Hilmar Panzer ist Geschäftsführer/Chief Technology Officer bei Codesys.

Hilmar Panzer ist Geschäftsführer/Chief Technology Officer bei Codesys. (Quelle: Codesys Group)

Was ist offene Automatisierung? „Offenheit in der Automatisierung bedeutet die Aufteilung in funktionale Komponenten mit wohl definierten, möglichst standardisierten Schnittstellen“, betont H. Panzer. „Dies ermöglicht es Anwendern, Komponenten unterschiedlicher Hersteller zu nutzen oder eigene Entwicklungen voranzutreiben.“ Dieser Ansatz bricht die Grenzen geschlossener Systeme auf und fördert eine größere Flexibilität und Innovationsfreiheit. 

H. Panzer, der Technomathematik in München studierte, kam durch ein Praktikum zu Codesys, als das Unternehmen noch in seinen Kinderschuhen steckte. „Die Mathematik hat mir besonders in der Entwicklung von Motion Control sehr geholfen und spielt in Bezug auf Algorithmen eine zentrale Rolle“, so H. Panzer. Seine Leidenschaft für Mathematik und die Anwendung derselben in technischen Disziplinen leitete ihn durch seine Karriere, die ihn schließlich vor gut zwei Jahren in die Geschäftsführung des Unternehmens führte. Diese tiefgreifende technische Expertise und Leidenschaft für Innovation prägen seine Sicht auf die Automatisierungsbranche. Von Anfang setzte Codesys als reiner Softwarehersteller auf vollständige Unabhängigkeit von der Hardware.

Hardware-Unabhängigkeit als DNA

„Codesys ist die führende Steuerungssoftware nach IEC 61131-3 und besteht im Kern aus Programmiersystem, Laufzeitsystem und einigen Zusatzprodukten“, erklärt der CEO. „Codesys ist von Anfang an so gemacht, auf Geräten verschiedener Hersteller zu laufen, diese programmierbar zu machen und mit dem Laufzeitsystem das Anwenderprogramm darauf auszuführen.“ Konkret heißt das, dass die Codesys-Software auf einer Vielzahl von Geräten verschiedener Hersteller laufen kann – und zwar einheitlich. Dies ist ein zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie.  

Die Hardware-Unabhängigkeit, die wir in der DNA tragen, ermöglicht es, dass unser System auf Geräten verschiedener Hersteller mit unterschiedlichen Prozessortypen und Betriebssystemen läuft und diese programmierbar macht“, erklärt der Geschäftsführer. „Der Anwender kann mit nur einem einzigen Tool arbeiten und hat letztendlich die freie Auswahl, was die Steuerung angeht.“ 

Die offene Automatisierung bietet zahlreiche Vorteile für Anwender, darunter die Flexibilität, zwischen verschiedenen Hardwareanbietern wählen zu können, ohne an spezifische Technologien gebunden zu sein. „Als Stichwort nenne ich Best of Class“, ergänzt er. „Dabei kann der Anwender sicher sein, dass wir komplett auf Standards und etablierte Schnittstellen setzen.“ Die Anzahl der programmierbaren Steuerungen mit Codesys ist laut H. Panzer mittlerweile auf über 1000 gewachsen, auch wenn nicht alle auf dem freien Markt verfügbar sind. „Es bleibt aber eine unglaubliche Auswahl, die sich Anwender damit erschließen“, sagt der studierte Mathematiker. Das führt zu einer hohen Flexibilität, die sich letztendlich auch in Kostenvorteilen niederschlägt. H. Panzer führt aus, dass dies besonders während der Bauteilkrise von Vorteil war, als Lieferengpässe viele Hersteller trafen: „Unsere Kunden konnten durch den Wechsel auf alternative Steuerungsgeräte Produktionsausfälle vermeiden.“

„Mit einem Klick kann man von einer Steuerung auf die andere wechseln“, stellt H. Panzer heraus. Bedingung ist nur, dass es sich um Standard-Codesys-Programmiersysteme handeln. Die Einschränkung betrifft Steuerungen mit proprietären Elementen oder Brandlabel-Versionen. „Bei unseren im Codesys Store erwerbbaren Laufzeitsystemen oder Standardsystemen zum Beispiel für ARM, x64 und x86 mit Linux als Betriebssystem sowie Raspberry gilt aber ausnahmslos, mit einem Klick von einem System auf das andere wechseln können“, berichtet H. Panzer. „Das nennt man wirklich Open Automation.“

 

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