Auf der 8. ctrlX Automation-Pressekonferenz, die am 29. September auf dem Bosch-Campus in Renningen stattfand, präsentierte Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth, Zahlen, Neuheiten und viele Details. (Quelle: VDE Verlag)
Was 2019 mit dem Anspruch einer offenen Automatisierungsplattform startete, ist inzwischen zu einem umfangreichen Hard- und Softwarebaukasten gewachsen. Im ctrlX OS Store stehen mittlerweile 120 Apps zur Verfügung. Auf der Pressekonferenz berichtete Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth, zudem von mehr als 110 Partnern im Ökosystem und über 2.500 Kunden in mehr als 20 Branchen. Dabei reicht das Anwendungsspektrum mittlerweile über den klassischen Maschinenbau hinaus und soll noch weiter bis in die Energie- und Gebäudetechnik oder Agriculture ausgebaut werden. Für S. Winkler ist dabei entscheidend, dass die Offenheit nicht zum Selbstzweck wird: „Das ist keine Logosammlung. Wichtig ist: Es muss ein echter Wertbeitrag für unsere gemeinsamen Kunden sein.“
Der Erfolg lässt sich an Zahlen belegen: Der elektrische Automatisierungsbereich von Bosch Rexroth ist 2025 um 6 % gewachsen und für 2026 werden 8 % erwartet. Der Umsatz rund um ctrlX Automation wurde 2025 um 17 % gesteigert; für dieses Jahr sind 30 % geplant.
Agentic AI wandert ins Engineering
Den größten Technologiesprung präsentierte Bosch Rexroth mit Blick auf KI. Hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr mit Ask iXi noch einen klassischen KI-Assistenten vorgestellt, geht Agent iXi nun einen Schritt weiter. Der Agent soll Aufgaben verstehen, in einzelne Schritte zerlegen und dafür eigenständig die notwendigen Funktionen und Werkzeuge innerhalb von ctrlX Automation nutzen.
„Unser Anspruch ist es nicht nur, den nächsten Copiloten für die SPS-Programmierung zu entwickeln, sondern KI soll Automatisierung verstehen und aktiv mit ihr arbeiten können“, beschreibt S. Winkler den Ansatz. Bosch Rexroth spricht vom Übergang von assistierender zu agentischer KI. Gestartet wird dabei im Eingineering, wo man sich große Einsparpotenziale verspricht.
Was damit gemeint ist, demonstrierte das Unternehmen anhand eines dreiachsigen Handling-Systems. Statt Achsen, Koordinatensysteme, Bewegungsgrenzen und Kinematik Schritt für Schritt manuell zu konfigurieren, erhält der Agent eine Aufgabenbeschreibung in natürlicher Sprache sowie beispielsweise eine Skizze mit den wesentlichen Angaben. Daraus kann er die benötigten Engineering-Schritte ableiten, Achsen und Kinematik konfigurieren und das SPS-Programm erzeugen. Das Aufgabenspektrum soll von Komponenten- und Topologieauswahl über Motion- und Drive-Setup sowie IO- und HMI-Design bis hin zu Programmierung, Monitoring und Dokumentation reichen.
Damit verändert sich nach S. Winklers Einschätzung auch die Rolle des Engineers. „Die Arbeit des Anwenders verändert sich grundlegend“, sagt er. Statt jeden technischen Einzelschritt selbst umzusetzen, werde der Anwender zunehmend das gewünschte Ergebnis spezifizieren, die Umsetzung prüfen und validieren. Auf der Pressekonferenz betonte er zugleich, dass der Mensch die Kontrolle behält: Der Agent soll innerhalb vorgegebener Berechtigungen und Regeln agieren.
MCP verbindet KI und Automatisierung
Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Model Context Protocol (MCP). Über den offenen Standard erhält der KI-Agent Zugriff auf definierte Werkzeuge und Funktionen innerhalb der Automatisierungsumgebung. Agent iXi kann damit beispielsweise mit ctrlX PLC Engineering, ctrlX I/O Engineering, ctrlX OS und den darauf laufenden Apps interagieren. Der ctrlX Data Layer liefert den Zugriff auf Daten und Funktionen. Dabei werden die Berechtigungen des angemeldeten Anwenders übernommen. Ein Servicetechniker kann dem Agenten also nicht automatisch dieselben Aktionen ermöglichen wie ein Administrator.
Das für die jeweilige Automatisierungsaufgabe notwendige Fachwissen erhält der Agent über sogenannte Skills. Bosch Rexroth verfolgt dabei den Ansatz „ein Agent – viele Skills“. Für eine Motion-Aufgabe greift iXi beispielsweise auf einen dafür kuratierten Skill zurück, der ihm Regeln, Voraussetzungen und Wissen zum Aufbau einer entsprechenden Anwendung vermittelt. Interessant für das offene Ökosystem: Auch Apps von Partnern können künftig eigene Skills mitbringen und damit den Funktionsumfang des Agenten erweitern.
Keine neue KI-Abhängigkeit
Auch bei den zugrunde liegenden KI-Modellen bietet Bosch Rexroth die bekannte Offenheit. Neben Agent iXi sollen Third-Party-Agenten eingebunden werden können; ebenso ist ctrlX Automation nicht an ein bestimmtes Large Language Model gebunden. Cloudmodelle sind ebenso vorgesehen wie die lokale Inferenz.
„Agentic AI darf für uns nicht in einem neuen technologischen Lock-in enden“, betont S. Winkler. Die Anwender sollen entscheiden können, welchen Agenten und welches KI-Modell sie nutzen und wo die Inferenz erfolgt. Für die lokale Verarbeitung arbeitet Bosch Rexroth unter anderem mit AMD an entsprechender Rechenhardware. Gerade bei sensiblen Engineering- oder Maschinendaten kann die KI damit perspektivisch vollständig innerhalb der eigenen Infrastruktur betrieben werden.
Agent iXi befindet sich derzeit bereits bei ersten ctrlX-Automation-Kunden im Beta-Test. Dieser soll in den kommenden Monaten ausgeweitet werden; die Verfügbarkeit des KI-Agenten ist für Anfang 2027 vorgesehen.