Auf dem Weg zur AI-powered Company

Die Vorladesteuerungen von Weidmüller sind in vier verschiedenen Leistungsvarianten sowie mit und ohne optionaler Kommunikationsschnittstelle erhältlich. (Quelle: Weidmüller)
Eine weitere Technologie mit großer Zukunftsperspektive ist künstliche Intelligenz. Ihre Potenziale hat Weidmüller bereits vor längerer Zeit erkannt, gerade auch, wenn es um die Datenanalyse geht. Mit Industrial AutoML wurde seinerzeit erstmalig im industriellen Umfeld ein Software-Service angeboten, mit dem Unternehmen eigenständig Automated Machine Learning ohne Vorkenntnisse in Data Science umsetzen konnten. Nun beschreitet das Unternehmen die nächsten Schritte mit dem Einsatz von generativer KI (GenAI). Durch den Hype um ChatGPT angefeuert, stellen sich viele Industrieunternehmen die Frage, wie sie GenAI nutzen können. Das gilt auch für Weidmüller.
„Wir haben den Anspruch, KI in möglichst viele Prozesse und Produkte zu integrieren – den entsprechenden Use Case und Nutzen vorausgesetzt. Wir wollen durch den Einsatz von KI Produktivitätspotenziale erschließen sowie KI-basierte Produkt-und Service-Innovationen für unsere Kunden anbieten. Zur Umsetzung haben wir ein KI-Programm aufgesetzt, das über mehrere Handlungsfelder die Einführung und Nutzung von KI begleitet. Dieses Programm adressiert zusätzlich zu den technischen Themen unter anderem die Handlungsfelder KI- und Datenstrategie, Change Management, Governance sowie ein KI-Trainingsprogramm für die Mitarbeiter”, sagt der Experte für künstliche Intelligenz, Tobias Gaukstern.
Auf der SPS 2023 wurden die ersten zwei GenAI-Anwendungen präsentiert: „Bei dem ersten Use Case handelt es sich um den Support-Center-Chatbot, dem unsere Kunden technische Fragen zu Produkten stellen können, beispielsweise: In welchem Temperaturbereich lässt sich der Feldbuskoppler einsetzen? Der Bot generiert dann die entsprechende Antwort, was die Informationsbeschaffung enorm beschleunigt“, verdeutlicht T. Gaukstern. Bereits für die Pilotanwendung gab es vom Support-Team als auch von Kundenseite auf der Messe sehr positives Feedback. Nun wird der Support-Center-Chatbot kontinuierlich in eine serienreife Anwendung überführt. Ein entsprechender Produktlaunch ist im Lauf dieses Jahres geplant. Damit könne zum einen der eigene Support unterstützt und entlastet werden, aber andererseits auch den Kunden ein weltweiter und vereinfachter Zugang zum Produktwissen in vielen Sprachen angeboten werden.
Als zweiten Use Case nennt T. Gaukstern einen Copilot, der in PROCON-WEB, einem Software-Tool zur Erstellung von HMI- und Scada-Systemen, integriert wurde. „Ähnlich wie von ChatGPT und anderen Coding-Copiloten her bekannt, kann der Nutzer hier beispielsweise formulieren: Schreibe mir eine Funktion zur Berechnung der OEE oder zur Berechnung anderer Kenngrößen. Anschließend wird der entsprechende Code generiert. Zudem lässt sich automatisch Code dokumentieren. Auch Optimierungen von Bestands-Code sind möglich, zum Beispiel hinsichtlich der Performance“, sagt T. Gaukstern. Er berichtet, dass Kunden auch zu diesem Use Case auf der SPS in Nürnberg exzellentes Feedback gegeben haben. Der Grund: Die Produktivitätssteigerung für den Nutzer ist immens. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die HMI-/Scada-Entwickler bei der Erstellung von Scripten um rund 20 % beschleunigt werden – bei einer überzeugenden Code-Qualität“, erklärt der KI-Experte. „Das ist natürlich enorm – sowohl für unsere eigenen Applikations-Teams aber vor allem auch für unsere Kunden.“ Dementsprechend hoch priorisiert werde nun an der Serienreife des PROCONWEB-Copilots gearbeitet. Denn GenAI bietet großartige Potenziale. Die Umsetzung von GenAI-Lösungen sei aber auch harte Arbeit, gerade wenn es darum ginge, das vorhandene Wissen in GenAI-Lösungen abzubilden.
„Der Support-Center-Chatbot und der PROCON-WEB-Copilot sind nur zwei Beispiele von unserer Use-Case-Liste. Es ist enorm, wie viele Anwendungsfälle von GenAI wir in kurzer Zeit identifizieren konnten – und zwar über viele Funktions- und Geschäftsbereiche hinweg. Das zeigt das große Potenzial von KI für Weidmüller, aber auch für die Industrie. Deshalb ist unser Leitbild eine AI-empowered Company. KI wird für uns zur Schlüsseltechnologie“, sagt T. Gaukstern.
„Und sicherlich ist GenAI auch rund um das Thema Energiemanagement hochinteressant. Hier kommt unsere Energiemanagementsoftware Resma ins Spiel“, sagt Dr. J. S. Michels und lenkt den Blick noch einmal auf die DC-Technologie. Dazu werde man dann voraussichtlich in circa zwei Jahren mehr berichten können.
Fazit
Die Ausführungen der beiden Experten rund um die Themen DC-Technologie, 5G und GenAI verdeutlichen, wie viel Potenzial noch in jungen und aufstrebenden Technologien steckt. Nun gilt es, diese in die breite industrielle Anwendung zu überführen, um durch die Steigerung von Energieeffizienz, Verfügbarkeit und Produktivität die nächsten Schritte in eine nachhaltige Zukunft zu gehen. Auf diesem Weg unterstützt Weidmüller seine Kunden mit seinen selbst gewonnenen Erfahrungen sowie Produkten und Services – immer im Sinne der Smart Industrial Connectivity.