Der VisuNet FLX von Pepperl+Fuchs mit integriertem RFID-Reader, Not-Aus und Barcode-Scanner für Atex/IECEx Zone 2/22 und Div. 2 (Quelle: Pepperl+Fuchs)
Im Alltag zeigt sich die Relevanz sicherer Anmeldungen besonders beim Schichtwechsel im Reinraum: Mehrere Bediener arbeiten an derselben Linie, tragen Schutzkleidung und Handschuhe, die Umgebung ist streng reguliert. Am HMI angekommen, folgt die Anmeldung im MES oder DCS, oft mit komplexen Passwortregeln. Ein Tippfehler genügt, und der Vorgang beginnt von vorn. Was nach einem Detail klingt, wird im Produktionsalltag schnell zu einem systemischen Thema: Es kostet Zeit, erhöht Fehleranfälligkeit und kann im Zweifel auch die Compliance belasten.
Anforderungen im Pharmabereich
Gerade in GMP-regulierten Umgebungen sollen Bedienhandlungen lückenlos rückverfolgbar sein und sich eindeutig einer Person zuordnen lassen. Gleichzeitig müssen Authentifizierungsverfahren unter realen Bedingungen funktionieren. Biometrische Ansätze klingen naheliegend, stoßen im Reinraum jedoch häufig an Grenzen: Fingerabdrucksensoren sind mit mehreren übereinander getragenen Handschuhen kaum praktikabel, Gesichtserkennung wird durch Masken sowie Schutzkleidung erschwert und Iris-Scans sind bislang selten praxistauglich umgesetzt. Umso wichtiger sind Verfahren, die Sicherheit und Bedienbarkeit im Alltag zusammenbringen.
Ein Blick auf RFID zeigt, warum sich die Technologie in der Pharmaindustrie nicht nur zur Produktidentifikation etabliert hat, sondern zunehmend auch für die Nutzerauthentifizierung am HMI interessant wird. Während RFID im Material- und Prozesskontext Transparenz schafft, kann es beim Log-in helfen, Zugriffe schneller, sauberer und nachvollziehbarer zu gestalten.
Produktidentifikation vs. Nutzerauthentifizierung
RFID ist in der Pharmaindustrie seit Langem etabliert, beispielsweise zur Materialverfolgung oder Produktidentifikation. In diesen Anwendungen sorgt die Technologie für Transparenz: Materialien lassen sich eindeutig zuordnen, Prozessschritte sauber dokumentieren, Verwechslungen reduzieren. Doch je digitaler Produktions- und Dokumentationsprozesse werden, desto stärker rückt eine zweite Dimension in den Fokus. Nicht nur „was“ wurde verarbeitet oder bewegt, sondern auch „wer“ hat welchen Schritt ausgeführt.
An dieser Stelle setzt die Nutzerauthentifizierung an. Während RFID bei der Produktidentifikation vor allem Prozesse absichert, schafft es bei der Anmeldung am HMI die Grundlage für eine klare Verantwortlichkeit und kontrollierte Zugriffe. Denn in GMP-regulierten Umgebungen geht es nicht allein um Komfort, sondern um die eindeutige Zuordnung von Handlungen, die Vermeidung unberechtigter Zugriffe und die durchgängige Nachvollziehbarkeit im System.
Nutzerauthentifizierung in der Praxis
Die Realität ist in vielen Produktionsumgebungen ähnlich. So werden Zugangsdaten mitunter geteilt oder am Gerät hinterlegt, um Abläufe nicht zu behindern. Unter Securityaspekten ist das riskant, da Aktionen nicht mehr eindeutig zuordenbar sind und ein unbefugter Zugriff nicht ausgeschlossen werden kann. RFID kann hier ein pragmatischer Baustein sein. Der Werksausweis ist oft ohnehin vorhanden, die Anmeldung erfolgt in wenigen Sekunden und ist auch mit Handschuhen gut umsetzbar. Damit sinkt die Hürde für saubere, personenbezogene Log-ins und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sichere Verfahren im Alltag konsequent genutzt werden.
In der Praxis lassen sich unterschiedliche Konzepte abbilden, von RFID als komfortablem Log-in-Medium bis hin zu Kombinationen aus RFID und Passwort als Multi-Faktor-Ansatz. So entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit und Bedienbarkeit, ohne Arbeitsabläufe unnötig zu verkomplizieren.