der Maschine genau zu interpretieren und die notwendigen Daten in eine Cloud zu transferieren.

Nicht immer sind alle Sensoren einfach zugänglich. Wie kommt man an die Daten von Sensoren in abgelegenen Anlagenteilen, bei denen eine Netzwerkanbindung schwierig zu realisieren ist?

S. Seidel-Sridhavan: Das hängt von den Umständen ab. Während sich Brownfield-Anlagen Wireless-Lösungen anbieten, empfiehlt sich für Greenfield in der Regel eine kabelgebundene Übertragung. Da Turck viele Gateways und Produkte im Programm hat, können wir fast alles realisieren und jeden Übertragungsweg nutzen, wobei allerdings die kabelgebundene Übertragung immer die sicherere ist.

Die Datensicherheit spielt eine immer größere Rolle. Welche Security-Konzepte verfolgen Sie?

O. Ophoff: Security beinhaltet viele Aspekte bis hin zur Vermeidung von unerlaubtem Zugriff auf Maschinen und Anlagen durch Hacker. Unser Kolibri-Protokoll ist ein schlankes und sicheres Protokoll. Da es darüber hinaus selten ist, lohnt sich der Angriff kaum.

Zudem erfolgt die Datenverschlüsselung in der Cloud, sodass die Daten an sich für einen Hacker nutzlos wären. Des Weiteren werden die Daten in einem abgesicherten Rechenzentrum verarbeitet. Das Thema Security wird bei uns ständig weiterentwickelt, dabei darf man sich nicht ausruhen. So gewährleisten unsere heute und noch mehr in der Zukunft an der IEC-62443 orientierten Produkte ein Maß an Resilienz und sorgen in der Zukunft mit optionalen Updates dafür, dass sie auch in Bezug auf Security immer auf dem aktuellsten Stand sind.

Welche Ziele haben Sie mit Turck Cloud Solutions?

O. Ophoff: Wir wollen hier die Offenheit noch weitertreiben, um mit noch mehr Cloud-Lösungen – auch kundenspezifischen Eigenentwicklungen – sprechen zu können. Dabei ist und bleibt es uns immer wichtig, eine einfache Anbindung direkt in den Geräten zu gewährleisten. Zudem wird das Thema „Anomalieerkennung“ ebenso erweitert, sodass wir unseren Kunden auch weiterhin auf die Bedürfnisse zugeschnittene und dennoch einfach handhabbare Lösungen bieten können.

Frank Nolte
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