Die Kundenvorteile

Im Automotive Showroom und Testcenter werden die verschiedenen Technologien in einem eigenständigen 5G-Netzwerk unter realen Bedingungen getestet und Lösungsansätze für zukünftige Anwendungen im industriellen Umfeld erarbeitet (Quelle: Siemens)
Siemens geht davon aus, dass das öffentliche 5G-Netz in Zukunft eine wesentliche Säule bei Fernzugriffen und Fernwartungslösungen darstellen wird. Als einen 5G-Nutzen gibt S. Rotmensen die hohen Bandbreiten an. „Dadurch lassen sich unter anderem Bilder einer Anlage bis hin zu Videostreams über das öffentliche 5G-Netz übertragen“, verdeutlicht er. Mit Blick auf ländliche Regionen stellt er heraus: „Hier müssen größere Flächen abgedeckt werden, weshalb mit niedrigeren Frequenzen gefunkt wird.“ Weiter verweist er darauf, dass es bei LTE oder UMTS speziell an den Rändern von Funkzellen oft zu Einbußen bei der Bandbreite und der Verbindungsstabilität komme. „Dabei ist gerade bei zum Beispiel abgelegenen Wasserstationen eine stabile Übertragung für die Fernwartung oder Videoübertragung von großer Wichtigkeit. Hier bietet 5G Vorteile, da es auch in ländlichen Gebieten deutlich mehr Bandbreite mit höherer Zuverlässigkeit zur Verfügung stellt. Zudem steigt die durchschnittliche Datenrate für die Nutzer innerhalb einer Funkzelle“, sagt der Wireless-Experte.
Als weiteren wichtigen 5G-Aspekt führt er an, dass innerhalb der industriellen Anlagen die Anbindung der Teilnehmer zuverlässig drahtlos erfolgen könne und dadurch mobile Applikationen ermöglicht würden. Hinzu käme, dass der Kunde mit dem 5G-Router ein standardisiertes Gerät erhalte, das er sowohl innerhalb seiner Anlage als auch zur Anbindung an das öffentliche 5G-Netz einsetzen kann. „Über die Anbindung entscheidet er selbst und muss lediglich eine andere SIM-Karte verwenden“, fügt er an.
Erste Erfahrungen
Siemens hat seinen 5G-Router Ende 2020 vorgestellt; nun ist er bald in Serie verfügbar. Nach Angaben von S. Rotmensen sind seitdem eine Vielzahl von Kundenanfragen eingegangen. Erste Piloten laufen vorwiegend bei Kunden in Europa, vor allem im Bereich der Intralogistk und im Automotivebereich. Siemens testet die Technologie zudem selbst in seinem Automotive Showroom and Test Center in Nürnberg seit zirka eineinhalb Jahren. Im November 2020 wurde dort ein privates 5G-Netz in einer realen Industrieumgebung aufgebaut, das auf Siemens-eigenen Prototypen basiert. „Hier testen wir die Vorteile und Grenzen der aktuellen 5G-Technik aus. Wir sammeln also Erfahrungen, wie sich 5G im industriellen Umfeld verhält“, erklärt S. Rotmensen. Ferner haben Siemens-Kunden hier die Möglichkeit, das Zusammenspiel der Produkte live zu erleben.
Ein weiteres privates 5G-Netz baut Siemens aktuell in einer Halle auf dem Gelände der Hannover Messe auf. Im Februar hatte die Deutsche Messe erklärt, das Hannover-Messe-Gelände in einen 5G-Innovations-Campus verwandeln zu wollen. Als Ziel wurde angegeben, ein weltweit einzigartiges 5G-Testfeld zu erschaffen, auf dem Technologieführer aus unterschiedlichen Branchen aktiv werden können. Dabei soll hier ein hybrides Netz – also privat und öffentlich – entstehen. Zum Siemens-Engagement erklärt S. Rotmensen: „Wir werden in einer der Messehallen ein privates 5G-Netz mit Fokus auf den industriellen Einsatz aufbauen. Das Netz soll während laufender Messen von Ausstellern und außerhalb von Messezeiten von Unternehmen für Tests sowie Feldversuche genutzt werden können.“ Als Hintergrund des Engagements gibt er an: „Siemens ist Innovationstreiber und wir möchten es auch unseren Kunden ermöglichen, frühzeitig Erfahrungen mit innovativen Technologien zu sammeln.“