Udo Richter ist General Manager von Exor Deutschland. (Quelle: Exor)
Herr Richter, Ihre X Platform als Meilenstein in der industriellen Digitalisierung: Was steckt dahinter – und wie zahlt sie auf den Gedanken von Open Automation ein?
U. Richter: Die X Platform fasst alle Technologien von Exor zusammen – Hardware, unsere IEC-61131-3-Soft-PLC, HMI, Visualisierungssoftware, VPN-Zugang und die Corvina Digitalisierungsplattform. Das Besondere: Alles ist modular nutzbar, aber vollständig integrierbar. Und alles basiert auf offenen Standards und offene Kommunikation. So lassen sich Signale von Geräten, Sensoren und Maschinen erfassen, verarbeiten und visualisieren, in der Edge sowie in der Cloud – ohne proprietäre Abhängigkeiten. Genau diese Offenheit ist Kern von Open Automation.
Wie offen ist die X Platform tatsächlich – technisch wie strategisch?
U. Richter: Wir sind in der Lage, vom Sensor bis in die Cloud, die Daten zu erfassen, zu verarbeiten und darzustellen. Dafür unterstützen wir rund 220 Protokolle – von OPC UA und MQTT über Profinet bis Ethernet/IP, um nur wenige zu nennen. Diese Vielfalt sorgt für echte Interoperabilität. Grenzen sehe ich dabei kaum, weil wir auch bestehende Anlagen – das Brownfield – problemlos einbinden können. Die Plattform ist so aufgebaut, dass sie sowohl komplett als auch in einzelnen Bausteinen genutzt werden kann.
Offene Standards sind ein wichtiger Teil Ihrer DNA. Warum?
U. Richter: Offenheit ist für uns kein Marketinglabel, sondern gelebtes Designprinzip. OPC UA etwa macht es einfach, unterschiedliche Komponenten zu integrieren – unabhängig vom Hersteller. Proprietäre Protokolle sind da eine Sackgasse. Ähnlich bei Linux: Wir setzen auf eine große Entwickler-Community und Docker-Technologie, sodass Kunden eigene Applikationen direkt auf unseren Geräten laufen lassen können.
Die Kombination aus Edge-Computing, Soft-PLC und Cloudanbindung ist zentral. Welchen Mehrwert hat das für Maschinenbauer und Betreiber?
U. Richter: Sie können flexibel entscheiden, welche Komponenten sie einsetzen – Visualisierung, VPN, Cloud, Edge oder Soft-PLC. Ein HMI kann auch als Edge Device dienen, über das per VPN sicher auf Anlagen zugegriffen wird. Und sie sind nicht an einen Lieferanten gebunden – das ist echte Open Automation.
Wie entsteht auf der Plattform Co-Innovation?
U. Richter: Durch Vernetzung. Maschinenbetreiber treffen in Echtzeit Entscheidungen direkt an der Maschine, können aber auch weltweit auf ihre Anlagen zugreifen. Unsere IIoT-Software liefert die Dashboards, Auswertungen und Visualisierungen dafür. Eine Datenvorverarbeitung kann in der Edge stattfinden. In der Cloud laufen dann alle relevanten Informationen zusammen.
Viele Maschinenbauer wollen ihr Servicegeschäft digital erweitern. Wie unterstützt die X Platform den Wandel zur Servitization? Wie wird sie zum Türöffner für neue Geschäftsmodelle?
U. Richter: Service Business basiert auf Daten. Wir helfen, diese Daten aus bestehenden Anlagen herauszuholen, zu verarbeiten und in neue Geschäftsmodelle zu überführen. Das startet mit SoftSoftware-as-a-Service. Wir ermöglichen aber auch Platform-as-a-Service bis hin zu White-Label-Lösungen, die der Kunde unter eigenem Namen vertreiben kann. Eine wichtige Rolle spielt das auch für Brownfield-Anlagen. Hier haben wir wieder mit unserer Offenheit und Skalierbarkeit die Trümpfe in unserer Hand. Für das Monetarisieren des Service Business stellen wir unseren Kunden verschiedene Modelle zur Verfügung, wie sie ihr Business auf unserer Plattform aufbauen können.