Kühlkonzepte bedarfsgerecht dimensionieren

Angebotssicht im Airstream-Konfigurator

Bild 02: Angebotssicht im Airstream-Konfigurator (Quelle: Lütze)

Fronansicht eines im Airstream-Konfigurator erstellten Verdrahtungsrahmens.

Bild 03: Fronansicht eines im Airstream-Konfigurator erstellten Verdrahtungsrahmens. (Quelle: Lütze)

Lütze bietet mit dem Airtemp-Controller eine IoT-fähige Regeleinheit für den Schaltschrank.

Bild 04: Lütze bietet mit dem Airtemp-Controller eine IoT-fähige Regeleinheit für den Schaltschrank. (Quelle: Lütze)

Der Airstream- Schaltschrank-Konfigurator bietet digitale Planung, konsistente Datenmodelle und zukünftig praxisnahe Simulationen.

Bild 05: Der Airstream-Schaltschrank-Konfigurator bietet digitale Planung, konsistente Datenmodelle und zukünftig praxisnahe Simulationen. (Quelle: Lütze)

Neben der reinen Konfiguration rückt zunehmend die thermische Auslegung in den Fokus. Mit der geplanten Integration von Airtemp 2.0 erweitert Lütze den Funktionsumfang um realitätsnahe Temperaturprognosen für Schaltschränke mit Airstream-Verdrahtungssystem. Konstrukteure erfassen Geometrie, Einbausituation und Verlustleistungen der Komponenten und erhalten daraus abgeleitete Temperaturverläufe. Der Gleichzeitigkeitsfaktor wird ebenso berücksichtigt wie normative Anforderungen, etwa beim automatisierten Bauartnachweis gemäß der Normenreihe DIN EN IEC 61439 (VDE 0660-600) [2] inklusive Ermittlung der Schaltschrank-Innentemperatur. Dadurch lassen sich Kühlkonzepte bedarfsgerecht dimensionieren, Energieeinsparpotenziale identifizieren und die Betriebssicherheit langfristig absichern.

Ergänzt wird dieser Ansatz durch den IoT-fähigen Airtemp-Controller, der reale Betriebsdaten erfasst und Kühlgeräte gezielt ansteuern kann (Bild 4). Die Kommunikation erfolgt über etablierte, verschlüsselte Protokolle wie MQTT mit TLS-Absicherung oder OPC UA, dessen Sicherheitsmechanismen bereits integraler Bestandteil der Architektur sind. Damit bleibt die Einbindung in unterschiedliche IT-Infrastrukturen flexibel, ohne den Fokus vom eigentlichen Nutzen im Schaltschrankbau zu verschieben. Temperatur- und Betriebsdaten können lokal ausgewertet, in kundeneigene Cloudumgebungen integriert oder in eine von Lütze bereitgestellte Cloud übertragen werden. Besonders wertvoll ist dabei der Vergleich zwischen berechneten Soll- und real gemessenen Ist-Temperaturen: Er liefert belastbare Hinweise zur korrekten Dimensionierung der Kühltechnik und eröffnet zusätzliche Perspektiven für Energieeffizienz-Analysen sowie zustandsorientierte Wartungsstrategien.

Unterstützung bestehender Arbeitsweisen

Gerade im praktischen Schaltschrankbau zeigt sich, dass digitale Werkzeuge ihren Nutzen vor allem dann entfalten, wenn sie bestehende Arbeitsweisen unterstützen, statt ersetzen. Der Airstream-Konfigurator verfolgt genau diesen Ansatz. Die Software bildet bekannte Planungsschritte ab, reduziert jedoch manuelle Routinetätigkeiten und erhöht gleichzeitig Transparenz sowie Planungssicherheit. Für Anwender bedeutet das kürzere Projektlaufzeiten, geringeren Abstimmungsaufwand und eine bessere Nachvollziehbarkeit technischer Entscheidungen – Faktoren, die im zunehmend wettbewerbsintensiven Maschinen- und Anlagenbau spürbar an Bedeutung gewinnen.

Hinzu kommt ein systemischer Gedanke, der über einzelne Produkte hinausgeht. Durch die Kombination aus mechanischem Aufbau, thermischer Auslegung, digitaler Datenführung und optionaler IoT-Anbindung entsteht ein integriertes Ökosystem rund um den Schaltschrank. Dieses bleibt offen genug für unterschiedliche Kundenanforderungen, bietet aber gleichzeitig klar strukturierte Prozesse. Genau darin liegt ein möglicher Schlüssel für zukünftige Effizienzsteigerungen: weniger Insellösungen, mehr durchgängige Zusammenhänge entlang der Wertschöpfungskette.

Potenzial der Schaltschrankdigitalisierung

Der Airstream-Schaltschrank-Konfigurator steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die den Schaltschrankbau zunehmend prägt. Digitale Planung, konsistente Datenmodelle und praxisnahe Simulationen wachsen zusammen und schaffen neue Handlungsspielräume – nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug für zuverlässigere, energieeffizientere und wirtschaftlichere Lösungen (Bild 5). Lütze positioniert sich in diesem Umfeld mit einem Ansatz, der technologische Integration und praktische Anwendbarkeit bewusst verbindet. Für Konstrukteure und Schaltschrankbauer eröffnet sich dadurch die Perspektive, Planungsprozesse weiter zu vereinfachen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Projekte insgesamt robuster umzusetzen.

Ein Blick in die Zukunft zeigt zudem, welches Potenzial in der weiteren Digitalisierung der Schaltschrankplanung steckt. Mit dem zunehmenden Einsatz KI-gestützter Verfahren könnten Planungsprozesse künftig deutlich stärker automatisiert werden – etwa, wenn Bestandsanlagen modernisiert, Variantenkonstruktionen abgeleitet oder Umbauten unter Zeitdruck realisiert werden müssen. Denkbar sind Systeme, die auf Basis von Fotos oder 3D-Scans vorhandene Aufbauten erkennen, Komponenten identifizieren und daraus selbstständig geeignete Montagekonzepte inklusive passender Verdrahtungsrahmen generieren. Darauf aufbauend ließen sich Platzierung, Verdrahtungsführung und thermische Auslegung nicht nur statisch berechnen, sondern unter Einbeziehung realer Betriebs- und Lastdaten dynamisch optimieren. Simulation und Realität würden damit enger zusammenrücken: Temperaturverläufe, Verlustleistungen oder Gleichzeitigkeiten könnten kontinuierlich nachgeführt und in die Planung zurückgespielt werden. Für den Schaltschrankbau eröffnet sich so die Perspektive eines lernenden Systems, das aus bestehenden Projekten Erkenntnisse ableitet und zukünftige Konstruktionen zunehmend vorausschauend unterstützt – ein Entwicklungspfad, der die heute bereits sichtbaren digitalen Ansätze konsequent weiterdenkt.

Literatur

  1. Friedrich Lütze GmbH, Weinstadt: www.luetze.com
  2. DIN EN IEC 61439 (VDE 0660-600): Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen. Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
Daniel Haag ist Global Product Manager Inside Cabinet bei der Friedrich Lütze GmbH in Weinstadt. daniel.haag@luetze.de
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