KI braucht Vernetzung
Kontrons neues COM-HPC-Servermodul COMh-sdID auf Basis des Intel-Xeon-D-2800-Prozessors sowie das COMh-sdIL und das COM-Express-basic mit Intel-Xeon-D-1800-Prozessor bieten Applikationsentwicklern ein hohes Maß an Skalierbarkeit und Flexibilität für High-End-Edge-Computing-Anwendungen auf einem kleinen Formfaktor. (Quelle: Kontron)
Das Kontron-TSN-Starterkit ermöglicht als Hardware-/Software-Upgrade-Lösung für bestehende PLC, Box PC, Gateways sowie Industrial Server die Konfiguration und das Monitoring von TSN-Netzwerken. Mit einer PCI-Express-Karte und passender Software können Industrie-PC für TSN nachgerüstet werden. (Quelle: Kontron)
„Auch die Konnektivität bleibt mit 5G und WiFi 6 ein dominierendes Thema“, sagt der Kontron-CEO. „Während 5G-Campusnetzwerke bisher hauptsächlich in Leuchtturm-Projekten implementiert wurden, zeichnet sich derzeit ein breiterer Einsatz der Technologie ab“, berichtet er. Als wesentlichen Treiber dafür nennt er den Bedarf nach erhöhter Sicherheit und Stabilität von Wireless-Verbindungen, sowie zunehmende Datenmengen mit unterschiedlichen Prioritäten und Services. „Die Datenrate, die beherrscht werden muss, steigt durch KI, Echtzeitsteuerungen sowie verstärkte Video und Bildverarbeitung drastisch an. In der Fertigungsindustrie werden komplexe Systeme immer flexibler zu leicht beweglichen Inseln zusammengefasst, sodass die komplexe Verkabelung zum Problem wird und drahtlosen Verbindungen weichen muss. Hier wird man auf 5G nicht verzichten können. Und auch im Bereich des autonomen Fahrens wird 5G für Assistenzsysteme weiter an Bedeutung gewinnen“, ist H. Niederhauser überzeugt.
Der Ansatz von Kontron im 5G-Umfeld sieht vor, sowohl günstige 5G-fähige Endgeräte als auch die Netzwerkinfrastruktur als privates 5G-Netz bereit zu stellen. Somit werden komplette Lösungen aus einer Hand entwickelt und angeboten. „Wir haben unsere Ressourcen durch den Erwerb von Teilen des Funkmodul-Herstellers Telit und die Spezialisierung von Kontron Slowenien auf 5G-Mobile-Private-Network-Angebote weiter ausgebaut. In Praxisprojekten zeigt sich immer wieder, dass die Integration oft aufwendig und risikobehaftet ist, wenn verschiedene Anbieter zusammengebracht werden müssen. Die Integrationsleistung wird zum Bestandteil eines Komplettpakets mit aufeinander abgestimmten Technologien. Auch für Support und Service braucht es dann nur einen Ansprechpartner“, verdeutlicht der CEO.
Mit Blick auf die Fabrikautomation verweist er darauf, dass die Produkte in große Produktionssysteme integriert werden müssen und dafür Schnittstellen für die sichere sowie deterministische Datenübertragung mitbringen müssten. Hier spielen aus Sicht von H. Niederhauser TSN und in Zukunft auch TSN-over-5G eine wichtige Rolle.
Beliebte Formfaktoren
Aufgrund seiner Vielseitigkeit wird der Formfaktor Smarc aus Kontron-Sicht auch weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. „Computer-on-Modules im kleinen, energiesparenden Formfaktor eignen sich besonders für kundenspezifische Lösungen, in denen sich aufgrund der Größen oder DesignVorgaben kein Motherboard als Standard nutzen lässt“, so H. Niederhauser. Neben dem großen Angebot an industriellen Standard-Motherboards stehen unter anderem die Formfaktoren COM-Express und HPC zur Verfügung. Damit können Gerätehersteller Modulträger (Carrier Boards) nutzen, die flexibel an das eigene Design angepasst werden und dabei trotzdem von der „Economy of Scale“ der großen Standard-Modul-Familien profitieren. Weitere typische Einsatzszenarien sind in der Industrieautomatisierung oder im Retail-Umfeld zu finden, beispielsweise bei intelligenten elektronischen Waagen.
„Auch für Maschinenbauer wird es einfacher, auf Basis eines Carriers neue Funktionalität zu entwickeln“, informiert der Experte. Zum einen würden sie von Standards und damit auch von Austauschbarkeit im Sinne von Second Source profitieren. „Zum anderen lässt sich die Performance über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts skalieren, indem einfach ein kompatibles Modul neuerer Generation auf dem Carrier ausgetauscht wird“, erklärt er.
Dynamik in Lieferketten beherrschen
Als weiteres Thema greift der CEO die Probleme mit Lieferketten und Versorgungsengpässen auf. Zwar hätten sich diese mittlerweile merklich entspannt, „allerdings mag angesichts der Dynamik wohl niemand prophezeien, mit welchen Herausforderungen die Märkte in naher Zukunft konfrontiert sind.“ Die Lieferfähigkeit bleibe ein zentrales Thema für alle Anbieter. „Kontron setzt hier etwa auf höhere Lagerbestände, die sich an Forecasts orientieren. Für sämtliche Komponenten gibt es eine Second Source und in den vergangenen Jahren wurden Re-Designs für schwer verfügbare Komponenten durchgeführt“, gibt er an.
Dem Fachkräftemangel entgegenwirken
Insbesondere der Mittelstand ist gefordert, die vielen neuen Technologien und Sicherheitsanforderungen parallel zu stemmen. „Das Thema der begrenzten Ressourcen macht sich vor allem auch in der Produktentwicklung bemerkbar“, weiß H. Niederhauser. „Aus diesem Grund haben wir es uns zum Ziel gesetzt, unseren Kunden durch den Einsatz vorentwickelter Module viele Entwicklungsaufgaben zu erleichtern. Über unser eigens entwickeltes Kontron-Susietec-Toolset bringen wir zudem unsere Expertise rund um die Softwareentwicklung in die Projekte ein“, informiert H. Niederhauser abschließend.