Bild 01: Ziel bei Schneider Electric ist, bereits 2026 im gesamten Edelstahl-Schaltgehäuseportfolio CO2-neutral zu werden. (Quelle: Schneider Electric)
Verantwortungsvoller Umgang beispielsweise mit Kunststoff wird zur Schlüsselfrage für Unternehmen, besonders in der produzierenden Industrie. Zwar steigen ökologisches Bewusstsein und der regulatorische Druck zur Quotenerfüllung recycelter Materialien, doch werden Kunststoffabfälle hierzulande noch immer überwiegend verbrannt statt recycelt. Die Studie Sustainable Plastics „Wo steht die deutsche Wirtschaft beim nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen?“ [1] von Schneider Electric [2] und dem Handelsblatt Research Institute [3] belegt die Lücke zwischen Nachhaltigkeitszielen und Realität in der deutschen Wirtschaft, gleichzeitig werden zentrale Hebel aufgezeigt, wie zum Beispiel die konsequente Integration von Recyclingfähigkeit bereits im Produktdesign. Die Ergebnisse machen Mut – innovative Produktentwicklung kann die Recyclingquote deutlich erhöhen.
Mix aus Metallen und recycelten Kunststoffen
Lange galten beispielsweise recycelte Kunststoffe im Schaltschrankbau als problematisch. Zu groß waren die Bedenken hinsichtlich der Materialeigenschaften, zu teuer der Einkauf der Recyklate, zu ungewiss die Qualitäten. Doch moderne Aufbereitungstechnologien und preislich marktfähige Kunststoffverbundmaterialien haben Zweifel ausgeräumt. Als ein wichtiger Schritt in Richtung klimaneutraler Industrie zeigen nachhaltige Schaltschrankgehäuse beispielhaft, wie ökologische Verantwortung und technische Hochleistung in der Praxis vereinbar sind.
Bei der Entwicklung nachhaltiger Schaltschrankgehäuse setzt Schneider Electric auf zwei zukunftsfähige Materialvarianten: klimaneutral hergestellte Stahlgehäuse und Kunststofflösungen, bei denen ein möglichst hoher Recyclinganteil im Mittelpunkt steht, ohne Kostensteigerung und Kompromisse in der Qualität (Bild 1). Bereits 2024 launchte Schneider seine TBS-Industriegehäuse mit 45 % recyceltem ABS-Anteil (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer), einem Allrounder-Kunststoff mit hoher Festigkeit und Schlagzähigkeit, als Pilotprojekt. Die Wandgehäuse der Panelset-PLM-Reihe, die Anfang des Jahres eingeführt wurden, bestehen aus Polyestermaterial mit 37 % recycelten Anteilen. Das dazu verwendete SMC-Polyester (Sheet Molding Compound) besteht aus Harz, Glasfaser und Füllstoff, ergänzt durch Pigmente zur Farbgebung. Der konventionelle Füllstoff wird dabei zu 100 % durch Calciumcarbonat aus Industrieabfällen ersetzt. Das Schaltschrankgehäuse behält Aussehen, Qualität und technische Spezifikationen der Vorgängermodelle – auch der Preis bleibt gleich, sodass Nachhaltigkeit wirtschaftlich attraktiv wird. „Unser Unternehmensziel ist es, bis 2050 in unserer gesamten Lieferkette CO2-neutral zu sein. Mit dem hohen Einsatz von recyceltem Polyester in unseren Wandgehäusen der Panelset-PLM-Reihe sammeln wir erste praktische Erfahrungen auf diesem Weg. Das Ergebnis zeigt: gleiches Produkt, gleicher Preis, gleiche Qualität – aber ein um rund 6 % reduzierter CO2-Fußabdruck“, so Dennis Mänche, Channel Manager Schaltanlagenbau & Großinstallateure für Deutschland und Österreich bei Schneider Electric. Die CO2-Reduktion des Materials wurde durch unabhängige Drittorganisationen wie der PEP ecopassport [4] und der Prüfstelle Bureau Veritas [5] zertifiziert und gemeinsam mit dem Materiallieferanten auditiert.
Die modular aufgebauten Gehäuselösungen sind maßgeschneidert für den Innen- oder Außenbereich als Box, Wand- oder Standschrank verfügbar. Wartungsfreundlich konzipiert, erlauben sie einfache Reparaturen und Upgrades, was den gesamten Lebenszyklus effizienter und umweltfreundlicher gestaltet. Auch das Innenleben zahlt auf Nachhaltigkeit ein, von der Verkabelung bis zur Steuerungstechnik. Softwarelösungen von Schneider Electric, wie intelligente Konfiguratoren, reduzieren Fehler und steigern die Effizienz; präzise Planungstools für den Anwender minimieren Materialverschwendung oder aufwendiges Nacharbeiten. Zusätzlich stehen energieeffiziente Kühllösungen zur Verfügung, die die Betriebssicherheit erhöhen und den Energieverbrauch reduzieren. „Als letzten Schritt haben wir die gesamte Produktdokumentation papierlos umgesetzt. Statt physischer Beilagen sind alle relevanten Information nun über einen QR-Code auf dem Produkt digital abrufbar. Kunden erhalten so jederzeit schnellen Zugriff auf aktuelle Dokumente wie Zertifikate oder Handhabungshinweise“, erläutert D. Mänche.