Bild 01: Der Layoutgenerator von Electrix AI 2026 generiert aus Stromlaufplänen automatisch ein normgerechtes Schaltschranklayout. (Quelle: WSCAD)
Die Mechanismen zur Automatisierung von Vorgängen bisheriger E-CAD-Systeme arbeiten nach dem Prinzip des Case Based Reasoning (CBR): Sie greifen auf hinterlegte Beispiele und Regeln zurück. Diese Systeme laufen immer in der einmal eingestellten Art und Weise ab. Sie sind zwar stabil, aber nicht lernfähig. Mit Electrix AI ging WSCAD [1] Ende 2024 einen Schritt weiter. Die KI-basierte E-CAD-Anwendung verfügt über einen AI-Copiloten, der natürliche Sprache versteht, elektrotechnisches Wissen anwendet und Fragen direkt beantworten kann – etwa: „Welchen Draht brauche ich für 32 A?“ oder „Erstelle mir zum Plan 007 eine Materialliste und einen Klemmenplan.“ (Bild 2). Was bislang viele Klicks und Zeit erforderte, erfolgt jetzt in Sekundenschnelle – ganz ohne Kenntnis der Menüstrukturen der Software. Damit entstand im E-CAD erstmals eine intelligente Schnittstelle zwischen Mensch und System: Der Ingenieur fragt oder gibt Anweisungen – die Software versteht, interpretiert und liefert fundierte Ergebnisse.
Automatischer Import von elektrischen Schaltplänen
Mit Electrix AI 2026 setzt WSCAD den Ausbau seiner KI-Architektur fort. Ein neues Element ist der automatische Import von Schaltplänen aus PDF- oder DWG-Dateien mithilfe von KI – ein Schritt mit großer praktischer Bedeutung für Instandhalter und Schaltschrankbauer. Denn in vielen Unternehmen liegen Dokumentationen noch immer als Papierordner oder PDF-Dateien vor. Diese Pläne enthalten wertvolle Informationen, lassen sich jedoch bislang kaum weiterverarbeiten. Die E-CAD-Software erkennt beim Einlesen automatisch Symbole, Leitungen sowie Funktionsgruppen und überführt sie in ein intelligentes Projekt mit dem direkt weiter gearbeitet werden kann. Maschinen- und Anlagendokumentationen in DWG-, PDF- oder Papierform sind so als Grundlage für den digitalen Zwilling schnell digitalisiert.
Für Schaltschrankbauer bringt diese Funktion erhebliche Vorteile: Sie erhalten Projektdaten ihrer Auftraggeber häufig in unterschiedlichen Formaten. Der KI-gestützte Import konvertiert diese Unterlagen in ein bearbeitbares WSCAD-Datenmodell. So können Konstrukteure unabhängig vom ursprünglichen Dateiformat weiterarbeiten und Projekte ohne Medienbrüche fortführen. Electrix AI 2026 schafft damit eine Brücke zwischen analoger Dokumentation und digitaler Intelligenz – ein wichtiger Schritt hin zum vollständig vernetzten Engineering.
In Verbindung mit der in der WSCAD-Lizenz enthaltenen Cabinet AR App eröffnet sich insbesondere für Instandhalter ein deutlicher Mehrwert: Denn über zuvor angebrachte QR-Labels und einem einfachen Scan per Smartphone oder Tablet erhalten sie vor Ort sofort Zugriff auf alle relevanten Informationen – von der passenden Schaltplanseite über Artikeldaten bis hin zu Herstellerdatenblättern. Mit der 3D-Ansicht des Bauteils können schnell Anschlüsse auf der Rückseite einer Komponente virtuell betrachtet werden, ohne das Bauteil ausbauen zu müssen. Auch Ersatzteilanforderungen lassen sich direkt aus der App heraus anstoßen, während Änderungen vor Ort über die integrierte Redlining-Funktion automatisch in die Dokumentation zurückgespielt werden. Das Ergebnis ist ein gelebter und stets aktueller digitaler Zwilling, der jederzeit den realen Zustand der Anlage widerspiegelt.