Das Portfolio der Automatisierungsplattform ctrlX Automation wird stetig erweitert. (Quelle: Bosch Rexroth)
„Bis heute haben wir eine Vielzahl an Innovationen auf den Markt gebracht – allen voran unsere revolutionäre Idee absoluter Offenheit. Diese umfasst auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit weiteren Unternehmen. Und trotz zahlreicher Herausforderungen auf unserem Weg haben wir bis heute Immenses erreicht“, sagte Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth, auf der Fachpressekonferenz im September in Ulm. Auf der Innovationsreise durch den Tag ging er dann über zur Steuerung ctrlX Core plus, die nun auf allen Leistungsebenen mit KI-Funktionen verfügbar ist. Dazu wurde sie mit größerer Rechenleistung und mehr Speicher sowie zusätzlichen Kommunikationsoptionen ausgestattet.
Parallel erhöhen skalierbare IPC mit Nvidia-2000A-GPU die Rechen- und Bildverarbeitungsleistung für anspruchsvolle Vision- und KI-Workloads an der Edge. „Wir bieten unsere IPC nun mit vorinstalliertem Betriebssystem ctrlX OS an“, berichtete S. Winkler weiter. Ferner verwies er auf das neue Line-up der HMI, das doppelt so viel Leistung und einen kleineren Footprint biete. Im Weiteren ging er auf das ctrlX-IO-Portfolio ein, das um 23 neue Module ergänzt wurde. Und auch im Antriebsportfolio von ctrlX Drive ist die Varianz gestiegen: kompakter, energieeffizienter, schaltschranklos und hochmodular lauten die Stichworte. Mit Blick auf die ctrlX-Flow-Familie zeigte er neue, kleinere Mover für das Planarsystem ctrlX Flow6D und verwies auf eine Weiche für spezifische Topologien und Anordnungen beim linearen Motion-System ctrlX FlowHS.
Komplettlösungen mit Solution Sets
Im letzten Jahr bereits angedacht und nun vorgestellt, wurden im Folgenden vorkonfigurierte Komplettlösungen, sogenannte Solution Sets. „Sie integrieren optimal abgestimmte Hard- und Softwarekomponenten für bestimmte Anwendungsfälle. Damit reduzieren wir die Integrationsrisiken und Projektlaufzeiten für unsere Kunden“, erklärte S. Winkler. Als anschauliches Beispiel zeigte er das Solution Set „Mobile Robots“. Es bündelt Steuerung, IO-Module und eine lasergestützte Lokalisierungssoftware, die mobile Roboter und manuelle Gabelstapler präzise positioniert. „Unsere Solution Sets beschleunigen die Timeto-Value erheblich. Sie orientieren sich an typischen Use-Cases und ermöglichen die schnelle Umsetzung von Projekten“, so S. Winkler.
Neue Partner
Aber nicht alleine das ctrlX-Automation-Portfolio wächst, sondern auch die ctrlX Partner World. Mit spannender Inszenierung wird nahezu in jedem Jahr zusätzlich ein neuer OEMPartner rund um das Linux-basierte, offene Betriebssystem ctrlX OS vorgestellt. Bosch Rexroth hatte dieses vor drei Jahren für Drittanbieter, einschließlich Mitbewerber, zugänglich gemacht. Mittlerweile sind Wago, Dell Technologies, congatec und Nokia offizielle OEM-Partner. Als neuen ctrlX OS OEM präsentierte Carina Heil, Lead BizOps – Business Operations, in diesem Jahr Advantech. Als Ziel ihrer Zusammenarbeit geben beide Unternehmen an, den Aufbau und die Anpassung von Edge-Lösungen deutlich vereinfachen zu wollen. Dazu soll auf dem Hardwareportfolio von Advantech mit ctrlX OS eine Softwarebasis etabliert werden, mit der sich unterschiedliche industrielle Anforderungen flexibel umsetzen lassen. Zunächst sollen die Edge-IPC der Uno-Serie ab Werk mit dem Linux-basierten ctrlX OS und vorinstallierten Apps, wie Firewall, Node-RED, InfluxDB und IoT-Dashboard, aus dem ctrlX OS Store ausgeliefert werden. „Die Apps und Hardwaremodule ermöglichen Kunden eine einfache und schnelle Konfiguration von IoT-Gateways“, geben die Partner an.
„Unsere Partnerschaft mit Advantech ist ein Paradebeispiel für Co-Creation in der industriellen Digitalisierung. ctrlX OS bringt Softwareinnovationen direkt in die Produktwelt des weltweit agierenden IPC-Herstellers ein. So schaffen wir gemeinsam neue Spielräume für Partner und Kunden“, sagte S. Winkler.
Jash Bansidhar, Leiter IoT Automation bei Advantech, ergänzte: „Die Anforderungen im industriellen Umfeld verändern sich rasant. Kürzere Produktlebenszyklen und eine höhere Systemkomplexität erfordern flexible, skalierbare Plattformen. Mit unserem Bundle können Kunden neue Lösungen schnell entwickeln, anpassen und produktiv setzen. Das reduziert Entwicklungsaufwand und beschleunigt die Time-to-Market.“
Weitere neue Unternehmen in der Partner World stellte Hans Michael Krause, Director Partner Ecosystem, vor. Zunächst berichtete er stolz, dass die ctrlX World mittlerweile mehr als 110 Anbieter in sich versammele. Als einen der jüngsten Neuzugänge stellte er dann vor: „Wir freuen uns, dass mit SEW-Eurodrive nun ein weiterer Antriebstechnikanbieter unser Netzwerk unterstützt. Damit ergänzen nun Frequenzumrichter und Getriebemotoren des Unternehmens unser Ecosystem.“ Weitere Antriebe sowie eine App für den ctrlX OS Store sollen folgen. Mit der App lassen sich künftig Antriebe gemäß CiAStandard (CAN in Automation), konkret dem Profil CiA 402, über ein modernes Frontend ansteuern. Eine Demo zeigten Vertreter von SEW-Eurodrive live vor Ort. „Anwender erhalten damit erweiterte Möglichkeiten bei der Steuerung und Diagnose von Antrieben. Über Hardware, auf der ctrlX OS läuft, können mehrere Antriebe von SEW-Eurodrive zentral adressiert werden – die Handhabung wird einfacher, die Effizienz steigt“, so die Experten.
Als weiterer neu hinzugewonnener Partner wurde Schmersal vorgestellt. „Damit ist nun der erste reine Anbieter von Safety-Lösungen Teil der Partnerwelt“, so H. M. Krause. Die Safety Fieldbox des Unternehmens ermöglicht den einfachen, dezentralen Anschluss von bis zu acht Sicherheitseinrichtungen, wie Sensoren, Zuhaltungen, Lichtvorhängen oder Not-Aus-Tastern, über vorkonfektionierte 8-polige M12-Steckverbinder. „Das reduziert den Verkabelungsaufwand und das Fehlerpotenzial“, gab Christian Lumpe, Produktmanager Steuerungen bei der Schmersal-Gruppe, an.
Die Safety Fieldbox kommuniziert nahtlos über Safety-over-Ethercat (FSoE) mit der Sicherheitssteuerung ctrlX Safety oder ctrlX-OS-Geräten mit der neuen Safety-PLC-App. Sie ermöglicht damit ctrlX-OS-basierte Maschinenlösungen sowie eine einfache Installation und Inbetriebnahme von Sicherheitskomponenten.
Mit dieser erstmals in Ulm gezeigten App „Safety PLC“ will Bosch Rexroth die funktionale Sicherheit hardwareunabhängig machen. „Bislang war für Safety-Funktionen in Maschinen eine zweite CPU zur Redundanzsicherung notwendig. Nun können entsprechende Funktionen direkt in bestehende Steuerungen wie die ctrlX Core integriert werden“, gaben die Experten an. Möglich wird dies durch die Multicore-Fähigkeit moderner Prozessoren, die eine redundante Verarbeitung gewährleisten. Für Anwender bedeutet das mehr Flexibilität bei reduziertem Platz- und Kostenaufwand.
„Die Safety PLC erlaubt es, Sicherheitsfunktionen ohne zusätzliche Steuerungshardware umzusetzen. Damit werden Maschinenprojekte platzsparender, einfacher und wirtschaftlicher realisierbar“, so S. Winkler. Das Ökosystem rund um das offene Betriebssystem ctrlX OS wird konsequent mit Apps erweitert. Insgesamt zählt der ctrlX OS Store mittlerweile 86 Apps.