Die fokussierten Trends

Abbildung von eigenentwickelte ARM64-Plattform

Die eigenentwickelte ARM64-Plattform integriert Schubert System Elektronik sowohl in die eigenen als auch individuell designt in kundenspezifische Lösungen (links: Oberseite, rechts: Unterseite des Boards). (Quelle: Schubert System Elektronik)

Während F. Wemken Security weniger als Trend, sondern vielmehr als Pflicht einordnet, um sichere Produkte auf den Markt bringen zu können, werden aktuelle Entwicklungen genauestens beobachtet. Denn: Um seinen Kunden zukunftsfähige Lösungen bereitstellen zu können, müssen Trends frühzeitig erkannt und mitverfolgt werden. Das gilt nun auch für den Komponentenbereich. „Wir haben einen internen Prozess aufgesetzt, der unterschiedliche Trendradars in verschiedenen Branchen berücksichtigt und aus dem wir die für uns relevanten Trends ableiten. Übergreifend lassen sich im Embedded-Bereich Vernetzung, Datenverarbeitung und Prozesse als einige Themen mit für uns produktrelevantem Charakter nennen“, sagt der Experte. Mit Blick auf das Thema Edge Computing sieht er beispielsweise SPE (Single Pair Ethernet) als ein solches an. „Der Trend, Kupfer einzusparen, ist unaufhaltsam. Mit der Zwei-Draht-Ethernet-Technologie und ihrem PoDL-Prinzip (Power over Data Line) sehen wir in SPE große Zukunftspotenziale. Das gilt auch im Hinblick auf die Anforderung, Verkabelungsaufwände zu reduzieren. Hinzu kommen die Übertragungsstrecken von bis zu 15 m, die via zweiadrigen Standardleitungen realisierbar sind“, nennt F. Wemken einige Aspekte pro SPE. Hier befindet man sich aktuell noch in der Stufe der Vorentwicklung.

Daran schließt er das etablierte Übertragungsverfahren Power over Ethernet (PoE) an. „PoE ist eine One-Cable-Lösung mit integrierter Spannungsversorgung. Diese Schnittstelle haben wir auch auf der bereits erwähnten ARM64-Plattform, basierend auf dem i.MX 8M (NXP), kombiniert und das erwähnte kundenspezifische 10,1-Zoll-Webpanel abgeleitet. Last, but not least, ordnet F. Wemken TSN (Time Sensitive Networking) als wichtigen Kommunikationsstandard ein, an den SSE große Erwartungen knüpft. „Hier haben wir bereits unsere Lernschleife durchlaufen, gehen aber davon aus, dass die aktuellen Herausforderungen im industriellen Bereich in spätestens zwei Jahren gelöst sein werden. Dann können auch Industriekunden von den TSN-Vorteilen profitieren“, lautet seine Einschätzung.

Neben den Vernetzungstrends hat natürlich auch SSE das aktuelle Hypethema KI auf dem Radar. „KI sehen wir als Dauertrend und als unumgänglich an. Dabei folgen wir nicht dem Weg, Hochleistungsrechner anzubieten. Stattdessen zeigen wir unseren Kunden alternative Wege auf und beraten sie hinsichtlich der Softwaremöglichkeiten“, so der CTO. Er verweist darauf, dass man auch Nvidia-Produkte im Angebot habe, „allerdings weisen wir unsere Kunden darauf hin, dass es sich um eine geschlossene Plattform handelt. Das heißt: Sie bekommen PCB von Nvidia nur als Modul, können damit allerdings kein Downsize machen.“

Allgemein erklärt er: „Mit unseren definierten Trends nehmen wir immer Bezug zu unseren Sparten, sodass wir in unserem Komponentenbereich die richtigen Lösungen für die Folgeprodukte generieren können.“ Abschließend zum Thema Trend fügt er an: „Ein immerwährendes Thema im Board-Bereich sind natürlich die Formfaktoren.“

Nachhaltigkeit tief verankert

Und dann kommen wir noch auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zu sprechen. Einige Hersteller von Automatisierungstechnik haben  bereits angekündigt, auf dem Weg zur Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks Wege auszuloten, die Elektronik in ihren Produkten einfacher austauschen zu können. „Dieser explizite Wunsch wurde in der Form noch nicht an uns herangetragen“, sagt F. Wemken. „Wir beschäftigen uns natürlich auch mit diesem Thema, können aber noch nicht mit einem Patentrezept aufwarten.“ Er betont, dass sein Unternehmen bei der Analyse, Konzeptionierung und Umsetzung nicht alleine die Embedded Components betrachte, sondern immer den Systemansatz im Fokus habe. „Das heißt, wir achten bei der Produktauslegung generell auf Nachhaltigkeit, wie die Tauschbarkeit der Komponenten, Standardisierung der Schnittstellen und deren Energieverbrauch“, sagt der Entwicklungschef. Außerdem würde nach neuen Materialien gesucht, die stärker zur Nachhaltigkeit beitragen. „Unsere Betrachtung  endet allerdings nicht beim Produkt, sondern geht weiter bis zur notwendigen Verpackung. Diese überarbeiten wir derzeit für einen überwiegenden Teil unserer Produkte und können damit wieder einen Betrag zur Nachhaltigkeit leisten“, erklärt er und ergänzt: „Allgemein kann man sagen, dass uns das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig ist. Das zeigt auch das Nachhaltigkeitsprogramm ,Mission Blue‘ der Schubert-Gruppe.“

Fazit

Seine Embedded Boards setzt Schubert System Elektronik aktuell in seinen eigenen sowie kundenspezifischen Lösungen ein. F. Wemken kann sich für die Zukunft allerdings auch vorstellen, zusätzlich als Custom-Board-Lieferant aufzutreten. Ein Evaluation-Kit ist bis Ende des Jahres geplant. Die Standardisierung spielt dann eine wichtige Rolle. „Aus diesem Grund sind wir kürzlich der SGET (Standardization Group for Embedded Technologies) beigetreten.“

Mit seinen eigenentwickelten Boards fokussiert SSE aktuell vor allem auf den HMI- bzw. Panel-Bereich. „Visualisierung ist ein Zukunftsthema. Nahezu jede Maschine ist mit einem HMI ausgestattet“, begründet F. Wemken. Dazu passt, dass SSE im nächsten Jahr auf der embedded world in Halle 1 im Bereich der Electronic Display Area ausstellen wird. „Den Fokus legen wir dort auf eigen distribuierte Displays mit Touch, zeigen parallel aber auch unsere Komponenten. Das heißt, alle dort ausgestellten Displays werden von unserer Elektronik und unseren Modulen angesteuert.“

Ausblick

Nach den Next Steps into Future gefragt, sagt F. Wemken: „Wir werden unseren nun eingeschlagenen Weg der Entwicklung sowie Herstellung von eigenen Computer-Boards weiter verfolgen und ausbauen. Das bedeutet weitere Derivate unserer derzeitigen Plattform auf NXP-i.MX8-Basis für unsere Applikationen bzw. Produkte im Bereich Webpanel sowie Applikationen im Bereich Automation.“ Parallel lotet SSE die Möglichkeiten von NXPs i.MX-95-Prozessorfamilie aus. „Inwiefern wir welche Produkte daraus abgeleitet werden, wird sich bis Ende des Jahres herauskristallisieren“, gibt er an.

„Darüber hinaus bauen wir unsere eigene x86-Plattform auf Basis von Intel-Prozessoren auf. Somit werden wir unserem Ziel, unseren Kunden ein Gesamtkonzept – von der Idee bis zur Serie – auf ARM64- und x86-Plattform bereitzustellen, einen weiteren Schritt näherkommen. Es ist uns wichtig, unsere Kunden ganzheitlich beraten und unterstützen zu können und ihnen somit die optimale Lösung zu bieten – dies beinhaltet auch den Aspekt Security“, so der Entwicklungschef.

Im Bereich x86 will man weiter auf Zukäufe in industrieller Qualität setzen, „natürlich mit strategischen Partnern“, betont F. Wemken und ergänzt: „Hier profitieren unsere Kunden von unserem detaillierten Know-how der Eigenentwicklung und der Systemintegration.“

Inge Hübner
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