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Bild 01: Rittal ePocket: Direkter Zugriff auf Dokumente am Schaltschrank (Quelle:Rittal)

Wer sich einmal mit der Dokumentation im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt hat, der weiß um die Herausforderungen, die das Thema an viele Unternehmen stellt.

Verordnungen münden. Ein Beispiel hierfür ist die bereits in den 1990er-Jahren verabschiedete Maschinenverordnung, die das Inverkehrbringen von neuen Maschinen regelt. Die Maschinenverordnung hat unter anderem die bekannte Maschinenrichtlinie 2006/42/EG der EU umgesetzt. Daneben gibt es auf EU-Ebene harmonisierte europäische Normen, die bereits darauf abgestimmt sind, die Anforderungen der Richtlinien zu erfüllen.

Arbeitsschutz im Fokus

Für den Schaltschrankbau und die Industrie bedeutet das, dass eine lückenlose Dokumentation zwingend notwendig ist. Die Bedeutung geht aber über die Regulierung hinaus, denn eine zuverlässige Dokumentation leistet einen großen Beitrag für ein sicheres Arbeitsumfeld. Im Normalfall sind weder Zulieferer noch Hersteller zur Stelle, wenn Mitarbeiter in den Fabriken an der Anlage hantieren. Im Schaltschrankbau enthält eine präzise Dokumentation detaillierte Informationen über die Verdrahtung, die verwendeten Komponenten, die Spezifikationen und die Schutzmaßnahmen. Das verhindert Gefahren wie Kurzschlüsse oder Überlastungen – und das sowohl bei der Inbetriebnahme, im späteren Betrieb wie auch bei Wartungsarbeiten. Natürlich ist auch der Arbeitsschutz gesetzlich geregelt, unter anderem in der Richtlinie 2009/104/EG über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz, die der Bundestag in der sogenannten Betriebssicherheitsverordnung umgesetzt hat (Bild 2).

Risikobeurteilung als Teil der technischen Unterlagen

Ein wichtiger Punkt in der Dokumentation ist dabei die Risikobeurteilung. Hersteller sind dazu verpflichtet, eine entsprechende Analyse durchzuführen, potenzielle Risiken zu identifizieren und zu reduzieren. Dazu werden die Grenzen der Maschine gemäß dem bestimmungsgemäßen Gebrauch, der Umgebung und den Nutzergruppen festgelegt. Anschließend identifizieren Unternehmen Gefährdungen über alle Phasen des Lebenszyklus hinweg, betrachten alle möglichen Handlungen der Mitarbeiter und erkennen Verletzungsrisiken und potenzielle Sachschäden. Anschließend muss das Risiko gemindert werden: Das geschieht über eine inhärent sichere Konstruktion des Systems, passende Schutzmaßnahmen und die Anwendung von harmonisierten Normen. All diese Maßnahmen sollten in den technischen Unterlagen der Anlage dokumentiert werden. Die bestehenden Restrisiken für den Benutzer sind davon abgegrenzt ebenfalls Teil der Benutzerdokumentation. Die Gesetzgebung nimmt allerdings nicht nur die Hersteller in die Pflicht, sondern auch die Betreiber der Anlagen. Um den freien Informationsfluss zu gewährleisten, ist eine umfassende Dokumentation daher unerlässlich.

Wie die technischen Unterlagen aussehen können, zeigt das Beispiel der Niederspannungsrichtlinie. Die EU-Richtlinie ist neben der EMV-Richtlinie ein zentrales Regelungselement für die Sicherheit elektrisch betriebener Geräte. Sie fordert eine Vielzahl an Unterlagen ein, darunter eine allgemeine Beschreibung der elektrischen Betriebsmittel, aber auch die Entwürfe und Fertigungszeichnungen von Bauteilen, Montage-Untergruppen oder Schaltkreisen. Hinzu kommen die Risikobeurteilung, aber auch eine Liste der angewandten Normen sowie die Ergebnisse von Konstruktionsberechnungen und Prüfungen. Hilfreich sind außer dem die CE-Erklärungen der Komponenten mit den zugehörigen Betriebsanleitungen.

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