Breite KI-Nutzung

Das erste Weidmüller-Produktionsgebäude nach dem Neustart in Detmold 1948 (links) und das neue Elektronikwerk in Detmold (rechts), eröffnet im Jubiläumsjahr 2025 – ein Bekenntnis zum Hauptstandort und eine langfristige Stärkung der eigenen Elektronikkompetenz

Das erste Weidmüller-Produktionsgebäude nach dem Neustart in Detmold 1948 (links) und das neue Elektronikwerk in Detmold (rechts), eröffnet im Jubiläumsjahr 2025 – ein Bekenntnis zum Hauptstandort und eine langfristige Stärkung der eigenen Elektronikkompetenz (Quelle: Weidmueller)

Dr. Timo Berger, Chief Technology Officer von Weidmüller

Dr. Timo Berger, Chief Technology Officer von Weidmüller (Quelle: Weidmüller)

Weidmüller hat im Jahr 1948 die erste kunststoffisolierte Reihenklemme entwickelt – auf dieser Grundlage folgten Anfang der 1950er- Jahre die Reihenklemmenserie SAK (Schaltanlagen- Anreih-Klemmen).

Weidmüller hat im Jahr 1948 die erste kunststoffisolierte Reihenklemme entwickelt – auf dieser Grundlage folgten Anfang der 1950er-Jahre die Reihenklemmenserie SAK (Schaltanlagen-Anreih-Klemmen). (Quelle: Weidmüller)

Eine der neuesten Weidmüller-Innovationen: 2021 präsentierte das Unternehmen die Snap- In-Anschlusstechnologie, mit der unter anderem automatisierte Verdrahtungsprozesse möglich sind.

Eine der neuesten Weidmüller-Innovationen: 2021 präsentierte das Unternehmen die Snap-In- Anschlusstechnologie, mit der unter anderem automatisierte Verdrahtungsprozesse möglich sind. (Quelle: Weidmüller)

Das IO-System u-remote von Weidmüller feierte kürzlich sein zehntes Jubiläum. Bekannt wurde es vor allem durch seinen kompakten und modularen Aufbau.

Das IO-System u-remote von Weidmüller feierte kürzlich sein zehntes Jubiläum. Bekannt wurde es vor allem durch seinen kompakten und modularen Aufbau. (Quelle: Weidmüller)

Dr. Thomas Bürger, Executive Vice President Automation Products & Solutions

Dr. Thomas Bürger, Executive Vice President Automation Products & Solutions (Quelle: Weidmüller)

Enabler from data to value: Entlang von vier Ebenen ermöglicht Weidmüller seinen Kunden, aus den entstehenden Daten in der Produktion Mehrwerte zu schaffen.

Enabler from data to value: Entlang von vier Ebenen ermöglicht Weidmüller seinen Kunden, aus den entstehenden Daten in der Produktion Mehrwerte zu schaffen. (Quelle: Weidmüller)

Das Betriebssystem u-OS vereint die Automatisierung mit den Möglichkeiten des Industrial IoT auf nur einem Gerät. Es erlaubt die schnelle und effiziente Datenvorverarbeitung direkt an der Maschine genauso wie die präzise Steuerung der Maschine.

Das Betriebssystem u-OS vereint die Automatisierung mit den Möglichkeiten des Industrial IoT auf nur einem Gerät. Es erlaubt die schnelle und effiziente Datenvorverarbeitung direkt an der Maschine genauso wie die präzise Steuerung der Maschine. (Quelle: Weidmüller)

Data Analytics ist allerdings nur ein Bereich, in dem Weidmüller die KI-Möglichkeiten nutzt. Prinzipiell ist Dr. T. Bürger überzeugt: „Die Innovationsgeschwindigkeit und der Wirkungsradius von KI sind immens. Brauchten bahnbrechende Technologien früher meist zehn Jahre, bis sie sich etabliert hatten, ist das bei KI anders.“ Im eigenen Unternehmen würden derzeit alle Einsatzmöglichkeiten ausgelotet – angefangen beim Einkauf, über die Fertigung bis hin zur Softwareentwicklung. Auch im Support befindet sich ein Chatbot derzeit in Vorbereitung für den Release. Es entsteht eine komplette Support-Plattform auf KI-Basis. „Wir haben eine ganze Liste mit möglichen Ansatzpunkten erstellt. Parallel wurden Richtlinien zur KI-Nutzung erarbeitet und Mitarbeiter geschult. Aufgrund der Dynamik der KIEntwicklung sind wir intern gefordert, ständig den Nutzen, der sich für Kunden ableiten lässt, auszuloten und nutzbringend umzusetzen“, berichtet er.

Übergreifende Trends im Fokus

Darüber hinaus befasst sich Weidmüller auch mit Themen, die sich aktuell noch in einer recht frühen Entwicklungsphase befinden, wie der DC-Technologie, 5G sowie SPE.

„DC-Technologie spielt rund um die Energieeffizienz eine zentrale Rolle. Hier engagieren wir uns unter anderem in der Open DC Alliance (ODCA). Außerdem tauschen wir uns regelmäßig mit Endkunden aus, um aktuelle Bedürfnisse und Erwartungen frühzeitig zu erkennen“, berichtet Dr. T. Berger. Vorladesteuerungen und Infrastrukturlösungen für DC-Architekturen werden bereits angeboten. Ein weiterer Fokus liegt auf der 5G-Technologie. Bereits auf dem eigenen Gelände in Detmold wurden Campus-Netzwerke eingerichtet, um erste Erfahrungen zu sammeln. „Auch hier sind wir in verschiedenen Fachgremien aktiv, darunter der 5GACIA, und beteiligen uns am fachlichen Austausch mit anderen Akteuren“, so Dr. T. Berger. Die Erkenntnisse aus diesen Initiativen fließen direkt in die Produktentwicklung ein. Die Weiterentwicklung von LTE-Modulen hin zu 5G erfolge nahtlos und sei bereits weit fortgeschritten.

Auch das Thema Single Pair Ethernet (SPE) nimmt Fahrt auf. Als besonders erfreulich bezeichnet er, dass nun Klarheit über den Steckerstandard innerhalb der PNO herrscht – „ein wichtiger Schritt für die gesamte Industrie“, so der Technologievorstand. Die Veränderungen in den Topologien würden neue Anwendungsmöglichkeiten mit sich bringen, was zusätzlichen Mehrwert für Kunden schaffe. „Sensoren können künftig noch enger in standardisierte Kommunikationsprotokolle eingebunden werden – das entspricht unserem ,from Data to Value‘-Ansatz“, erklärt er. Mit ersten Modellen hat Weidmüller auf der SPS 2024 bereits einen Einblick in die künftige Entwicklung gegeben. „Sobald die Stecker endgültig spezifiziert sind, werden sie sukzessive in unser Standardportfolio integriert – in enger Abstimmung mit den Kunden, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden“, sagt Dr. T. Berger.

Neues Elektronikwerk

Zu den größten baulichen Investitionen in der Unternehmensgeschichte zählt das Elektronikwerk am Standort Detmold. „In der Ohmstraße – passender könnte der Ort nicht gewählt sein“, sagt Dr. T. Berger. Hier ist auf einer Grundfläche von 8000 m2 ein mehrgeschossiges Gebäude mit insgesamt über 18000 m2 Nutzfläche entstanden. Das Gebäude wurde mit Fokus auf Effizienz und Nachhaltigkeit konzipiert. „Reversible Wärmepumpen, Wärmerückgewinnung aus der Produktionsabwärme und eine 600-kW-Peak-Photovoltaikanlage auf dem Dach setzen Maßstäbe in Sachen Energieeffizienz. Ein klarer Fokus: Nachhaltigkeit nicht nur als Schlagwort, sondern als gelebte Praxis“, sagt er. Inhaltlich geht es darum, gerade mit dem wachsenden Produktprogramm, für das Weidmüller mit der Elektronik und Automatisierung steht, eine Heimat zu bieten. Prozesse, wie Leiterplattenbestückung, Montage der Komponenten, aber auch die Kunststofffertigung vor Ort und die logistischen sowie Qualitätsprozesse unter einem Dach zu haben, nennt er als Vorteile. Als weiteren wichtigen Aspekt bezeichnet er, die Entwicklung nah an der Fertigung bzw. der Fertigungsplanung zu positionieren. „Dieser Aspekt ist ganz entscheidend im Hinblick auf Geschwindigkeit und Qualität. Und dem entsprechen wir nun mit unserem neuen Werk zu 100 %“, so Dr. T. Berger.

Die Top-3-Herausforderungen

Nach den drei größten Herausforderungen aus Weidmüller- Sicht gefragt, scherzt Dr. T. Berger: „Da müssen wir kurz überlegen – wir könnten direkt 30 aufzählen.“ Dann zählt er auf: „Fachkräftemangel, Klimawandel und Produktivität.“

„Aufgrund der konjunkturellen Lage scheint sich der Fachkräftemangel aktuell etwas zu entspannen. Aus unserer Sicht ist das jedoch nur ein vorübergehender Zustand, der sich wieder ändern wird. Wir bieten unseren Kunden die entsprechenden Technologien und Lösungen, um Abhilfe zu schaffen“, gibt er an. Als ein Beispiel nennt er die Snap-In-Anschlusstechnik, mit der Arbeitsprozesse schneller, präziser und ready to-robot durchführbar sind. Als zweites führt er Lösungen für einen hoch automatisierten Schaltanlagenbau an. „Unser Rail Assembler beispielsweise ermöglicht in Kombination mit dem Weidmüller Configurator die vollautomatische Bestückung von Tragschienen. Durch seine Nutzung entfällt das Kommissionieren, Zuordnen und Positionieren einzelner Klemmen. So lässt sich bei der Bestückung bis zu 60 % Zeit einsparen. Und mit unserem RailLaser wird in Verbindung mit dem Configurator eine vollautomatische Beschriftung vorbestückter Klemmenleisten möglich“, nennt er einige Beispiele rund um den Schaltanlagenbau. „Diese Automatisierungsmöglichkeiten der Prozesse helfen unseren Kunden, den Fachkräftemangel abzufedern.“ Außerdem führt er noch einmal den Chatbot an, der aktuell im Support Center ausgerollt wird. „Mit diesem ermöglichen wir schnelle und direkte Hilfe – auf der einen Seite für unsere Kunden, aber auch für uns. So können wir über dessen Mechanismen technisch versierten Support schnell und punktgenau bieten“, berichtet er.
Und dann geht er zur zweiten Herausforderung über, dem Klimawandel. „Wir sind in vielen Technologiebereichen, die diesem entgegenwirken, optimal aufgestellt: Sei es bei der nachhaltigen Energieerzeugung, zum Beispiel Wind, PV, Wasserstoff, bis hin zur Batteriespeicherung. Hier kommen überall Lösungen aus unserem Haus zum Einsatz“, informiert Dr. T. Berger. Zudem würde seit vielen Dekaden das Thema Nachhaltigkeitsmanagement inhabergetrieben im Fokus stehen. Als konkretes Beispiel nennt er die zirkuläre Wertschöpfung. „Wir setzen an einigen Stellen auf recycelte Werkstoffe, zum Beispiel nutzen wir recycelte Materialien für die Handgriffe unserer Werkzeuge“, gibt er an. Mit Blick auf die dritte Herausforderung, nämlich die Produktivität, kommt er  noch einmal auf das Betriebssystem u-OS zurück. „Es verbindet auf sehr einfache Weise Automatisierung und Digitalisierung. Damit ermöglichen wir unseren Kunden, ihre Effizienz und Produktivität zu steigern“, sagt Dr. T. Berger. Dazu müssen im ersten Schritt die Daten erfasst werden. Dann können sie ausgewertet, aufbereitet, verstanden und daraus Schlüsse abgeleitet werden. Mittels der Daten lässt sich beispielsweise analysieren, bei welchen Temperaturen eine Anlage im Optimum läuft. Zudem können verschiedene Anlagen miteinander verglichen werden. „Mit unserem u-OS und unseren weiteren Softwarelösungen sind wir perfekt aufgestellt, um unsere Kunden bei der Steigerung ihrer Produktivität zu unterstützen“, betont er. Und last but not least bringt er noch das Thema. Cybersecurity ein, das man unter anderem durch die IEC-62443-4-1-Zertifizierung sowie Partnerschaften mit Fortinet oder Orange Cyberdefense abdecke.

Positiver Ausblick

Abschließend weist Dr. T. Berger darauf hin: „Obwohl wir in wirtschaftlich unsicheren Zeiten leben, sind wir mit der Elektro- und Automatisierungsindustrie sowie dem Maschinenbau zukunftsorientiert positioniert. Wir sind die Enabler und die Treiber, um den Herausforderungen zu begegnen – ohne uns geht es nicht.“ Er ist überzeugt, dass die aktuellen Wellenbewegungen verstärkt auch in den nächsten Jahren anhalten werden. „Wir gehen davon aus, dass zukünftig weiterhin ein solides Wachstumspotenzial vorhanden ist. Damit haben wir unsere Zukunft selbst in der Hand – und Innovationen sind ein wichtiger Teil davon.“

Dr. T. Bürger ergänzt: „Weidmüller steht seit 175 Jahren für Innovation. Dank vielfältiger Innovationen wurden in diesem Zeitraum schon viele Krisen überwunden und immer wieder Fortschritt generiert. Das wird auch in Zukunft so sein – Pioniergeist liegt in unserer DNA.“ Und genau das drückt das Unternehmen in seinem Jubiläumsmotto aus: Pioneering since Day One!

www.weidmueller.de

Inge Hübner
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