
Schaltschranklose Automatisierung mit Vario-X: Raus ins Feld, Dezentralisieren, Modularisieren, Technologien zusammenfassen, Energie effizienter nutzen, Komplexität reduzieren und vereinfachen. (Quelle: Murrelektronik)

Mit IO-Link-Hubs wie dem MVP8 lassen sich mehrere digitale Sensoren und Aktoren unkompliziert mit einer Standard-Sensorleitung an einem einzigen IO-Link-Master-Port anschließen. (Murrelektronik)
Apropos Geschäftsmodelle – wie verändert diese Offenheit das Zusammenspiel von Maschinenbauern und Betreibern?
Dr. U. Viethen: Offenheit schafft Freiheit. Wenn ich jede Maschine – ob alt oder neu – bis in die Cloud hinein digital anbinden kann, entsteht ein enormer Gestaltungsspielraum. Betreiber können Services anbieten, die weit über klassische Wartung hinausgehen. Und Maschinenbauer können Funktionen softwarebasiert nachrüsten oder remote optimieren.
Neben Vario-X haben bei Ihnen auch IO-Link-Lösungen wie MVK Pro und Impact 67 Pro eine wichtige Bedeutung für die offene Automatisierung. Warum?
Dr. U. Viethen: IO-Link ist ein wichtiger Baustein der offenen Automatisierung. Es ermöglicht die schnelle, standardisierte Anbindung von Endpunkten im Netzwerk. Wir gehen hier bewusst einen offenen Weg: Gemeinsam mit unserem Partner TEConcept GmbH entwickeln wir IO-Link-Stacks, die jedem zugänglich sind. So kann die Technologie wachsen – ohne proprietäre Einschränkungen.
Ohne Netzwerke keine Offenheit. Welche Rolle spielen Ihre Switch-Lösungen dabei?
Dr. U. Viethen: Eine zentrale. Switches sind das Rückgrat moderner Kommunikationsarchitekturen – erst recht, wenn man an die Datenübertragung mit Single Pair Ethernet denkt. Ohne gemanagte Switches wäre effiziente, digitale Automatisierung nicht machbar. Sie verbinden die Welt der Cloud mit der realen Maschine – vom Sensor bis zum IIoT.
Seit Jahrzehnten visualisieren wir Automatisierung mit einer Pyramide. Viele sagen, sie habe ausgedient. Wie sehen Sie das?
Dr. U. Viethen: Die Automatisierungspyramide war nützlich, als Rechenleistung ein Engpass war. Heute können wir Intelligenz beliebig skalieren – bis in die Cloud. Das verändert alles: Wir brauchen keine starren Hierarchien mehr, sondern Netzwerke, die sich dynamisch organisieren. Die Pyramide ist zum Vulkan geworden – voller Energie, in Bewegung, mit neuen Ausbrüchen an Dynamik und Dezentralität.
Zum Abschluss: Was müsste passieren, damit die Transformation von Automatisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung noch schneller gelingt?
Dr. U. Viethen: Wir müssen proprietäre Denkweisen überwinden. Der Maschinenbauer von morgen erwartet, dass Automatisierung so funktioniert wie der Wasseranschluss in der Waschküche im Einfamilienhaus – standardisiert, zuverlässig für jeden bedienbar. Je offener wir Systeme gestalten, desto mehr Raum entsteht für Innovation im Bereich der elektrischen Automatisierung. Offenheit ist kein Risiko, sie ist die Voraussetzung für Erfolg. Unternehmen müssten mehr Mut zeigen, neue Technologien nicht nur zu evaluieren, sondern direkt einzusetzen. Ein konkretes Beispiel ist Single Pair Ethernet (SPE): SPE erlaubt die Ethernet-Kommunikation über nur ein Kupferdrahtpaar und kombiniert damit Daten- und Energieübertragung (Power over Data Line, PoDL). Das senkt Verkabelungsaufwand, spart Material und Platz – und öffnet die Feldebene nahtlos für IP-basierte Kommunikation vom Sensor bis in die Cloud. Wenn Firmen nicht schon heute experimentieren und Erfahrungen sammeln, riskieren sie, in Zukunft zurückzufallen, statt die Potenziale dieser Technologien mitzugestalten.
SPS: Halle 9, Stand 325