Jan Fleming ist Vice President Customer Journey bei Eplan

Jan Fleming ist Vice President Customer Journey bei Eplan (Quelle: Eplan)

Rund 1.500 Besucher aus 36 Nationen, neue Produkte, Future Lab und Partner Plaza: Mit dem globalen Engineering-Festival Eplan Next26 startete der Lösungsanbieter im Mai in München nicht nur ein neues Veranstaltungsformat, welches wie ein Rockfestival jedem Besucher ein relevantes Angebot gemacht hat. Für Jan Fleming war das Festival auch die Bühne für eine größere Botschaft: „Eplan versteht sich als Bindeglied zwischen den verschiedenen Playern in der Industrie – vom Komponentenhersteller über Maschinen- und Anlagenbauer bis zum Betreiber.“ Genau diese Verbindungen sollen künftig nicht nur organisatorisch, sondern vor allem digital noch enger werden. Das Ziel: durchgängige End-to-End-Prozesse von der Planung bis zum Betrieb.

Schrittweise vom Copiloten zum Piloten

Der sichtbarste Auftakt war der Launch des Eplan Copilot. Er führt Engineering-Wissen, Plattformfunktionen und konkrete Aufgaben über natürliche Sprache zusammen. Wer beispielsweise wissen will, in welchen Projekten eine bestimmte Komponente eingesetzt wurde, fragt nach der Artikelnummer; die KI durchsucht die Cloudprojekte und liefert die Fundstellen. „Wir wollen es Anwendern leicht machen, sich in der Eplan Software schnell zurechtzufinden und ihm Wissen und Funktionen genau dann zur Verfügung stellen, wenn er sie braucht“, beschreibt J. Fleming den Ansatz.

Dabei zieht Eplan eine klare Grenze zwischen Assistenz und Autonomie. Der Copilot greift zunächst auf geprüftes Eplan-Wissen zu; perspektivisch sollen Partner-, Kunden- und Normenwissen hinzukommen. „Im Engineering muss das Ergebnis reproduzierbar und sicher sein. Dafür muss die Architektur stimmen“, sagt J. Fleming. Deshalb werde der Copilot nicht einfach mit beliebigen Internetinformationen arbeiten. „Eine Maschine, die zu 99 % richtig konstruiert ist, funktioniert im Zweifel eben trotzdem nicht.“ Die Vision bleibt dennoch ambitioniert: Mit wachsender Wissensbasis und zusätzlichen Skills soll aus dem Copiloten schrittweise ein Pilot werden.

Die Plattform wird zur Datenbasis

Die nächste Stufe der Entwicklung ist die Eplan Plattform 2027, die seit September verfügbar ist. Rund 500 Kundenanforderungen sind nach Unternehmensangaben in die Entwicklung eingeflossen. J. Fleming spricht von „bedingungsloser Nutzerfreundlichkeit“. Neue Funktionen in Preplanning, Electric P8 und Pro Panel sollen Planungsschritte vereinfachen und stärker automatisieren, etwa in der Vorplanung oder bei der Projektgenerierung in 3D. Der Eplan-Manager sieht dahinter jedoch mehr als ein klassisches Software-Update: „Der Kernnutzen von Eplan für Unternehmen ist es, zu skalieren – also mit den vorhandenen Ressourcen mehr Projekte und mehr Varianten beherrschbar zu machen“, fokussiert J. Fleming.

Dazu gehört auch, Wiederverwendung konsequent zu organisieren. Regelbasierte Projektgenerierung kann bereits heute große Produktivitätseffekte erzeugen, ohne dass dafür zwingend KI nötig ist. „Skalierung beginnt nicht erst mit künstlicher Intelligenz“, betont der Eplan-Manager. „Wenn wir Funktionen standardisieren, wiederverwenden und automatisiert zusammensetzen, gewinnen wir Geschwindigkeit und Qualität – und begegnen gleichzeitig dem Fachkräftemangel.“ Vieles funktioniert bereits regelbasiert. „In Eplan werden standardisierte, wiederverwendbare Schaltplanfunktionen über Konfigurationen zu projektspezifischen Lösungen zusammengesetzt“, stellt J. Fleming heraus. „Da spielt heute KI weniger eine Rolle.“ Trotzdem entstünden massive Skalierungseffekte.

Strategisch wichtiger wird zugleich das Datenmanagement in der Cloud. Projekt-, Stamm- und Artikeldaten sollen nicht mehr als getrennte Welten behandelt werden; mit der Eplan Plattform 2027 soll die Synchronisation von Stamm- und Artikeldaten über die Eplan Cloud weiter in den Arbeitsablauf rücken. „End-to-End heißt für uns, dass die Daten nicht an der Grenze einer einzelnen Anwendung abreißen“, formuliert J. Fleming. Der Anspruch ist damit größer als eine komfortablere Bedienoberfläche: Die Plattform soll zum durchgängigen Datenfundament für weitere Prozessschritte werden.

Wie weit dieses Datenfundament in nachgelagerte Prozesse reichen kann, zeigte auf der Eplan Next26 der Hersteller Eaton. In einem Werk in China dient die Eplan Plattform als Backbone des Elektro-Engineerings; humanoide Roboter prüfen dort mit Kameras bereits Verdrahtungen in Schaltschränken und gleichen Kennzeichnungen mit der Engineering-Dokumentation ab. J. Fleming sieht darin mehr als einen spektakulären KI-Case: „Der Roboter scannt den Schaltschrank, gleicht die Kennzeichnungen mit dem Schaltplan ab und erkennt falsch beschriftete oder falsch verdrahtete Verbindungen. Das zeigt, welchen Nutzen saubere Engineering-Daten bis in die Qualitätssicherung hinein entfalten können.“

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