Zuverlässigkeit an erster Stelle

Abbildung von TIA Selection Tool

Bild 02: TIA Selection Tool: Hilfe stellung zum Kurzschluss nachweis und Safety-Evaluation (Quelle: Siemens)

Die notwendigen Unterlagen müssen nicht nur möglichst vollständig sein, sondern auch richtig. Die Betriebssicherheitsverordnung sieht vor, dass der Arbeitgeber als Betreiber davon ausgehen können muss, dass die vom Hersteller mit gelieferten Informationen zutreffend sind. Das erlaubt den Betreibern auch, auf die Schaffung weiterer Maßnahmen zu verzichten, wenn das Produkt ausschließlich gemäß den Vorgaben des Herstellers verwendet wird. Eine besondere Rolle spielt die Wartung: Betreiber von Maschinen und Anlagen sind verpflichtet, die geltenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen einzuhalten und dabei die Herstellerangaben zu berücksichtigen. Allerdings liegt ein mögliches Problem bereits im Begriff Herstellerangabe, denn eine lückenlose Dokumentation findet bereits viel früher in der industriellen Wertschöpfung statt. Im Schaltschrankbau setzen Unternehmen häufig auf die sogenannte „verlängerte Werkbank“ – externe Dienstleister, die einzelne Fertigungsschritte wie die Montage, die Planung oder die Entwicklung übernehmen.

Hersteller gibt Risikobeurteilung an Dienstleister weiter

Auch die verlängerte Werkbank ist von den Dokumentationspflichten betroffen und muss zur Dokumentation des Produkts beitragen. Dabei ist ein zentrales Vorgehen des Herstellers von Vorteil – er führt gemäß seinen rechtlichen Pflichten eine Risikobeurteilung durch und fertigt eine technische Spezifikation für den Schaltschrank an. Die Aufgabe der verlängerten Werkbank ist es dann, die Arbeiten gemäß der Spezifikation durchzuführen und am Ende nachzuweisen, dass das Produkt den Anforderungen entspricht. In der Normengruppe DIN EN IEC 61439 (VDE 0660-600) [1] wird dieses Vorgehen als Stücknachweis bezeichnet. Für den Hersteller, der schließlich die Verantwortung trägt, bedeutet das, dass er sämtliche Informationen der Zulieferer in seiner Dokumentation zusammenführt und für einen Zeitraum von zehn Jahren abspeichert. Das heißt allerdings nicht, dass die Informationen auch dem späteren Endkunden zur Verfügung gestellt werden müssen, etwa dann, wenn es um schützenswertes Wissen geht.

Die Zukunft ist digital

Schluss mit endlosen Aktenbergen: Die Politik hat erkannt, dass auch in der Dokumentation die Zukunft digital ist. Dank einer Aktualisierung des Leitfadens zur Maschinenrichtlinie 2006/42/EG im April 2024 ist es bereits heute möglich, Anlagendokumentationen digital bereitzustellen. Dies ist eine Vorwegnahme der Bestimmungen der neuen Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, die ab dem 20. Januar 2027 in Kraft tritt und ein klares Bekenntnis zur digitalen Dokumentation darstellt. Das geht weit über das Senden von E-Mails hinaus. Mithilfe digitaler Tools wie Eplan eManage oder Eplan eView können Unternehmen ihre Dokumentation intelligent regeln und stellen sicher, dass alle Beteiligten immer auf dem aktuellen Stand sind.

Die digitale Schaltplantasche ePocket von Rittal [2] ermöglicht den Transfer von Informationen zu Kunden, so dass alle Informationen digital vorliegen. Mit der Nutzung von ePocket in der Konstruktion und Dokumentation stehen die notwendigen Informationen sofort durch den digitalen Prozessablauf zur Verfügung – das reicht von der Schaltplanerstellung mit Eplan Electric P8 über die Erstellung des digitalen Zwillings mit dem Eplan Pro Panel bis hin zur Rittal ePocket. Durch die digitale Lösung sparen Unternehmen Druckkosten bei der Erstellung von Unterlagen, verringern ihren CO2-Fußbabdruck und halten die Daten für alle Projektbeteiligten stets aktuell. Dank einer transparenten Änderungsverfolgung und automatischen Benachrichtigungen können Änderungen nicht verloren gehen. Trotz aller Digitalisierung kann es allerdings weiterhin empfehlenswert sein, sicherheitsrelevante Informationen wie Transport- und Montagehinweise oder Sicherheitsinformationen in Papierform beizulegen.

Dokumentation: Ein wichtiges Werkzeug für das sichere Arbeiten

Der Schlüssel für eine zuverlässige Dokumentation liegt in der Vollständigkeit. Die Mitarbeiter an den Anlagen müssen jederzeit Zugriff auf alle relevanten Informationen haben. Für Hersteller bedeutet der Umgang mit den Dokumentationspflichten und den rechtlichen Rahmenbedingungen durchaus einen Aufwand – sie zahlt aber maßgeblich auf das seriöse Auftreten als Hersteller ein. Und letztlich kann jede Zeile im Fall der Fälle die maßgebliche Information für ein sicheres Arbeitsumfeld bereithalten.                                                                                                                                                                       

Literatur

  1. DIN EN IEC 61439 (VDE 0660-600) Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen. Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
  2. Rittal GmbH & Co. KG, Herborn: www.rittal.de
Matthias Schüler ist verantwortlich für den Vertrieb von Rittal Automation Systems in Deutschland und verfasste den Beitrag für die Initiative Schaltschrankgestalter.
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