Interview mit Max Morwind

Max Morwind ist Manufacturing Industry Leader EMEA und Vice President of Solutions and Consulting bei Softserve.

Max Morwind ist Manufacturing Industry Leader EMEA und Vice President of Solutions and Consulting bei Softserve. Er verfügt über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung in den Bereichen IoT, Digitalisierung, Geschäftsentwicklung und Technologielösung für Fertigungsunternehmen. Vor seiner Tätigkeit bei Softserve hat er über elf Jahre für Microsoft gearbeitet. Sein Fokus liegt darauf, die Time-to-Value seiner Kunden zu optimieren, um die technologische Transformation voranzutreiben. (Quelle: Softserve)

Immer öfter taucht der Begriff Industrial Metaverse auf. Allerdings scheint jedes Unternehmen den Begriff für sich anders zu interpretieren. Bitte geben Sie eine Einordnung Ihres Verständnisses und Ihrer Sicht der Nutzenpotenziale rund um das IM.

M. Morwind: Das Industrial Metaverse bezieht sich bei Softserve auf eine erweiterte, digitalisierte Umgebung, die speziell auf die Anforderungen der industriellen Sektoren zugeschnitten ist. Ähnlich wie das Konzept des Metaverse, das virtuelle und reale Welten miteinander verschmelzen lässt, zielt das Industrial Metaverse darauf ab, die physische und digitale Realität in der Industrie zu integrieren. So macht das Industrial Metaverse es uns möglich, digitale Zwillinge von physischen Anlagen, Maschinen oder Prozessen abzubilden. Diese digitalen Modelle lassen sich nutzen, um den realen Betrieb zu analysieren oder zu optimieren.

Außerdem sind unsere Teams durch das Industrial Metaverse in der Lage, über verschiedene geografische Standorte hinweg in einer gemeinsamen virtuellen Umgebung zusammenzuarbeiten. Dies ermöglicht ihnen einen schnelleren Austausch und verkürzte Kommunikationswege bei Design, Wartung und Schulung.

Ein ähnliches Szenario haben wir bei Schulungen und Simulationen, um Mitarbeiter auf reale Szenarien vorzubereiten. Komplexe Abläufe werden so eingeübt und steigern die Effizienz in der realen Welt.

Wo stehen wir heute und was sind die größten Hürden, die der breiten Umsetzung des IM derzeit noch im Weg stehen?

M. Morwind: Aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der das Industrial Metaverse zunehmend an Bedeutung gewinnt, jedoch noch nicht flächendeckend implementiert ist. Die größten Hürden für eine breite Umsetzung sind zum einen die Interoperabilität und Standardisierung, also der Mangel an branchenweiten Standards zwischen verschiedenen Plattformen und Technologien. Dies behindert derzeit noch die nahtlose Integration von Systemen und Daten im Industrial Metaverse. Auch die Kosten spielen beim Industrial Metaverse natürlich eine erhebliche Rolle. Die Einführung von Industrial Metaverse erfordert hohe Investitionen in Technologie, Schulungen und Infrastruktur. Viele Unternehmen zögern aufgrund der Kosten, was die breite Akzeptanz beeinträchtigt. Vor allem hierzulande stellen wir ein Festhalten an traditionellen Unternehmenskulturen fest. Bestehende Arbeitsweisen behindern bzw. verlangsamen die Akzeptanz neuer Technologien natürlich auch global. Ein kultureller Wandel und die Überzeugung der Mitarbeiter sowie Anwender von den Vorteilen des Industrial Metaverse sind entscheidend. Aber wie bei den meisten Initiativen hinsichtlich digitaler Transformation erfordert die Überwindung dieser Hürden eine branchenübergreifende Zusammenarbeit, Investitionen in Forschung und Entwicklung, die Entwicklung von Standards sowie gezielte Maßnahmen zur Schulung von Mitarbeitern.

Es scheint auch, als hätte der GenAI-Hype (generative KI) den Industrial-Metaverse-Ansätzen den Wind aus den Segeln genommen. Sehen Sie das auch so oder lassen sich möglicherweise Synergien erzielen?

M. Morwind: Es gibt sicherlich einen wachsenden Hype und Interesse im Bereich der GenAI, insbesondere in Bezug auf fortschrittliche Modelle wie GPT-3 und ähnliche Technologien. Diese generativen KI-Modelle haben beeindruckende Fähigkeiten in der Erzeugung von Texten, Bildern und sogar Musik gezeigt. Der GenAI-Hype hat in der öffentlichen Wahrnehmung viel Aufmerksamkeit erregt.

Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass der IndustrialMetaverse-Ansatz dadurch abgeschwächt wird. Tatsächlich können Synergien zwischen generativer KI und Industrial Metaverse geschaffen werden, beispielsweise im Hinblick auf die folgenden Aspekte:

  • Generierung von Inhalten für Schulungen und Simulationen: Generative KI kann Inhalte für Schulungen und Simulationen im Industrial Metaverse erstellen. So kann die Erstellung von realistischen Szenarien und Schulungsmaterialien erleichtert werden.
  • Benutzerinteraktion und virtuelle Assistenten: Generative KI kann dazu beitragen, fortschrittliche virtuelle Assistenten oder Bots im Industrial Metaverse zu entwickeln, um die Benutzerinteraktion zu verbessern und komplexe Aufgaben zu erleichtern.
  • Datenanalyse und Vorhersagen: Generative KI-Modelle können in der Lage sein, Muster und Trends aus großen Datensätzen im Industrial Metaverse zu extrahieren, um prädiktive Analysen und effiziente Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Es ist wichtig zu betonen, dass der GenAI-Hype und der Industrial-Metaverse-Ansatz unterschiedliche Schwerpunkte haben. Der GenAI-Hype konzentriert sich oft auf kreative Anwendungen. Das Industrial Metaverse zielt hingegen darauf ab, die industrielle Effizienz, Zusammenarbeit und Prozessoptimierung zu verbessern. Dennoch könnten sie sich ergänzen, indem GenAI-Technologien in die Entwicklung und Verbesserung von Anwendungen im Industrial Metaverse integriert werden. Letztendlich hängt der Erfolg davon ab, wie effektiv diese Technologien miteinander kombiniert werden können, um konkreten Nutzen für die Industrie zu schaffen.

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