Dieter Hess ist Gründer und Geschäftsführer der Codesys Group. (Quelle: Codesys)
Herr Hess, wie definiert Ihr Unternehmen „offene Automatisierung“ und welche Bedeutung hat dieses Konzept für Ihre Unternehmensstrategie?
D. Hess: Offene Automatisierung bedeutet für die Codesy Group, dass unsere Software-Plattform unabhängig von spezifischer Hardware funktioniert. Das ist unsere DNA seit der Gründung des Unternehmens. So können wir flexibel auf unterschiedliche Kundenanforderungen reagieren und unsere Lösungen auf einer Vielzahl von Plattformen implementieren. Die klassische Bindung von Soft- und Hardware haben wir aufgelöst. Auf der Hardware kann auch weitere Software betrieben werden, zum Beispiel Visualisierung, mit der über offene Schnittstellen kommuniziert wird. Darüber hinaus umfasst offene Automatisierung für uns die Freiheit, verschiedene Kommunikationsprotokolle und Schnittstellen zu unterstützen, was eine Integration in bestehende Systeme vereinfacht. Jedes marktübliche Protokoll kann implementiert werden – von uns, oder es wird von Drittanbietern bereitgestellt.
Welche Entwicklungen im Bereich der offenen Automatisierung erwarten Sie in den nächsten Jahren und wie positioniert sich Codesys, um diese Trends zu nutzen?
D. Hess: Wir sehen eine klare Bewegung hin zur Nutzung von IT-Infrastrukturen und Cloud-Lösungen in der Automatisierungsbranche, was eine stärkere Konvergenz von IT und operationeller Technologie zur Folge hat. Codesys positioniert sich hier als Vorreiter, indem wir Technologien entwickeln, die nahtlos in solche Umgebungen integriert werden können. Dass auf solchen IT-Strukturen Echtzeit-Software läuft und über Echtzeit-Ethernet-Protokolle direkt Anlagen steuert, ist schon sehr neu. Dazu gehört nun die Virtual Safe Control, die zeigt, wie flexibel Sicherheitsanforderungen auf Standard-IT-Plattformen realisiert werden können, und zwar ohne die Notwendigkeit für spezialisierte und oft teure Hardware. Da sind wir ganz vorn dabei. Ein weiterer Trend ist, dass unterschiedliche Software auf der gleichen Hardware läuft. Die Virtualisierung unterstützt hier entscheidend. Und dann kommt noch das Thema des standardisierten Deployments hinzu. Das heißt, es arbeiten verschiedene Softwares auf derselben Plattform und arbeiten zusammen, ohne dass sie sich vorher kennen. Dieses Ziel verfolgt auch die Margo-Initiative, der wir beigetreten sind.
Können Sie die Grundidee hinter Codesys Virtual Safe Control erläutern und was diese Lösung im Kontext offener Automatisierung so innovativ macht?
D. Hess: Die Virtual Safe Control bricht mit der traditionellen Notwendigkeit, Sicherheitssteuerungen auf dedizierter, zertifizierter Hardware zu betreiben. Indem wir Sicherheitsanwendungen basierend auf Software von der konkreten Hardware trennen und auf einer Virtualisierungsplattform laufen lassen, eröffnen wir Möglichkeiten für erhebliche Kosteneinsparungen und Flexibilität. Unsere Kunden profitieren von der Möglichkeit, Updates schneller und sicherer durchzuführen, da diese auf bewährten IT-Management-Tools basieren.
Welche technischen Herausforderungen konnten Sie mit der Virtual Safe Control überwinden, die bei traditionellen Sicherheitssteuerungen bestehen?
D. Hess: Eines der Hauptprobleme traditioneller Systeme ist ihre Inflexibilität und die hohen Kosten für Anpassung und Skalierung. Die gängige Zertifizierungssystematik geht davon aus, dass die Hardware bekannt ist und eine Diagnose realisiert wird, die alle Komponenten auf der Hardware berücksichtigt. Mit Virtual Safe Control haben wir diese Barriere durchbrochen, indem wir eine Lösung bieten, die auf gängiger, nicht spezialisierter Hardware läuft und dabei die strengen Sicherheitsanforderungen der Industrie erfüllt. Dies ermöglicht eine schnellere Anpassung an veränderte Produktionsbedingungen und eine einfachere Integration neuer Technologien.
Welche Rolle spielt Coded Processing bei der Gewährleistung der Sicherheit und Zuverlässigkeit von Codesys Virtual Safe Control?
D. Hess: Coded Processing ist eine Technik, mit der wir sehr zuverlässige und sichere Software entwickeln können, die auch unter den Bedingungen der Virtualisierung funktioniert. Durch die Kombination von Coded Processing mit zusätzlichen, patentierten Verfahren können wir eine Lösung anbieten, mit der die Zertifizierung einer frei programmierbaren Sicherheitssteuerung erreicht wird.
Wie unterstützt das Konzept der Virtualisierung in Virtual Safe Control die Vision von Codesys für die Zukunft der Automatisierungstechnik?
D. Hess: Die Virtualisierung ist ein Schlüsselkonzept für die Zukunft der Automatisierung, da sie es ermöglicht, unterschiedliche Systeme und Anwendungen auf einer einzigen physischen Plattform zu konsolidieren, also zum Beispiel auf einem großen IT Server laufen zu lassen. Safety ist normalerweise ein integraler Bestandteil der Steuerungslösung. Mit Codesys Virtual Safe Control kann beides kombiniert werden: Wir helfen unseren Kunden, ihre Betriebskosten zu senken und gleichzeitig die Systemzuverlässigkeit und -sicherheit zu erhöhen. Anwender sparen sich die zusätzliche Hardware für Safety. Durch die Virtualisierung der Sicherheitssteuerung können wir sicherstellen, dass diese kritischen Systeme von den Vorteilen der neuesten IT-Technologien profitieren. Das bedeutet: einfacheres Aufspielen von Updates und geringere Ausfallwahrscheinlichkeit.